Leben

Pilze gegen Panik? Mentale Gesundheit in der Corona-Krise

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Anne Philippis Podcast ist nur für Erwachsene!

(Foto: Joachim Gern)

LSD, Psilocybin und MDMA gegen Depressionen? Pilze gegen Panik? Und ein neues Bewusstsein für mentale Gesundheit in Zeiten von Covid-19, sozialer Distanz und Masken, die zum Straßenbild gehören sollen? Anne Philippi macht sich mal ein paar Gedanken und erzählt sie ntv.de.

"Ich bin ganz sicher keine typisch psychedelische Person", sagt Anne Philippi - Autorin, Journalistin, Podcasterin und Gründerin des "New Health Club" - über sich selbst. Aber neugierig ist sie, deswegen will sie es auch immer ganz genau wissen. Früher hat sie berühmte Menschen interviewt, dabei aber "nur an der Oberfläche gekratzt", bis es ihr zu wenig wurde. Irgendwann hörte Philippi von Leuten aus dem Silicon Valley, die mit Mikro-Dosierungen von LSD und Psilocybin experimentierten, dass sie sich wacher fühlten, konzentrierter, ausgeruhter.

Und irgendwann wurde Philippi klar, dass Psychedelika etwas wirklich Nützliches sein könnten - vor allem in der momentanen Situation der Corona-Krise – und dass sie nichts mit Drogen im üblichen Sinne zu tun haben müssten. "Seit ein paar Wochen haben sich alle Fragen zu den Themen 'Mental Health' und 'Mental Wellness' verschärft - wir müssen in diesem Moment nicht nur auf unsere Körper aufpassen, sondern auch auf unsere Seele", sagt Philippi. "Bereits vor der Corona-Krise schoss die Zahl der Depressionskranken laut WHO in die Höhe: Über 300 Millionen Menschen auf der Welt leiden an Depressionen, eine ungeheure Zahl."

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Mit der Therapeutin Karen Dougherty spricht Philippi unter anderem über PTSD (Posttraumatisches Stress-Syndrom).

Was in ein paar Monaten genau mit uns passiert, kann niemand vorhersagen. Was sich nach der großen Krise aber ganz sicher verändern wird, ist klar: "Unsere Einstellung zu dem, was wir mentale Gesundheit nennen, wird sich drastisch verändern. Durch Lockdown und Quarantäne wird so ziemlich jeder an seine eigenen psychischen Grenzen gestoßen sein, und das ist nicht unbedingt etwas Schlechtes", findet die Gründerin. "Wir erfahren Neues über uns. Und in Zukunft wird es viel mehr um das Auf-sich-Aufpassen gehen, bevor wir in eine mögliche Depression oder ein Burn-Out rauschen", hofft sie.

Kein ausgeflippter Tech-CEO

"Ich glaube, für mehr Aufmerksamkeit einer neuen mentalen Wellness gegenüber gab es nie eine bessere Zeit und einen besseren Moment, sich dessen bewusst zu werden, auch als Community, als Gemeinschaft", glaubt Philippi. In ihrem Podcast mit der kanadischen Therapeutin Karen Dougherty hat sie gerade darüber gesprochen, dass diese ein Netzwerk mit ihren Kollegen gegründet hat, um Krankenschwestern und Ärzte mental zu unterstützen, während diese jeden Tag in einer kriegsartigen Situation arbeiten und Leben retten müssen - oft, ohne auf die eigene Gesundheit oder den eigenen Schutz wirklich Rücksicht nehmen zu können.

In unserer jetzigen Zeit, in unserer jetzigen Situation, werden nun auch Stimmen laut, die über den Einsatz von Psychedelika neu nachdenken. "Auf der ganzen Welt werden derzeit LSD, Psilocybin und MDMA neu erforscht, um Traumata, Trauer und Depressionen neu zu heilen", sagt Anne Philippi. Vielleicht wird der Einsatz dieser Substanzen, dieser Tools, durch die aktuelle Krise beschleunigt?

Philippi weiß, wie sich das anhört, wenn sie über Magic Mushrooms und Co. spricht: "Ein Psychiater aus Sacramento, Dr. Morgan Campbell, solider Arzt und mitnichten ein ausgeflippter Tech-CEO, forderte die US-amerikanische Lebensmittelüberwachungs- und Arzneimittelbehörde bereits letzte Woche auf, Notfallzulassungen für Behandlungen mit MDMA, LSD und Psilocybin zur Behandlung psychischer und emotionaler Traumata, die durch die Coronavirus-Pandemie verursacht wurden, zu erteilen" erzählt sie. Um klar zu machen, dass es sich um ein seriöses Thema und nicht irgendeine abgefahrene Drogenerfahrung handelt: "Wir sind auf einem anderen Weg als vor ein paar Wochen, und Dr. Campbells Idee könnte bald Wirklichkeit werden", glaubt Philippi. Wir werden sehen - einen Versuch wäre es zumindest wert.

Quelle: ntv.de