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"So ein Funkeln in den Augen" Elizabeth II. – die Dauerkönigin

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Die Queen und ihre drei Musketiere: Thronfolger 1 Charles, Thronfolger 3 George, Thronfolger 2 William (v.l.n.r.)

(Foto: AP)

Die meisten Menschen kennen nur Elizabeth II. als britische Königin. Kein Wunder, denn sie sitzt seit 1952 auf dem Thron. Die Briten verehren ihre Queen. Neun Jahrzehnte Lebenserfahrung lassen Spitzenpolitiker ehrfürchtig werden.

"Auf den ersten Blick wirkt sie königlich. Aber sie hat eine mütterliche Art, man kann gut mit ihr reden", sagt George W. Bush rückblickend auf den Besuch von Queen Elizabeth II. im Mai 2007 in den Vereinigten Staaten. Dabei ist der US-Präsident zuvor bei seiner Begrüßungsrede vor dem Weißen Haus kräftig in den Fettnapf getreten. "Sie haben unser Land bei der 200-Jahr-Feier siebzehnhundert…, nein neunzehnhundertsechsundsiebzig unterstützt", verhaspelt sich Bush. "Sie hat mich angeschaut wie eine Mutter ihr Kind", erinnert er sich rückblickend: "Sie hatte so ein Funkeln in den Augen."

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"Man kann mit ihr reden, oh yes, indeed ..."

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Was wird sich die britische Dauerkönigin bei der Rede des 42. US-Präsidenten, der in der Zeit ihrer Thronbesteigung gerade einmal fünf Jahre alt war, wohl gedacht haben? "Das ist wieder mal typisch für die Amerikaner." Oder: "Das kann schon mal passieren." Elizabeth meisterte diesen kleinen Fauxpas jedoch natürlich mit der ihr eigenen Gelassenheit. Die Visite beim engsten Verbündeten, der seiner ehemaligen Kolonialmacht über den Kopf gewachsen ist, ist jedenfalls ein Erfolg. "Ich bin in dem Wissen aufgewachsen, dass das Überleben Großbritanniens im Krieg von dem Bündnis abhing, das Winston Churchill mit Präsident Roosevelt abgeschlossen hat", zeigt sie sich auf dem Bankett dankbar.

Die Königin und Churchill: Das war eine besondere Verbindung. Als Elizabeth nach dem zu frühen Tod ihres Vaters George VI. im Alter von 25 Jahren den Thron bestieg, war der konservative Politiker Premierminister und schon weit in den Siebzigern. Churchill war es, der die junge Elizabeth in den ersten Monaten ihres Königinnendaseins durch die unzähligen Untiefen der internationalen Politik führte, und er war - natürlich sehr diskret - eine Art Lehrmeister.

Nun ist die Queen 90 Jahre alt und aufgrund ihrer großen Erfahrung aus mehr als 64 Jahren Regentschaft selbst eine Ratgeberin. Die britischen Premierminister, aber auch ausländische Staats- und Regierungschefs, zehren von diesem umfangreichen Wissensschatz. Jede Woche macht der Premier bei der Queen seine Aufwartung und redet mit der Monarchin über wichtige Regierungsdinge. Über die Unterredungen wird nichts mitgeteilt, in dieser Frage sind die Mauern des Buckingham Palace undurchdringlich. Der von 1997 bis 2007 amtierende Premier Tony Blair sagte einmal, dass die Queen bei den Vier-Augen-Gesprächen immer gut vorbereitet sei und mit einem umfangreichen Detailwissen aufwarte.

Thronfolgerin durch Edwards Abdankung

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Prinz Albert, Herzog von York (der spätere König George VI.) und seine Gattin Herzogin Elizabeth (die spätere Königin und Queen Mum) verbringen im Juni 1936 mit ihren beiden Töchtern, Prinzessin Elizabeth (M, die spätere Königin Elizabeth II.) und Prinzessin Margaret Rose (l) den Sommerurlaub in der Royal Lodge in Windsor.

