Riekes Rückspiegel

Was war am 6. November? Der Tag, als Strauß sein Bayern eroberte

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Franz-Josef Strauß steht ab 1978 an der Spitze Bayerns, Sohn Max ist beeindruckt.

Er ist die Ikone der CSU, doch erst zum Ende seiner politischen Laufbahn steigt Franz-Josef Strauß zum bayerischen Landesvater auf. Nach einem rekordverdächtigen Ergebnis bei der Landtagswahl übernimmt der Hobby-Pilot "das schönste Amt der Welt".

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Wussten Sie, dass … ein Hobby-Pilot heute vor 41 Jahren eine neue politische Ära in Bayern angeschoben hat? Am 6. November 1978 wählte der bayerische Landtag in München Franz Josef Strauß zum neuen Ministerpräsidenten. Die CSU-Ikone drückt nicht nur ihrem Heimatland ihren Stempel auf.

Mehrmaliger Bundesminister, Europaparlamentarier, CSU-Parteichef - die politische Karriere des Franz-Josef Strauß, kurz: FJS, ist abwechslungsreich und bewegt. Doch oft führt sie ihn viel zu weit weg von seiner bayerischen Heimat. Mit 63 Jahren korrigiert der kernige Münchener diesen Makel und lässt sich Ende 1978 zum offiziellen Landesvater krönen. Zuvor hatte Strauß die CSU in dem Freistaat zu einem deutlichen Wahlsieg mit 59,1 Prozent geführt - dem bis heute drittstärksten Ergebnis in der Geschichte der Partei.

Doch auch wenn Strauß nun endgültig die bajuwarischen Zügel in der Hand hält, kann er nicht so recht von der Bundespolitik lassen. Diese Haltung gipfelt nur wenige Monate nach seiner Wahl zum Ministerpräsidenten, als er sich zum Kanzlerkandidaten der Unionsparteien küren lässt. Die Bundestagswahl von 1980 hat die Union gegen die SPD mit Helmut Schmidt und deren Koalitionspartner FDP das Nachsehen. Drei Jahre später erklärt Strauß in der "Rhein-Neckar-Zeitung": "Ich habe immer betont, dass das Amt des Bayerischen Ministerpräsidenten das schönste Amt der Welt ist."

Dieses Amt nutzt er fortan nicht nur, um die wirtschaftliche und bundespolitische Stärke Bayerns zu stärken, sondern auch, um sich außenpolitisch einzumischen - sei es durch Attacken auf die Arbeit von Außenminister Hans-Dietrich Genscher, den umstrittenen wie überraschenden Milliardenkredit an die DDR oder auch den 1987 selbstgesteuerten Schneesturm-Flug nach Moskau zum Sowjet-Machthaber Michail Gorbatschow. Wie urteilte Ex-Bundeskanzler Willy Brandt 1989 in seinen Memoiren noch gleich über den ein Jahr zuvor verstorbenen FJS? "Ohne ihn wäre die deutsche Politik langweiliger gewesen."

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Redakteur Christoph Rieke wirft in "Riekes Rückspiegel" täglich einen Blick in die Vergangenheit.

Quelle: n-tv.de