Riekes Rückspiegel

Was war am 1. November? Als die "Titanic" die Provokation neu erfand

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Satire unterm Ährenkranz mit Zonen-Gabys Banane in Gurkenschale: Die "Titanic" ist 40 geworden.

(Foto: picture alliance/dpa)

Ob mit "Zonen-Gaby" oder "Partei"-Propaganda: Die "Titanic" weiß zu provozieren. Nun jährt sich die Erstausgabe des "endgültigen Satiremagazins" zum 40. Mal. Der Humor unterhalb der Gürtellinie kommt nicht immer gut an.

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Wussten Sie, dass … das wohl bissigste deutsche Medium heute vor 40 Jahren zum ersten Mal erschienen ist? Am 1. November 1979 feierte die "Titanic - das endgültige Satiremagazin" ihre Jungfernfahrt an den Kiosken. Bis heute ist sie die größte Satirezeitschrift Deutschlands und sorgte im Laufe der Jahrzehnte für mehrere Skandale.

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Wer kennt sie nicht, das "Bananen"-Cover mit "Zonen-Gaby" oder Aufsehen erregende Aktionen der "Partei"? Seit nunmehr vier Jahrzehnten weiß die Redaktion der "Titanic" zu provozieren, ob mit bitterbösen Texten, respektlosen Karikaturen oder skandalträchtigen Manipulationen. Polarisieren mit dem künstlerisch anspruchsvollen Handwerk der Satire - das ist von Beginn an die oberste Devise der "Titanic"-Macher.

Fast immer erinnern bereits die anstößigen Titelseiten an die anvisierte Richtung des Magazins: unter der Gürtellinie. Manchmal wird aber auch zurückgeschossen. Und das sogar von ganz oben. Auf das Cover der Juli-Ausgabe 2012 mit einem inkontinenten Papst Benedikt XVI. erwirkte der Vatikan eine einstweilige Verfügung - zog diese später aber wieder zurück. Im Laufe der Jahre muss die "Titanic" aber auch Dutzende juristische Niederlagen wegstecken - allerdings nicht gegen den vielfach durch den Kakao gezogenen Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl - und mitunter tief in die selten prall gefüllte Tasche greifen.

Politischer Arm reicht bis Brüssel

All diese Auf und Abs haben ihre Wurzeln im Frankfurt Ende der 1970er-Jahre. In der Mainmetropole steckten Robert Gernhardt, Peter Knorr, Chlodwig Poth, Hans Traxler und Friedrich K. Waechter ihre Köpfe zusammen und hoben das neuartige Magazin aus der Taufe, das eigentlich "Die Sonne" heißen sollte. "Wir kommen auch nicht drauf, was dieses Journale Grande eigentlich soll", steht in der mittlerweile traditionellen Eröffnungsrubrik "Briefe an die Leser" der ersten Ausgabe. Diese wurde, so erinnert sich Gründervater Knorr auf Anfrage von n-tv.de, zwar schon im Oktober 1979 auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt. Ab 1. November war das Premierenheft aber dann an den Kiosken der Bundesrepublik erhältlich.

Stolze 480 Ausgaben später ist die "Titanic" mit einer Auflage von eigenen Angaben zufolge 99.760 Exemplaren die größte deutsche Satire-Zeitschrift, hat mit der Buntstift-Leck-Mogelei bei "Wetten, dass..?" für einen Skandal gesorgt und nicht nur die Vergabe der Fußball-WM 2006 per Fax beeinflusst. Seit 15 Jahren verfügt sie mit der Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative (Die Partei) sogar über einen politischen Arm, der es unter anderem in Person von Ex-Chefredakteur Martin Sonneborn bis ins Europaparlament geschafft hat. Doch nicht alles ist fortschrittlich beim Frankfurter Magazin: In den Heften gilt die deutsche Rechtschreibung von 1903. Glauben Sie nicht? Dann prüfen Sie es nach: Die erste Ausgabe können Sie beispielsweise auf der Seite des Magazins kostenfrei herunterladen.

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Redakteur Christoph Rieke wirft in "Riekes Rückspiegel" täglich einen Blick in die Vergangenheit.

Quelle: n-tv.de