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Graue Scheidungen Ehepaar Gates folgt Trend zur späten Trennung

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Melinda und Bill Gates lassen sich scheiden.

(Foto: REUTERS)

27 Jahre lang waren Melinda und Bill Gates miteinander verheiratet, drei Kinder hat das Paar. Nun lassen sie sich scheiden - und manch einer wundert sich. Dabei werden auch in Deutschland immer mehr Verbindungen nach vielen Ehejahren geschieden.

Die durchschnittliche Ehedauer liegt in Deutschland aktuell bei 14,8 Jahren. Da bringen es Bill und Melinda Gates auf fast doppelt so viele Ehejahre. Doch nach 27 Jahren kündigen sie nun an, sie werden sich scheiden lassen. Warum, fragen sich viele. Und warum jetzt? Bill Gates ist 65, seine künftige Ex-Frau 56 Jahre alt. Hätten sie jetzt nicht einfach auch zusammen bleiben können? Nach all den Jahren?

Vermutlich hätten sie können, aber offenbar wollten sie nicht mehr. Damit sind sie Teil eines Trends, den auch die Zahlen aus Deutschland belegen. Demnach wurden 2019 die meisten Scheidungen von Paaren vollzogen, die über 26 Jahre miteinander verheiratet waren. Fachleute sprechen bereits von "grauen Scheidungen", weil die Partner miteinander ergraut sind und dann dennoch getrennte Wege gehen wollen. Was viele nicht wissen: Mit der Dauer jeder Ehe erhöht sich auch das Scheidungsrisiko. Das zeigen die Zahlen des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung.

Die Gründe dafür sind für Experten durchaus schlüssig. Vor allem hat sich die gesellschaftliche Sicht auf die Ehe verändert. Es wird längst nicht mehr als unabdingbar angesehen, verheiratet zu bleiben. Der Status "Geschieden" hat zudem kaum noch stigmatisierende Wirkung, wie es noch in den 1950er bis 1970er Jahren der Fall war. Hinzu kommt, dass immer mehr Frauen schon während der Ehe selbstbestimmter lebten und oft auch berufstätig waren, was die wirtschaftlichen Risiken im Fall einer Trennung erheblich verringert.

Leeres Nest als Risiko

Finanzielle Sorgen dürften Melinda und Bill Gates ohnehin nicht haben. Dem Magazin "Forbes" zufolge soll das Vermögen des 65-Jährigen mehr als 120 Milliarden US-Dollar betragen. Damit steht er aktuell auf Platz vier der globalen Liste der Superreichen. Doch Geld bewahrt niemanden vor den Veränderungen des Lebens. Und die führen oft dazu, dass auch langjährige Partnerschaften schließlich doch noch zu Ende gehen. So wie die Geburt von Kindern ein erhebliches Trennungsrisiko birgt, ist es auch beim Auszug des Nachwuchses. Die drei Gates-Kinder Jennifer, Rory und Phoebe sind bereits volljährig. Die jüngste Tochter Phoebe ist im September letzten Jahres 18 geworden.

Wenn die Kinder erstmal aus dem Haus sind, wird vielen Partnern erst so richtig klar, dass sie sich gar nicht mehr so viel zu sagen haben. Im Alltag mit Schulentscheidungen, Sport, Mahlzeiten und Familienritualen ist unbemerkt geblieben, dass da zwei Menschen ihre Leben nebeneinander führen, aber nicht mehr miteinander. Nun fallen diese Strukturen weg, und es wird sichtbar, was von der Paarbeziehung die gemeinsame Elternschaft überdauert hat.

Vor allem Partner, die in den Jahren zuvor kaum Zeit in ihre Gemeinsamkeit investiert haben, stehen dann oft mit recht leeren Händen da. Viele dieser Paare bemühen sich dann noch einmal sehr umeinander. Auch bei Paartherapeuten melden sich immer häufiger Ältere. Doch nicht immer sind diese Bemühungen von Erfolg gekrönt. Denn obwohl sie ihren Weg in den vergangenen Jahrzehnten miteinander gegangen sind, hat sich auch jeder der Partner für sich selbst weiterentwickelt. Der Partner, dem man vor vielen Jahren das Ja-Wort gegeben hat, ist also keineswegs noch der gleiche, auch wenn der Blick ins Familienalbum etwas anderes zu erzählen scheint.

Einfach mal allein leben

Studien zeigen, dass die Trennungswahrscheinlichkeit umso höher ist, je stärker sich die Partner in ihrer Lebenszufriedenheit unterschieden. Wer sich jahrelang vor allem im Familienalltag engagiert hat, möchte jetzt vielleicht mehr reisen und trifft auf einen Partner, der froh ist, dass es zu Hause endlich ruhiger zugeht. Dann ist es für beide schwer, zufrieden zu sein. Und nicht immer sind diese verschiedenen Erwartungen miteinander vereinbar. Vor allem, weil die Lebenserwartung ständig steigt, ist für viele die Aussicht auf mehrere Jahre eines anderen Lebens durchaus verlockend.

Denn nach vielen Jahren in einer Partnerschaft ist auch das Alleinleben aus Sicht vieler Trennungswilliger eine echte Alternative. Endlich dann aufstehen, wann es für einen selbst passt. Endlich das kochen, was man selbst am liebsten isst. Vor allem bei langen Partnerschaften hat man ja bereits Jahrzehnte in Gemeinsamkeit gelebt. Ganz ohne Schuldzuschreibungen oder schlechtes Gewissen möchte sich manch einer nun selbst am wichtigsten nehmen.

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Melinda und Bill Gates schweigen sich darüber aus, wer von beiden die Ehe nicht länger fortsetzen wollte. Sie schreiben in ihrer gemeinsamen Stellungnahme lediglich: "Nach reiflicher Überlegung und viel Arbeit an unserer Beziehung haben wir beschlossen, unsere Ehe zu beenden." Das klingt nach zwei erwachsenen Menschen, die sich Mühe gegeben haben und an einen Punkt gekommen sind, an dem mehr gegen als für eine Beziehung spricht.

Nach zwei Menschen, die gern einen Schlusspunkt setzen wollen, ohne alles schlecht zu finden, was sie in den gemeinsamen Jahren miteinander geschaffen und erlebt haben. Und auch sonst fällt kein böses Wort. Die Arbeit in der gemeinsamen Stiftung soll fortgesetzt werden. Wer weiß also schon: Vielleicht konnten sie sich nach all den Jahren einfach nicht mehr sehen, die Art, wie einer seine Pizza isst, der immer gleiche Witz oder die herumliegenden Socken. Manchmal sind es die vielen, kleinen Dinge, die einer langen Beziehung schließlich den Garaus machen.

Quelle: ntv.de

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