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Ein blanker Hintern fürs ZDF Jan Böhmermann muss das Fernsehen retten

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Jan Böhmermann macht Fernsehen ironisch. Seine Nischen-Show "Neo Magazin" sendet ab Februar das ZDF.

(Foto: Twitter/ZEITmagazin)

Die Hoffnung des deutschen Fernsehens soll er sein. Mit dieser Last auf den Schultern zieht Jan Böhmermann mit seiner Nischen-Show "Neo Magazin" vom Spartensender zum ZDF um. Kann das gut gehen?

Für Fans von Jan Böhmermann wird es immer schwerer, Jan Böhmermann zu lieben. Jedenfalls die Version seiner selbst, die er im Fernsehen präsentiert. Aus der Asche der Talkshow-kritischen Talkshow "Roche und Böhmermann" stieg Böhmermanns Sparten-Phönix "Neo Magazin" auf. Das kauzige Late-Night-Programm auf dem Randsender ZDFneo war jung, voller Zitate von Popkultur und Weltgeschehen und zynisch - so wie sein Publikum. Wer vor sechs Jahren die Zeitschrift "Neon" abonniert hatte und sich heute mit "Irgendwas mit Medien" die fertigen Detox-Säfte finanziert, musste das "Neo Magazin" lieben. Wie lange noch?

Nun ziert Jan Böhmermann das Cover des neuen "Zeit"-Magazins: in ernster Angelegenheit, ironisch. "Was haben Sie mit dem deutschen Fernsehen vor, Herr Böhmermann?", fragt die Redaktion den schuljungenhaft posierenden Moderator. Die Antwort wartet eine Seite weiter in Form eines blanken Hinterns à la Kim Kardashian: "Ich gebe ihm seine Würde zurück". So sieht es aus, wenn die Feuilleton-beschworene Hoffnung des deutschen Fernsehens ins Hauptprogramm eines öffentlich-rechtlichen Senders umzieht. Ab dem 6. Februar läuft Böhmermanns aufpoliertes "Neo Magazin Royale" im ZDF - inklusive Shiny Floor.

Böhmermann hat Campino ausgezogen, Stefan Raab aufs Kreuz gelegt und Revolverheld eine zweite Chance gegeben. Pegida-Demos sind für ihn "so 1933", Helene Fischer eine "Sagrotan-Flasche". Mit vielen seiner Scherze wird Böhmermann auch beim großen TV-Publikum offene Türen einrennen. Ihm ist es nicht peinlich, als 137. Salz in offene Wunden zu kippen. Manchmal ist er auch der Erste, der sich einen Spaß erlaubt oder eine Unmöglichkeit erkennt. Und wenn er sich an der zuweilen fast schmerzhaften Schnittstelle von großartig und grausam um Kopf und Kragen redet, dann ist er am Besten.

Eine Show von Losern für Loser

Böhmermann ist sperrig im Fernsehen. Er will nicht beim Zuschauer auf der Couch sitzen und plauschen. Er macht eine Loser-Show - von Losern für Loser, das hat er mehrfach klargestellt. Für Digital Natives, Nörgler und Idealisten. Mit dem Sprung ins ordentliche TV-Programm ist er mit der RTL-Show "Was wäre wenn?" gescheitert. Seine Fans können auf die MTV-Exporte Palina Rojinski und Jan Köppen verzichten, deren Fans auf Böhmermanns "Um die Ecke"-Humor. Auch das Ü60-ZDF-Publikum muss er ganz ohne herzige Charmeoffensive bezirzen, will er seiner TV-Persönlichkeit treu bleiben.

Lana del Rey war schon nicht mehr cool, als ihr kalkuliert-improvisiertes Musikvideo zu "Video Games" die Eine-Million-Marke an Views knackte und wer ernsthaft über Fernsehserien sprechen möchte, spart sich die "Breaking Bad"-Referenz. Was heißt das für Jan Böhmermann und das "Neo Magazin"? Vermutlich, dass sie nur gewinnen können: ein größeres Publikum nämlich. Die Liebe der eingeschworenen "Zuerst-Kenner" dürfte spätestens seit dem "Grimme Preis" leise verdampfen - und die haben auch nur für den Nischenkanal gereicht. Vielleicht geschieht ja das Undenkbare: Das "Neo Magazin" bleibt auch in royaler Ausführung der geniale Geniestreich eines schwierigen Alleinunterhalters und macht trotzdem Quote -  selbst wenn es das laut ZDF-Programmdirektor Norbert Himmler erstmal gar nicht muss.

Quelle: ntv.de