Kino

"Wie eine Deutsche geht, weiß ich" Die Leidenschaft der Kate Winslet

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Erkannt? Kate Winslet als Joanna Hoffman im Film "Steve Jobs".

(Foto: François Duhamel / Universal Pictures)

Ihre Rolle als ehemalige KZ-Aufseherin in "Der Vorleser" brachte Kate Winslet bereits den Oscar ein. Und auch ihr neuer Film "Steve Jobs" ist oscarverdächtig. Mit n-tv.de spricht sie über den Apple-Gründer, Sturheit und die Frage: "Hast du heute deine Tage?"

n-tv.de: War er ein Monster?

Kate Winslet: (lacht) Wer? Michael Fassbender? (Fassbender spielt die Titelrolle im Film "Steve Jobs")

Nein, Steve Jobs …

Ich weiß es nicht. Ich bin ihm nie begegnet. Sind Sie es?

Nein. Trotzdem: Wie schätzen Sie ihn ein?

Ich glaube, ich kann mir keine Einschätzung erlauben - ich kann mir einfach keine Meinung über jemanden bilden, den ich nie getroffen habe. Ich kann mich nur auf Joannas Wahrnehmung stützen (die frühere Apple-Marketing-Chefin Joanna Hoffman, die Winslet im Film verkörpert). Dadurch gehe ich davon aus, dass er ein komplizierter, aber auch brillanter Mann war. Er konnte sehr warmherzig sein, ein guter Freund und extrem loyal.

Wie viel Zeit haben Sie mit Joanna Hoffman in der Vorbereitung auf den Film verbracht?

Das waren schon viele Stunden - verteilt auf mehrere Tage.

Hat sie den Film gesehen?

Ja, das hat sie. Und sie hat mir geschrieben, wie gut sie ihn fand. Zugleich bat sie mich, Michael zu sagen, wie wundervoll es sei, auch etwas von Steves Warmherzigkeit durchscheinen zu sehen. Ich denke, diese Seite von Steve sehen wir in diesem Film zum ersten Mal. Das hat so noch keiner gezeigt.

Findet Joanna Hoffman den Film realistisch?

Ganz ehrlich: Das war nie beabsichtigt. Niemand will sagen: Genau so ist es gewesen. Der Film basiert auf dem Buch von Walter Isaacson. Diese Biografie wurde von Laureen (Laureen Powell Jobs, Witwe von Steve Jobs) und Steve nicht nur autorisiert, sondern sogar in Auftrag gegeben. Wir wissen, dass die Events, die im Film zu sehen sind, wirklich stattgefunden haben. Auch die Menschen in der Geschichte sind nicht erfunden - sie haben wirklich existiert und diese Rollen in Steves Leben gespielt. Aber natürlich beruht auch viel auf der Interpretation von Aaron (Drehbuchautor Aaron Sorkin).

Zum Beispiel?

Etwa, wenn es um das Timing geht. Im Film ist Joanna für 14 Jahre Teil des Lebens von Steve. Aber tatsächlich hat sie nur fünf Jahre für ihn gearbeitet. Und das nie so umfassend. Ja, es gab keine klaren Abgrenzungen in der Arbeit - aber sie war schon in erster Linie die Marketing-Chefin. Auch John Sculley (ehemaliger Vorstandsvorsitzender von Apple) hat Steve, nachdem er von Apple gefeuert worden war, in Wahrheit nie mehr getroffen oder mit ihm gesprochen. Jeff Daniels (er spielt John Sculley in dem Film) hat viel Zeit mit ihm verbracht. Er sagt: "John ist immer noch tief getroffen von dem, was passiert ist. Es tut ihm weh, auch nur daran zu denken." Dass John im zweiten und dritten Akt des Films auftaucht, ist wie eine Art Geschenk an ihn. Es spiegelt wider, was er vielleicht gesagt hätte, wenn er die Chance dazu gehabt hätte.

Was hat die Beziehung zwischen Hoffman und Jobs Ihrer Ansicht nach ausgemacht?

Erstens: Sie waren Kollegen. Absolut. Sie waren gleichberechtigt - und er brauchte sie zu 100 Prozent. Das zweite, was ich in den Gesprächen mit ihr erfahren habe, war ihre extreme Loyalität ihm gegenüber. Die hatten alle, die wir getroffen haben. Alle Personen, die in dem Film vorkommen und Zeit mit Steve verbracht haben, sprechen noch heute mit größtem Respekt, Liebe und Loyalität von ihm.

Hoffman tritt in dem Film sehr selbstbewusst gegenüber Jobs auf und konfrontiert ihn auch mit seinen Schwächen. Sind Sie selbst auch so?