(Foto: picture alliance / dpa)

Neun Jahrzehnte Leben sind auch eine sehr lange Zeit - der Erfahrungsschatz ist also ein sehr großer. Als Elizabeth Alexandra Mary am 21. April 1926 geboren wird, regiert der konservative Premier Stanley Baldwin Großbritannien. Deutschland hat eine Hyperinflation hinter sich und die sogenannten "Goldenen Zwanziger" bringen dort endlich etwas Licht in das mühsame Nachkriegsleben. In der Sowjetunion ist Revolutionsführer Wladimir Iljitsch Lenin gerade einmal zwei Jahre tot und Nachfolger Josef Stalin kämpft noch um seine Alleinherrschaft. In den USA regiert mit dem Republikaner Calvin Coolidge der 30. Präsident.

Zum Zeitpunkt ihrer Geburt ist nicht absehbar, dass Elizabeth einmal britische Königin werden würde, denn nicht ihr Vater Prinz Albert ist der Thronfolger, sondern sein älterer Bruder, der spätere König Edward VIII. Doch das Schicksal will es anders: Edwards Liebe zur geschiedenen Amerikanerin Wallis Simpson bringt die Thronfolge gehörig durcheinander. Elizabeths Vater besteigt als George VI. notgedrungen den Thron, seine älteste Tochter wird Thronfolgerin.

Edwards Abdankung erschüttert Großbritannien in einer schweren Zeit, denn Europa und die Welt steuern auf den Zweiten Weltkrieg zu. Edwards Thronverzicht prägt auch Elizabeth: Die Queen, die die Turbulenzen als Zehnjährige hautnah erlebt, wird niemals abdanken. Erst nach ihrem Tod wird es einen Wechsel auf dem Thron geben - etwas anderes lässt die britische Tradition gepaart mit Elizabeths Pflichtbewusstsein nicht zu.

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Eine Jahrhundert-Liebe: Lilibet und ihr schöner Prinz.

(Foto: dpa)

Es sind ihre Erlebnisse im Zweiten Weltkrieg, aus denen die Königin ihre Kraft zieht. Deutsche Bomber überflogen auch das Schloss Windsor, um ihre tödliche Last in Coventry und anderswo abzuwerfen. Den Vorschlag, Elizabeth und ihre jüngere Schwester Margaret nach Kanada in Sicherheit zu bringen, lehnten King George und seine Frau ab. "Die Kinder werden nicht ohne mich gehen. Ich werde nicht ohne den König gehen. Und der König wird niemals gehen", sagt Elizabeths Mutter. Die Windsors bleiben auf der Insel und feiern 1945 mit den Briten den alliierten Sieg über Hitlerdeutschland.

Dass die Kronprinzessin bereits sieben Jahre später den Thron erklimmen sollte, ist zu diesem Zeitpunkt in ihrer Lebensplanung nicht vorgesehen. 1947 heiratet Elizabeth den fünf Jahre älteren Prinzen Philip von Griechenland und Dänemark, in den sie sich bereits im zarten Alter von 13 Jahren verliebt haben soll. Die Kinder Charles (1948) und Anne (1950) werden geboren. Die Bilder von einer glücklichen Familie gehen um die Welt. Diese Idylle ist aber nur von kurzer Dauer. Als Elizabeth im Februar 1952 den Thron besteigt, ist sie gerade einmal 25.

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Das ist die Krönung!

(Foto: dpa)

Das Land fordert Elizabeths Kraft: eine eigentlich machtlose Monarchin als Symbol der nationalen Einheit des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Nordirland. Eine junge Frau, die weiß, dass sie bis zu ihrem Tod ihrem Land zu dienen hat und damit Zeit ihres Lebens massive Einschränkung der persönlichen Freiheit in Kauf nehmen muss. Eine Königin, die nahezu jeden Tag wildfremden Menschen die Hand schütteln und sich nach deren Befinden erkundigen muss. Dabei ist es schon bemerkenswert, dass Elizabeth als Regentin noch zwei Kinder bekommt - Andrew (geboren 1960) und Edward (1964).

