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"Make Love" in der analen Phase Deutschland, was hast du nur für Sex?

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Die Sendung "Make Love" löst Sex-Probleme. Während zweien geholfen wird, können alle anderen lernen.

(Foto: © ZDF / Julia Kampe)

Liebe machen kann man lernen. Davon ist Ann-Marlene Henning überzeugt. In einer neuen Folge von "Make Love" befasst sie sich mit den Bettproblemen eines Paares - und bringt ganz nebenbei die Prostata ins Spiel.

Ein erigierter Penis im ZDF-Hauptprogramm! Es muss sich schon um einen ganz gehörigen Bildungsauftrag handeln, wenn die Männlichkeit vor 24 Uhr aufrecht stehen darf. Und tatsächlich hat Sexologin Ann-Marlene Henning noch Arbeit zu leisten. Mehr als die Hälfte der Deutschen ist mit dem eigenen Sexleben unzufrieden - mit dieser Botschaft beginnt die dritte Staffel von "Make Love".

Zu hören, dass es bei anderen genauso mies läuft wie bei einem selbst unter der heimischen Decke, ist tröstend. Klar, man kann jetzt scherzen über Daniela und Fritz, wie sie sich da vor laufenden Kameras seelisch nackig machen. Schließlich tragen sie beide Zöpfchen - sie ein kleines rotes, er ein langes braunes. Man darf das Paar aber viel eher als Eisbrecher begreifen. Ihre Probleme im Bett benutzt "Make Love" als Aufhänger. Denn Henning spricht in dieser Folge nicht nur mit einem Pärchen, sondern endlich mal über ein Tabu, das tatsächlich noch eins ist.

Das Geheimnis des "Squirtens"

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Ann-Marlene Henning bringt den Deutschen die Prostata näher.

(Foto: © ZDF)

Wer aufmerksam "Californication" geguckt hat oder sich doch wenigstens gelegentlich auf Porno-Seiten rumtreibt, kennt es als "Squirten". Gemeint ist die weibliche Ejakulation. Daniela nennt es "Sprudeln" - zugegeben, das ist doch ein wenig albern, nun ja. Jedenfalls ist es etwas, über das nicht alle gern reden, was nicht einmal alle kennen, geschweige denn können und was Großbritannien gar so anrüchig vorkam, dass es den Vorgang aus Pornos verbannte.

Wenngleich bereits rund 300 Jahre vor Beginn der Zeitrechnung bekannt war, dass Frauen spritzen, sprudeln, saften oder was auch immer können, hat sich insbesondere die jüngere westliche Geschichtsschreibung streng bemüht, das totzuschweigen. Genauso wie die weibliche Prostata. Die produziert nämlich besagte Flüssigkeit und darf überhaupt erst seit ein paar Jahren wieder offiziell Prostata heißen.

Bei einem Sender, dessen Durchschnittszuschauer altersbedingt jedenfalls gelegentlich mit der Erektion zu kämpfen haben dürfte, hätte man solch ein Thema kaum verortet. Dass es das ZDF trotzdem anspricht, ist mutig und richtig. Doch gemeinsam mit Henning wagt der Sender noch mehr.

"Warum liegt hier überhaupt Stroh?!"

Viele fänden den Gedanken ja doof, das weiß die Therapeutin. Fritz - hier exemplarisch für alle Männer - schlägt sie trotzdem vor, doch mal außerdem die eigene Prostata zu erkunden. Da geht es jetzt um den "Popo-Sex", der vor der Ausstrahlung mindestens eine Überschrift bereicherte.

Während die homophobe Twitter-Fraktion sofort "Schwulensex" trompetet, erklärt Henning geduldig, dass ein Mann auch allein durch die Stimulation der Prostata zum Orgasmus kommen kann. "Für viele Männer könnte das 'ne interessante Ecke sein, die sie noch nicht entdeckt haben", sagt Henning. Fritz - hier potenziell exemplarisch für alle Männer - weiß den Hinweis jedenfalls zu schätzen.

Stellenweise ist "Make Love" nach wie vor etwas ulkig. Wenn Henning zum Beispiel "so ein Dreieck" zeichnet, um Beziehungskonstellationen zu illustrieren. Oder wenn Daniela und Fritz sich auf Heuballen tief in die Augen sehen - denn "Warum liegt hier überhaupt Stroh rum?!".

Das Format ist auch ein bisschen esoterisch, in etwa so sehr, wie die Kristalle im Fenster des Problem-Paares, und ein bisschen klischeebehaftet, sobald es in der Fußballerkabine "echte Männer" befragt. Aber mit seinen Statistiken, seinen Vorzeige-Sex-Videos und seiner unbedingten Bereitschaft, persönliche Befindlichkeiten gelten zu lassen, ist es eine Bereicherung fürs Fernsehen. "Make Love" erregt nicht, aber regt an, weiter zu denken als bis zum nächstcleveren Twitter-Kommentar.

Die neueste Folge "Make Love" ist abrufbar in der ZDF-Mediathek. Die nächste Folge läuft am 4. August um 22.45 Uhr.

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Quelle: ntv.de

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