Frage & Antwort

Frage & Antwort Wie ist Sex im All?

barbarella.jpg

In "Barbarella", einem Science-Fiction-Streifen von 1968, legt Jane Fonda einen Striptease in fingierter Schwerelosigkeit hin. So sexy und mühelos ginge es in echter Schwerelosigkeit allerdings nicht weiter.

(Foto: imago stock&people)

Hat man schon mal Sex im Weltraum ausprobiert? Geht das überhaupt in der Schwerelosigkeit? (fragt Günter P. aus Köln)

Keine Studie verrät es, kein Erfahrungsbericht erzählt davon. Wenn es um Sex in der Schwerelosigkeit geht, ist die Fantasie gefragt. Der allerdings werden durch physikalische und biologische Gesetzmäßigkeiten schnell enge Grenzen gesetzt. Im Raum schwebend Sex zu haben, klingt zwar nach dem größtmöglichen Sahnehäubchen auf dem ohnehin schon üppigen Dessert, bringt in Wirklichkeit aber einige Schwierigkeiten mit sich.

Problem Nr. 1: die Erektion. Sich Sex im All einfach nur vorzustellen, mag anregend wirken. Einmal in der Schwerelosigkeit angekommen, ist die Libido jedoch, wie Astronaut Ulrich Walter einst verriet, "zunächst stark eingeschränkt". Das liegt daran, dass sich der Hormonhaushalt erst an die neuen Bedingungen gewöhnen muss. Und auch, wenn die Hormone wieder mitspielen, sind die Abläufe im Organismus nicht ganz dieselben wie auf der Erde: Wo keine Schwerkraft ist, verteilt sich das Blut überwiegend in der oberen Körperhälfte. Einer Erektion wäre das, so der Hinweis von Astrophysiker Harald Lesch, alles andere als zuträglich.

Nicht alle mögen Fesselspiele

schwerelosigkeit2.jpg

Beim Kosmonauten-Training fliegen sie aufeinander. Und dann?

(Foto: imago stock&people)

Angenommen, diese ersten Anpassungshürden sind überwunden, gilt es, Problem Nr. 2 in den Griff zu bekommen: das Schweben. Sanft gleiten die Astronautinnen und Astronauten auf der ISS durch den Raum. Bodenständige, erdgebundene Menschen können da schon mal neidisch werden. Doch immer und zwangsläufig zu schweben, hat natürlich seine Tücken – und die sind bekannt. Was machen ISS-Raumfahrer, wenn sie auf der Toilette mal ein paar Minuten still sitzen müssen? Sie klemmen sich fest. Sie legen sich zwei Bügel über die Oberschenkel, damit diese fixiert sind und sie nicht davonfliegen. Und was machen die ISS-Raumfahrer, wenn sie schlafen wollen? Sie schlüpfen in einen Schlafsack und schnallen sich fest, wenigstens die Hände. Und was wäre nun beim Sex? Dreimal dürfen Sie raten...

Mit "Shades of Grey" mögen Fesselspiele viele neue Fans gefunden haben. Bloß: Im All würden wohl beide Partner in den Genuss kommen. Gleichzeitig. Von Bewegungsfreiheit keine Spur. Wie aber sollen dann einigermaßen koordinierte Bewegungen gelingen? Fakt ist: Wer in der Schwerelosigkeit frei schwebend aufeinanderstößt, prallt voneinander ab. Das sind durchaus widrige Umstände, was Sex anbelangt.

Man denkt nicht an "das eine"

Dass es trotzdem klappen kann mit dem Liebesspiel im Weltraum, zeigen Studien. Die allerdings rücken nicht den Menschen in den Fokus, sondern Fruchtfliegen. Sechs Wochen kreisten die vermehrungsfreudigen Insekten in 500 Kilometern Höhe um die Erde. Die Schwerelosigkeit kümmerte sie offenbar wenig. Wie erhofft, kamen mehr Fruchtfliegen aus dem All zurück, als gestartet waren.

Astronauten jedoch beteuern, dass sie bei ihren Aufenthalten im Weltraum mit ihren Gedanken woanders seien als beim irdischen Dauerbrenner Sex. "Während des zehntägigen Shuttlefluges dachten wir an alles, nur nicht an das eine", sagte Ulrich Walter. Das sehen die NASA-Richtlinien auch so vor. Zwar gibt es keine Vorschriften, die sich explizit mit dem Thema Sex beschäftigen. Aber der Verhaltenskodex für Raumfahrer schreibt vor, dass kein Besatzungsmitglied der ISS durch sein oder ihr Verhalten zeigen solle, "dass bestimmte Personen auf der Mission bevorzugt werden".

Sex in einem Raumschiff oder einer Raumstation ist nämlich auch ein psychologisches Problem. Als im September 1992 das Astronauten-Ehepaar Jan Davis und Mark Lee auf eine Space-Shuttle-Mission ging, sollen die beiden durchgehend auf unterschiedlichen Arbeitsschichten eingesetzt worden sein. So war Sex von vornherein ausgeschlossen.

Irgendwann einmal wird man sich des Themas aber wohl doch noch wissenschaftlich annehmen müssen. Denn wenn der Mensch den Mars besiedeln soll (dessen Schwerkraft nicht halb so stark ist wie die der Erde), geht es beim Sex im All nicht allein ums Vergnügen, sondern um die Arterhaltung. Dann stellen sich ganz andere Fragen als die nach Hormonen und (un)möglichen Stellungen. Wären im Weltraum geborene Babys lebensfähig? Auch auf der Erde? Monatelange Aufenthalte auf Raumstationen können schon den Körper Erwachsener, insbesondere Knochen und Muskeln, erheblich schädigen. Und wie überhaupt verliefe die Geburt? Biologin Athena Andreadis von der Universität Massachusetts bringt es auf den Punkt: "Bei null Schwerkraft zu gebären ist die Hölle." Schwerelosigkeit – so verlockend sie auch erscheinen mag – hat eben auch gewichtige Nachteile.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema