Leben

One Woman Show Tage der seelischen Gesundheit - jetzt!

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Kirsten Dunst in "Melancholia" von Lars von Trier.

(Foto: imago images/Mary Evans)

Heute ein ernstes Thema, denn am 10. Oktober ist der "Welttag der seelischen Gesundheit", oder auch "World Mental Health Day". Das sagt sich so leicht dahin, denn in Gesundheit klingt ja das Wort "gesund" mit, und das ist genau das, was vielen Menschen gerade fehlt.

Wir haben eine wirklich anstrengende Zeit hinter uns: Corona. Menschen sind gestorben, nahe Menschen, ferne Menschen, durch eine unsichtbare Bedrohung, die wir nicht auf dem Schirm hatten. Viele Menschen habe ihre Arbeitsplätze verloren. Viele Menschen hatten plötzlich mehr zu tun als vorher. Kinder mussten betreut und gelehrt werden, gestrandete Familienmitglieder wieder aufgenommen werden (allein die Millionen von im Ausland Studierenden), um andere musste man sich noch mehr als vorher kümmern und die, um die man sich wirklich kümmern wollte, durfte man nicht sehen, ich sage nur: Seniorenheime unter Quarantäne. Was für ein Stress, was für schrecklich belastende Situationen. Menschen sind umgefallen wie die Fliegen, haben ihre Situation hinterfragt (lebe ich das richtige Leben?), als sie entweder mit sich allein oder der ganzen Familie eingeschlossen waren, die Burn Outs und Kopfschmerzen haben zugenommen, genauso wie die Angst vor der Zukunft.

Und parallel dazu diejenigen, die ihre "Auszeit" so ganz bewusst genossen haben, die sich endlich mal selbst entdecken konnten, kochen, backen, basteln bist der Arzt kommt, alle Yopa-Apps durchgetanzt, Sprachen und Klavier gelernt, stundenlang Liebe gemacht und einem mit ihren Self-Mindfulnessereien komplett auf den Keks gegangen sind. Schwamm drüber, jedem Tierchen sein Pläsierchen, wir haben es zu 85 Prozent geschafft, oder? Wir sind auch ein bisschen gewöhnt dran jetzt. Also, ja, da gibt's noch schwankende Inzidenzen, aber wir wollen nun endlich MIT dem Virus leben und nicht immer nur dagegen. Wir sollen alle wieder ins Büro zurück, egal, ob wir da in so Art Doppelstockbetten sitzen und die Luft dünn wird, Hauptsache geimpft, dann klappt das schon, Lautstärke egal, früher ging das doch auch. Und da beginnt der Denkfehler, denn früher war eben früher, und jetzt ist jetzt. Mit unseren Erfahrungen - nämlich, dass die Welt sich ganz schnell ändern kann, und zwar tatsächlich DIE GANZE WELT, auswandern zwecklos, oder auch mit der Erfahrung, dass man sich viel produktiver vorkommt, wenn man selbstbestimmt arbeiten kann, sich seine Zeit einteilt - Hauptsache, das Produkt stimmt at the end of the day - haben wir gemerkt, dass wir vieles, wie es früher war, gar nicht mehr wollen. Und dann fangen die Gedanken an zu kreisen.

A wie "allein" oder "alleinerziehend? Oder A wie "am Arsch"?

Wir lesen zur Ablenkung in den bunten Blättern und stellen fest: "Aha, die also auch", wenn Sarah Connor in den sozialen Medien "zugibt", immer wieder an Depressionen zu leiden, und auch Nora Tschirner und Kurt Krömer kennen die dunkle Seite. Dabei sind die doch so lustig, was wollen die denn eigentlich, sie haben coole Berufe, Geld und Fanclubs. Wincent Weiß, ein erfolgreicher, junger Musiker, sagte vor einiger Zeit: "Ich habe die Leichtigkeit im Leben verloren und konnte mich nicht mehr über Dinge freuen." Er machte aus seiner Erfahrung das Lied: "Wie es mal war". "Als ich den Song 2019 geschrieben habe, hatte ich bereits depressive Züge und bin zur Therapie gegangen." Gut so!

Wir spenden also an Organisationen, weil es anderen noch schlechter geht (Geld, uns geht's doch noch Gold, und Klamotten, wir haben schließlich sooo viel aussortiert in den Lockdowns), und vergessen uns. Dabei ist die Welt trotz Corona nicht stehen geblieben, und Irre auf der ganzen Welt legen unseren schönen blauen Planeten Stück für Stück immer weiter in Schutt und Asche. Wir wundern uns nach der Homeoffice-Zeit, warum Kollege X nicht da ist und Kollegin Y gekündigt hat. Aber wir rattern weiter. Wir ackern. Wir sind wie Nagetiere im Hamsterrad, keine Atempause, Geschichte wird gemacht, es geht voran!

Ich will in diesem Text gar nicht explizit davon anfangen, was die letzten Monate und überhaupt die immer anstrengender werdende, immer anspruchsvollere Umwelt für einen Einfluss auf Kinder und Jugendliche hat, die Quittung werden wir in ein paar Jahren bekommen. Ich will auch nicht lamentieren oder die Hundertste sein, die darauf hinweist, in welch enormer Doppel- bis Dreifachrolle sich Frauen wiedergefunden haben, dass Alleinerziehende langsam wirklich am Arsch sind und dass Männer eine Bürde spüren, nämlich die, weiterhin der große starke Mann sein zu müssen und der Ernährer der Familie. Wann hört das mal auf?

Kann ich Ihnen sagen: Wenn Sie Ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen. Gerade hat eine junge Unternehmerin einen Preis gewonnen, den Bold Women Award. Ich wurde deshalb hellhörig, weil er von der Champagnermarke Veuve Cliquot gestiftet und veranstaltet wird. Kann schonmal nicht verkehrt sein, zumindest gibt's da was Anständiges zu trinken (ich war leider nicht eingeladen). Anyway, einen Preis gewann jedenfalls Nora Blum, Gründerin von Selfapy, einem Start-up, das Menschen mit psychischen Erkrankungen mit einer digitalen Gesundheitsanwendung unterstützt. Mehr als 35.000 Nutzer haben über Selfapy bereits Hilfe erfahren. 70 Mitarbeiter und 25 Psychologinnen arbeiten für das Start-up. Das ist eine grandiose Idee! Die meisten Leute scheuen sich nämlich noch immer, Hilfe für ihre Psyche anzunehmen, sie haben das "Patient liegt auf Couch"-Freud'sche Bild vor Augen, und auch, dass es 'ne Menge kostet und man das Stigma weg hat, nie wieder von dieser Couch runterzukommen. Sich online mit sich auseinanderzusetzen, passt hingegen perfekt in unsere Zeit und klingt auch gleich viel aktiver .

Und wer dann einigermaßen mit sich im Reinen ist, der kann auch wieder in Sachen Job nach vorne gucken. Mit der App von ''Onesome" zum Beispiel, die klassisches Coaching und Personalentwicklung durch innovative Technologie revolutionieren will. Bei Onesome stützt man sich auf bewährte Coachingmethoden und ermöglicht einen rein digitalen Entwicklungsprozess, damit der User lernt, sich unter Anleitung selbst zu reflektieren und zu verändern. Das Gute ist, dass Apps immer und überall anwendbar sind und wir keine festen Zeiten, sprich: Sprechstunden, brauchen. In diese App kann man präventiv eintauchen, aber auch dann, wenn man merkt, dass einen die eigenen Muster daran hindern, voran zu kommen. Und genau das werde ich in der nächsten Woche anfangen: Mich dort einloggen und dann lernen, was in mir steckt. Denn dass noch etwas in mir steckt weiß ich - ich kenne nur den Weg dahin noch nicht. Ich werde berichten!

Quelle: ntv.de

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