Frage & Antwort

Frage & Antwort Warum zittern wir bei Kälte?

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Fäustlinge wären jetzt hilfreich. Hände und Füße verlieren zuerst an Wärme.

(Foto: imago/Westend61)

Temperaturen um den Gefrierpunkt, die Kälte kriecht bis in die Knochen. Wer da beim Warten auf den nächsten Bus nicht dick genug angezogen ist, klappert mit den Zähnen. Wie kommt das eigentlich? Und wofür ist es gut?

Es ist ja ganz normal, dass man zittert, wenn einem so richtig kalt ist. Aber wie stellt der Körper das an? Und warum? (fragt Sabine S. aus Paderborn)

Rund 37 Grad Celsius: Das ist der Wert, um den sich im Körper alles dreht. Es ist die Kerntemperatur, die der Organismus aufrechtzuerhalten bestrebt ist – wenn er sich nicht gerade mit Fieber gegen Bakterien oder Viren wehrt. An einer Unterkühlung jedenfalls ist der Körper nicht interessiert. Zwar dürfen Haut, Finger und Zehen um einiges kälter sein als 37 Grad (bei 15 Grad Lufttemperatur liegt die mittlere Hauttemperatur nur noch bei etwa 24 Grad, die Fingertemperatur sinkt gar auf 16 Grad Celsius herab). Doch im Körperinnern, wo die Organe arbeiten, wären solche Werte tödlich. Hier ist eine Wärme von etwa 37 Grad Celsius das Optimum.

Um diese Temperatur auch bei Kälte zu halten, hat der Körper einige Mechanismen auf Lager. Der erste und einfachste ist die Gänsehaut. Sie ist ein Relikt aus jenen Zeiten, als der Mensch noch Fell hatte. Damals nämlich stellten sich mit der Gänsehaut die vielen Haare auf; dazwischen konnte sich ein Luftpolster bilden. Das wärmte und hielt die Kälte ab.

Zittern ist die letzte Zündstufe

Heute ist Gänsehaut nicht mehr ganz so wirkungsvoll. Reicht sie nicht aus, setzt der Körper einen weiteren Mechanismus in Gang: Die Muskeln an den vielen kleinen arteriellen Blutgefäßen in der Haut ziehen sich zusammen. Die Folge: Die Haut wird nicht mehr so gut durchblutet. Und das wiederum bewirkt, dass nicht mehr so viel Wärme an die Körperoberfläche und damit nach außen gelangt. So bleibt es im Körperkern schön mollig. Die Organe also bekommen von der Kälte nichts zu spüren. Das ist das oberste Ziel.

Doch womöglich hat uns der Winter voll im Griff, wir sind durchgefroren, und alles, was der Körper bislang versucht hat, genügte nicht, um uns ausreichend warm zu halten. Kein Problem, der Organismus zündet die nächste Stufe, allerdings ist es auch die letzte: Das Zittern beginnt. Jetzt kontrahieren die Muskeln, lassen locker, kontrahieren wieder, lassen locker – in schneller Abfolge. Ist die Kiefermuskulatur beteiligt, was meist der Fall ist, klappern die Zähne. Ohne dass wir etwas dafür tun müssen, bewegen sich also deutlich wahrnehmbar die Muskeln. Und was geschieht bei Bewegung? Uns wird warm; zumindest wärmer als ohne Zittern. Wer noch dazu aktiv ist und - statt an der Bushaltestelle nur rumzustehen - ein wenig auf und ab läuft, auf den Zehenspitzen wippt oder mit den Armen schlenkert, unterstützt den Körper bei seinen Bemühungen, die Kerntemperatur zu halten. Noch besser ist es, schnell beheizte Räume aufzusuchen.

Schärfe vertreibt die Kälte, Alkohol nicht

Ein Glühwein hingegen würde jetzt zwar die Hände wärmen, die sich um den Becher schließen, doch der enthaltene Alkohol erweitert die Blutgefäße. Und damit geschieht genau das, was der Körper mit dem zweiten Anti-Kälte-Mechanismus zu verhindern versucht hatte: Da zog er die Blutgefäße zusammen. Alkohol also wärmt nicht, ganz im Gegenteil. Heiße Getränke ohne Alkohol jedoch sehr wohl, ebenso wie Suppen. Besonders warm wird es, wenn Ingwer, Chili oder Tabasco enthalten sind. Die Schärfe macht’s.

Wer sich wünscht, mit Kälte grundsätzlich etwas robuster umgehen zu können, kann sich mit Wechselduschen oder Saunabesuchen nach und nach abhärten. Der Körper kann sich dann irgendwann leichter an die verschiedenen Temperaturreize anpassen. Auch längerfristiges Muskeltraining könnte helfen. Denn je mehr Muskeln, umso besser der Stoffwechsel und damit die Wärme-Produktion. Ein Muss sind bei winterlichen Temperaturen natürlich Mütze, Handschuh, Schal und Stiefel. Und auch die Fettcreme fürs Gesicht gehört zur Grundausstattung.

Übrigens: Frauen frieren im Allgemeinen tatsächlich schneller als Männer; das ist kein Mythos, sondern Fakt. Frauen haben weniger Muskelmasse und dünnere, empfindlichere Haut. Außerdem bringen sie den Nachwuchs zur Welt, weshalb ihr Bauch stets am besten durchblutet ist. Hände und Füße sind da erstmal nachrangig - und spürbar kälter.

Quelle: ntv.de