Regentschaft im Fokus der Öffentlichkeit  

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Elizabeth und Philip am Tag ihrer Diamantenen Hochzeit (2007) mit den vier Kindern.

(Foto: dpa)

Die britische Monarchie strahlt eine Faszination aus. Als Elizabeth 1953 in der Westminster Abbey gekrönt wird, kauften sich viele Deutsche einen Fernseher, um dieses Spektakel am Bildschirm verfolgen zu können. Die Staatsbesuche der Queen in der Bundesrepublik sind stets ein Event, wohl auch, weil die Windsors deutsche Wurzeln besitzen.

Wie bei keinem anderen Monarchen zuvor ist Elizabeths Regentschaft durch den Siegeszug des Fernsehens öffentlich. Die Windsors müssen sich auf die sich rasant veränderte Medienlandschaft einstellen und gewähren der BBC Ende der 60-Jahre auch einen Einblick in das royale Familienleben - die Queen und Prinz Philip mit ihren vier Kindern beim Picknick. Vor allem Philip soll von dieser Idee überhaupt nicht begeistert gewesen sein. Und er sollte Recht behalten: Die Geister, die die Royals riefen, werden sie nun nicht mehr los.

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Die Ehe von Charles und Diana stand unter keinem guten Stern ...

(Foto: dpa)

Denn nun werden auch die Schattenseiten des königlichen Lebens öffentlich, und bei der Familie Windsor gibt es darüber genügend zu berichten. Die Ehen von Charles, Anne und Andrew scheitern - ein gefundenes Fressen für die wahrlich nicht zimperliche britische Presse. Detailliert wird darüber berichtet. Was die Queen darüber denkt, bleibt unbekannt, denn die Monarchin gibt generell keine Interviews. Es ist für ihre Verhältnisse schon ein regelrechter Gefühlsausbruch, dass die Queen nach Ehekrächen, Scheidungen und dem Brand auf Schloss Windsor vom Jahr 1992 als "annus horribilis" spricht.

Turbulenzen nach Dianas Tod

Dieses gehörige Maß an Selbstkontrolle bringt Elizabeth II. noch einmal in große Schwierigkeiten - und mit ihr die britische Monarchie. Nach dem tödlichen Autounfall ihrer geschiedenen Schwiegertochter Diana im Spätsommer 1997 zeigt die Königin nach Ansicht ihrer Untertanen zu wenig Trauer und Gefühl. Premierminister Blair registriert, dass die Monarchie in Gefahr geraten könnte und bewirkt nach unzähligen Telefonaten, dass die Queen endlich das Schloss Balmoral in Schottland verlässt und sich nach London begibt. Durch eine Rede an die Nation schafft sie gerade noch rechtzeitig den Meinungsumschwung.

Diese turbulenten Tage hinterlassen bei Elizabeth Spuren: Die Briten erleben, wie sich ihr Staatsoberhaupt neu erfindet - mit mehr als 70 Jahren. Die Königin gibt sich zugänglicher und lockerer. Ihre öffentlichen Auftritte wirken nicht mehr so steif. Der ewige Thronfolger Charles darf seine große Liebe Camilla Parker-Bowles heiraten. Zur Eröffnung der Olympischen Spiele 2012 in London gibt es ein witziges Filmchen, das einen Absprung der Queen mit dem Fallschirm darstellt, die Monarchin soll von dieser Idee angetan gewesen sein. Zur Hochzeit von Enkel William und Kate Middleton hängen Discokugeln im Buckingham Palace.

Aber mitgetanzt wird dann doch nicht mehr. Die Queen und ihr Gemahl Philip ziehen sich - wenn es ganz wild wird - zurück und wahren Distanz. Das hohe Alter fordert seinen Tribut. Elizabeth soll mitunter Rückenschmerzen haben, nach neun Jahrzehnten Leben eigentlich ganz normal.

Die Queen kann nun jedenfalls die 100 ansteuern. Ihre Mutter hatte es geschafft.

Quelle: n-tv.de

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