Fundsache

Fundsache, Nr. 1309 Ur-Säugetier mit Haaren und Stacheln

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Rekonstruktion des kreidezeitlichen Ursäugers Spinolestes xenarthrosus.

(Foto: Zeichnung: Oscar Sanisidro. Mit Genehmigung der Nature Publishing Group)

Es war so groß wie eine Ratte und sein Körper war mit Fell bedeckt. Die genaue Analyse der fossilen Überreste eines Ur-Säugers überrascht die Forscher gleich zweimal.

Ein internationales Forscherteam hat ein sehr gut erhaltenes Skelett aus der Kreidezeit untersucht und dabei sogar Detailanalysen des Fells machen können. Die Untersuchungsergebnisse ließen aufhorchen: Das Tier litt zu Lebzeiten wahrscheinlich an einer Pilzinfektion im Haarkleid, die bis heute Säugetiere heimsucht.

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Skelett des Ursäugers Spinolestes mit erhaltenem Fellschatten. Am oberen Bildrand (Pfeil) erkennt man die Ohrmuschel. Das Skelett wurde bei der Präparation auf eine Kunstoff-Matrix transferiert.

(Foto: Georg Oleschinski. Mit Genehmigung der Nature Publishing Group)

Doch damit nicht genug: Die Forscher fanden außerdem heraus, dass der Säuger nicht nur Haare auf seinem Körper hatte, sondern auch kleine Stacheln am Rücken trug. Diese ähnelten denen von Igeln, waren aber wesentlich kleiner. Ihnen verdankt der Kleinsäuger auch seinen Namen Spinolestes (spinosus lat. für stachelig). Der Fund der Stacheln ist der erste, den die Paläontolgen bei einem Fossilfund aus dem Erdmittelalter nachweisen können.

Die Rückenhaut des Tieres muss zudem mit kleinen hornigen Plättchen bedeckt gewesen sein. "Wir kennen diese Merkmale von den heutigen Stachelmäusen aus Afrika und Kleinasien", erklärt Prof. Dr. Thomas Martin vom Steinmann-Institut für Geologie, Mineralogie und Paläontologie der Universität Bonn. "Wenn diese von einem Räuber am Rücken gepackt werden, lösen sich die Stacheln von der Haut ab. Die Maus kann fliehen, dem Angreifer bleibt nichts als ein Maul voller Stacheln." Möglicherweise erfüllten diese Strukturen bei Spinolestes einen ähnlichen Zweck.

Kein direkter Maus-Verwandter

Auch wenn die Tiere vor 125 Millionen Jahren so ähnlich wie die heute lebenden Mäuse aussahen, können die Forscher den Fund keiner lebenden Säugergruppe zuordnen. "Er weist zwar Merkmale auf, die wir auch bei heutigen Säugetieren finden. Diese sind aber kein Verwandtschaftszeichen, sondern unabhängig entstanden - sie sind im Laufe der Evolution mehrmals 'erfunden' worden", erklärt Martin.

Das Gleiche gilt für die Besonderheit der Wirbelsäule von Spionolestes: Die einzelnen Wirbel verfügen über Fortsätze, durch die sie miteinander verschränkt sind. Dadurch war der Rücken des Tieres außergewöhnlich belastbar. Warum, darüber lässt sich nur spekulieren. Eines jedenfalls zeige der Fund eindrucksvoll, sagt Prof. Martin: "Schon vor 125 Millionen Jahren war Spinolestes sehr gut an seine ökologische Nische angepasst - durch Hornplättchen und Stacheln am Rücken sowie durch seine verstärkte Wirbelsäule." Damit reihe sich das Fossil in eine ganze Reihe neuerer Funde ein. "Wir müssen wohl umdenken", so Martin. "Die Säugetiere zuzeiten der Dinosaurier mögen zwar klein gewesen sein. Primitiv waren sie aber ganz gewiss nicht."

Der Fund, der diese spektakulären Ergebnisse liefert, stammt von der Fossil-Lagerstätte Las Hoyas in Spanien. Diese ist bislang vor allem für ihre gut erhaltenen Vogel- und Reptil-Fossilien bekannt. Bereits vor drei Jahren jedoch stieß ein Grabungsteam unter der Leitung der Paläontologin Angela Buscalioni (Autónoma-Universität Madrid) dort auf das versteinerte Skelett eines unbekannten Kleinsäugers. Sie brachte den Fund nach Bonn, wo die Knochen- und Gewebereste mit einem Spezialverfahren aus dem Kalkstein herausgelöst werden konnten.

Quelle: n-tv.de, jaz

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