Unterhaltung

#ungefickt ist nicht = cool Die große Bühne bricht Böhmermanns Witz

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Jan Böhmermanns "Neo Magazin" ist "royal" geworden - aber nicht besser.

(Foto: Twitter/neomagazin)

Mit seinem Nischenformat "Neo Magazin" wagt sich Jan Böhmermann ins ZDF-Hauptprogramm. Was in der Experimentierkammer lustig war, geht auf großer Bühne leider unter. Das ZDF versucht "junges deutsches Fernsehen" - heraus kommt Bürgerliches.

Man muss ein bisschen wach bleiben und sollte nicht viel vorhaben an einem Freitagabend, will man Jan Böhmermanns "junges deutsches Fernsehen" im ZDF-Hauptprogramm genießen. Pünktlich zur Geisterstunde gehören etwa 30 Minuten dem "Neo Magazin Royale".

Das "Royale" am Grimme-Preis-gekrönten Fernsehformat steht hier für gewachsten Boden, Liveband und den Versuch eines Senders, das Image mit einem immerhin doch 33-Jährigen ein wenig jugendlich aufzupolieren.

Das neue Studio muss wenigstens einmal neu geguckt werden. Im Fernsehen und nicht am Laptop in der Mediathek. Auf 40 Zoll steht Böhmermann ganz schön verloren in seinen heiligen Hallen. Er wirkt nervös, er ist das Warm-Up für Wim Wenders' Drama "Paris, Texas" und er ist fehl am Platz - auch wenn er den Medienrummel im Vorfeld der Ausstrahlung verdient hat.

"Gästeliste gibt es auch nicht"

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William Cohn ist angeblich "extra mit dem Longboard gekommen".

(Foto: Twitter/CohnWilliam)

Am besten ist Böhmermann, wenn er über sich selbst spricht. Als der "Beef"-Träger Florentin Will ihm den Rapper-Zoff mit Haftbefehl auf Papier serviert, ist der Moderator ganz da. Den Schalk im Nacken zerfleddert er böse Facebook-Nachrichten ("Nein, Gästeliste gibt es auch nicht für Dich in Berlin!"). Eine nette, kleine Idee - Will’s Captain Obvious war besser.

Überhaupt vermag es die erste Folge der Show in neuem Kleid nicht, an alte Großartigkeiten anzuknüpfen. Da hilft es auch nicht, dass Böhmermanns Sidekick, Strickpulli-Enthusiast William Cohn, extra "mit dem Longboard gekommen" ist. Hätte er den kultigen Einspieler, der noch aus Böhmermanns erstem ZDF-Ausflug "Roche und Böhmermann" überlebt hat, mal lieber vor dem Interview mit Deichkind anmoderiert.

"Zack, fertig: Bikini!"

Der royalen Fassung des "Neo Magazins" fehlt eine Steigerung. Das Studio verschlingt Inhalte, die auf fünf Quadratmetern locker durchgegangen wären. Wenn eine Show sich ausprobiert, ist das gut. "Nachos, Käsedipp - zack, fertig: Bikini!" Mäßig lustig? Die "Bastel Brothers" durften das, weil nicht jeder Gag sitzen musste und die Genialität des Formats schon im bloßen Versuch bestand, etwas Neues zu schaffen.

Dafür war Böhmermanns Musikvideo-Ausflug in die 90er grandios. Guildo Horn, Sebastian Krumbiegel von den Prinzen, Oli P. und Dr. Alban toppen zwei Jahrzehnte später noch locker Böhmermanns Deichkind-Kooperation, die künstlich in die frühen 80er zurückverpflanzt wurde. Von "Prism is a Dancer" ganz zu schweigen.

Der Sex-Spiegel der Effenbergs

Vor imposanterer Kulisse muss mehr erwartet werden dürfen als die vulgär-ironische Hashtag-Paarung #ungefickt und #zdfiscool und ein Witz über vermeintlichen Spiegel-Sex der Effenbergs. Jan Böhmermann trägt tolle Anzüge, ist nicht zu überheblich für Selbstironie und so leidenschaftlich auf Krawall gebürstet, dass ihm sein Job nur am Herzen liegen kann. Aber wie viele Markus-Lanz-Witze muss man eigentlich noch ertragen?

Wenn Böhmermann dämliche Tweets einer Zuschauerin als Hörbuch einspielen lässt oder den jungen Youtuber Dner bei politischen Unüberlegtheiten entlarvt, bekommen kleine Spitzen gesellschaftskritische Bedeutung. Wo der Spannungsbogen aber nur von der 12-jährigen Til-Schweiger-Tochter Emma zu Sebastian Edathy reicht, bleibt das "Neo Magazin Royal" leider eher bürgerlich.

Quelle: ntv.de