Fundsache

Winzig und vollständig erhalten Schädel von Urvogel steckt in Bernstein

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Bernstein mit Oculudentavis-Schädel. Der Schädel ist 99 Millionen Jahre alt und fast perfekt erhalten.

(Foto: Lida Xing/dpa)

Es gibt spektakuläre Bernstein-Funde, die erlauben einen Blick in das Leben von vor Millionen Jahren. In einem Exemplar machen Forscher nun eine ganz besondere Entdeckung.

Eingeschlossen in 99 Millionen Jahre altem Bernstein aus Myanmar haben Forscher den vollständigen Schädel eines kleinen Vogels entdeckt. Er misst gerade einmal 7,1 Millimeter. Oculudentavis khaungraae, wie Wissenschaftler die neue Art genannt haben, ist damit die kleinste bisher bekannte Art vogelähnlicher Dinosaurier, berichtet die Gruppe um Lida Xing von der China University of Geosciences in Peking (China) in der Fachzeitschrift "Nature". Die Größe des Tieres entspricht etwa der einer Bienenelfe (Mellisuga helenae), des heutzutage kleinsten Vogels.

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CT-Scan des Schädels von Oculudentavis, Oculudentavis bedeutet Augen-Zahn-Vogel, nach seinen charakteristischen Merkmalen.

(Foto: LI Gang/dpa)

Der Gattungsname Oculudentavis ist von den lateinischen Bezeichnungen für Auge, Zahn und Vogel abgeleitet und verweist auf die Besonderheiten des urtümlichen Tiers. So besteht der äußere Ring der Augenhöhle aus 14 Knöchelchen, die löffelartig geformt sind, wie es sonst nur von Eidechsen bekannt ist. Oculudentavis khaungraae trug viele Zähne an seinem Schnabel - mehr als andere Vögel aus seiner Zeit. Am Oberkiefer waren es vermutlich 46, am Unterkiefer bis zu 60. Sie steckten auch nicht in Zahnhöhlen des Kiefers, sondern waren seitlich an ihm befestigt. Die Zahngrößen und Formen sind recht variabel.

Weil die Augenhöhle recht klein ist und nicht viel Licht in die Pupille fallen konnte, vermutet das Team um Xing, dass der Urvogel am Tag aktiv war. Die vielen Zähne lassen darauf schließen, dass sich Oculudentavis khaungraae von Tieren ernährte, wegen seiner geringen Größe wohl vor allem von wirbellosen Tieren wie Insekten oder Würmern.

Schwer in Vogel-Stammbaum einzuordnen

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Computergrafik eines Oculudentavis bei der Insektenjagd.

(Foto: Han Zhixin/dpa)

Schwierigkeiten bereitete es den Forschern, Oculudentavis khaungraae in den Stammbaum der Vögel einzuordnen. "Die Größe und die Formen dieser Art lassen auf einen bisher unbekannten Bauplan schließen", schreiben die Wissenschaftler. Nach einer Analyse mit 257 anderen fossilen Arten schlagen sie einen Platz zwischen dem legendären Urvogel Archaeopteryx und der Gattung Jeholornis vor.

Dabei ist die neue Art sehr viel kleiner als seine vermutlich nächsten Verwandten und wog womöglich nur zwei Gramm. Vielleicht habe er sich in einer abgeschotteten Umgebung entwickelt, etwa auf einer Insel. Dies würde auch zur Theorie passen, dass die Bernsteine im nördlichen Myanmar auf Inseln entstanden sind. Aus Verwachsungen zwischen verschiedenen Knochen schließen die Forscher, dass das Tier erwachsen oder fast erwachsen war.

In einem Kommentar, ebenfalls in "Nature", schreibt Roger Benson von der University of Oxford (Großbritannien): "Die Entdeckung legt nahe, dass sich die Miniaturkörpergrößen bei Vögeln früher als bisher bekannt entwickelt haben und könnte Einblicke in den Evolutionsprozess der Miniaturisierung geben." Die Hoffnung auf weitere Entdeckungen in Bernstein aus Myanmar sei nach dieser Entdeckung groß - insbesondere für winzige Tiere.

Quelle: ntv.de, Stefan Parsch, dpa