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Verantwortung Sozialer Netzwerke "Fett" ist kein Gefühl mehr

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Unter dem Hashtag #FatIsNotAFeeling schaffen Aktivisten die falsche Emotion "fett" bei Facebook ab.

(Foto: Youtube/BuzzFeedYellow)

Jungen Leuten mit schlechtem Selbstwertgefühl, aber auch allen anderen, bietet Facebook einen Smiley an, mit dem sie zeigen können, wie "fett" sie sich fühlen. Mit #FatIsNotAFeeling gelingt es Aktivisten jedoch, ihn abzuschaffen.

Facebook will seine Nutzer schützen - manchmal. Das soziale Netzwerk erspart Millionen von Menschen zu nackte oder zu brutale Bilder und Videos, mit etwas Glück auch beleidigende Inhalte. Erst kürzlich teilte das Unternehmen mit, an einer Funktion zur Suizid-Prävention zu arbeiten. Doch nicht alles ist Facebook schützenswert. Um ihr Selbstwertgefühl müssen sich die Nutzer selbst kümmern.

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Seit heute bietet Facebook keinen Smiley mehr für "fett" an.

(Foto: Facebook)

Seit 2013 können Facebook-Nutzer ihre Status-Nachrichten mit einer Emotion versehen. Geliebt kann man sich fühlen, fröhlich, traurig oder genervt - und fett. Genau das wollen eine Gruppe Frauen und die Organisation "Endagered Bodies" nicht hinnehmen. Unter dem Hashtag #FatIsNotAFeeling sammeln sie mit einer Online-Petition Unterschriften für die Abschaffung des ihrer Meinung nach falschen Gefühls. Die Aktion wird von über 16.000 Menschen unterstützt. Nun zieht Facebook die Konsequenzen und streicht den umstrittenen Smiley.

Fokus auf das Äußere

"Facebook bestärkt Menschen darin, sich auf ihr Aussehen zu konzentrieren und sich selbst zu mustern, um der Online-Welt die beste Version seiner selbst zu präsentieren", erklären die Aktivisten den Hintergrund ihrer Aktion. "Das legt den Fokus auf das Äußere statt auf das Innere." Der Begriff dafür lautet Body-Shaming, das Körpergefühl anderer anhand vorherrschender Schönheitsstandards negativ aufladen. Wie wenig Facebook bislang von Identität abseits der Norm hielt, zeigt sich tatsächlich spätestens darin, dass die Emotionen "hässlich" und "anders" mit dem gleichen Smiley versehen sind.

"Fett-Sein ist kein Gefühl, es ist etwas Äußerliches; es ist eine Beleidigung", finden die Aktivisten. Wer umgangssprachlich vom "Fett-Fühlen" spricht, empfindet ihrer Meinung nach in Wirklichkeit beispielsweise Trauer, Unsicherheit oder Scham. Die National Association of Anorexia and Associated Disorders, die sich mit Essstörungen beschäftigt, hat herausgefunden, dass stolze 47 Prozent der Mädchen im Teenager-Alter sich wünschen, dünner zu sein, sobald sie sich in Zeitschriften Bilder von Models ansehen.

"Als sei ich nicht gut genug"

*Datenschutz

Schuld daran ist natürlich nicht Facebook, und die Möglichkeit, sich in einem Online-Formular als "fett" zu definieren, fällt im Bezug auf die Selbstwahrnehmung junger Menschen sicherlich kaum noch ins Gewicht. Allerdings ist es für eine Firma mit immensem sozialen Gewicht nicht unbedingt ein netter Schachzug, Kunden zu ermutigen, sich selbst über die stark negativ konnotierten Attribute zu definieren.

"Die Sache ist deshalb so wichtig, weil Facebook dazu gehört, wie man als junger Mensch lebt", findet die Studentin Catherine Weingarten, die sich für die Petition einsetzt. Sie selbst litt jahrelang an einer Essstörung. "Ich war wütend auf mich selbst." Dem Magazin "People" gegenüber erklärt sie, worin die Gefahr des "fett"-Smileys liegt: "Ich habe mich gefühlt, als sei ich nicht gut genug, aber das habe ich als 'Ich fühle mich fett' vereinfacht."

Lappalie oder Fortschritt

"Die Leute benutzen Facebook, um ihre Gefühle mit Freunden zu teilen und sich gegenseitig zu unterstützen", ließ Facebook zunächst als Reaktion auf den Gegenwind verlauten. "Eine Option, die wir den Leuten anbieten, um sich auszudrücken, ist es, ihren Posts ein Gefühl hinzuzufügen. Man kann aus über 100 Gefühlen auswählen, die wir basierend auf den Beiträgen der Leute anbieten. Oder man kann ein eigenes kreieren." Doch schließlich zeigt sich das Unternehmen bereit, an seiner Emotionspolitik etwas zu ändern.

Wer die gesellschaftliche Verantwortung Sozialer Netzwerke verneint, dem muss der #FatIsNotAFeeling-Aktivismus als Lappalie erscheinen. Wer eine solche jedoch als unabdingbar betrachtet, wird im Entfernen eines kleinen Bildchens vielleicht einen Schritt in die richtige Richtung erkennen. Facebook ist weltweit das beliebteste Soziale Netzwerk. Mit 890 Millionen aktiven Nutzern am Tag hat das Unternehmen die Macht, die destruktive Strahlkraft einer absurden Idee von Perfektion zu schwächen.

Quelle: n-tv.de

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