Ja, das bin ich. Und ich würde oft sticheln. Wenn ich eine solche Situation mit einem Mann hätte, der durch eine schwere Zeit geht und frustriert ist, würde ich ihn fragen: "Hast du heute deine Tage?" (lacht) Aber ich glaube, das entwickelt sich über die Zeit und hängt mit Vertrauen und Erfahrung zusammen. Ist es nicht toll, älter zu werden?! Man muss sich nicht mehr ständig um alles einen Kopf machen.

Stimmt es, dass Sie für den Film zugesagt haben, ohne das Skript zu kennen?

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Zur Vorbereitung auf ihre Rolle sprach Winslet viele Stunden mit der "echten" Joanna Hoffman.

(Foto: François Duhamel / Universal Pictures)

Nein, ich habe das Skript schon zuvor gelesen. Aber ich hatte - nur nachdem ich von dem Film gehört hatte - erklärt, dass ich das Skript gern lesen würde. Ich sagte: Ich will in diesem Film mit Danny Boyle, Aaron Sorkin und Michael Fassbender mitmachen! Ich meine: Würden Sie nicht auch in einem Film mit den dreien mitmachen wollen? Sie würden!

Was war für Sie die größte Herausforderung in der Rolle der Joanna Hoffman?

Jedes kleine Detail daran! Viele fragen einen immer: Wie kann man nur so viel Text lernen? Aber das machst du einfach. Du bist Schauspielerin, das ist dein Job, du beklagst dich nicht darüber. Das Textlernen war auch in diesem Fall ein großer Teil des Jobs, aber nicht der härteste. Härter war, ihn nicht wieder zu vergessen! Und vor allem war es dann der Dialekt (Hoffman ist gebürtige Polin). Diese Menge an Dialogen im Dialekt hinzubekommen, war schon wirklich kniffelig. Außerdem besteht bei Dialekt immer die Gefahr, nur einen Schritt von einem Comedy-Sketch entfernt zu sein, wenn man es übertreibt. Es gibt Momente, in denen ich zu Hause übe, frustriert werde und auf und ab springe: "Verdammt, ich kriege das nicht hin! Niemals! Ach, weißt du was: Ich mache aus ihr einfach eine Deutsche. Da weiß ich, wie das geht." (lacht)

Sind Sie eine Perfektionistin?

Nein, es geht nicht um Perfektion. Aber ich bin stur. Wenn ich mir in den Kopf gesetzt habe, wie etwas zu sein hat, bleibe ich dran.

Von Steve Jobs kann man lernen, dass man Leidenschaft und Liebe für seine Arbeit braucht. Macht das auch Ihren Erfolg aus?

Auf jeden Fall stimme ich zu, dass man Leidenschaft für die eigene Arbeit haben muss. Aber ganz ehrlich: Ich wusste bis zu diesem Film nicht viel über Steve Jobs - außer natürlich, wer er war und wofür er verantwortlich war. Als klar war, dass ich diesen Film machen würde, der auf Walters Buch basiert, haben mich viele meiner Freunde angesprochen: "Oh mein Gott, dieses Buch ist fantastisch!" Eine Freundin von mir sagte: "Ich liebe Steve Jobs! Ich liebe das Buch!" Ich sagte ihr: "Du machst mich irre. Wie kann jemand so von ihm vereinnahmt sein?" Aber ich habe jetzt viel über ihn und seine außergewöhnlichen Philosophien gelernt. Ich bewundere seine Zähigkeit und Hingabe zur eigenen Vision.

Würden Sie Ihren Kindern empfehlen, den Film zu gucken?

Ich würde mich jedenfalls freuen, wenn Kinder ihn ansehen - weil ich ihn wirklich für ein großartiges Werk halte. Ich sehe ihn mir an und denke: "Oh mein Gott, ich spiele da mit?! In diesem großartigen Film?!" Ich bin sehr stolz, ein Teil davon zu sein. Schon als ich eingewilligt habe, den Film zu machen, dachte ich: "Wow! Das ist vielleicht der erste Film in meinem Leben, bei dem ich mir keinen einzigen Menschen in meinem Bekanntenkreis vorstellen kann, der ihn nicht gern sehen würde."

Nicht ganz so begeistert haben sich indes der jetzige Apple-Chef Tim Cook und die Witwe von Steve Jobs über das Filmprojekt geäußert. Es heißt, Laureen Powell Jobs habe sogar den anfangs für den Streifen gehandelten Leonardo DiCaprio angerufen, um ihn von einer Mitwirkung abzuhalten. Wissen Sie, ob das stimmt?

Ja, das stimmt.

Können Sie diese Ablehnung erklären?

Das sehe ich nicht als meine Aufgabe. Soweit ich weiß, haben Laureen einige Dinge in Walters Biografie nicht gepasst. Also war klar, dass ihr auch am Film etwas nicht passen würde. Es muss sehr hart für sie sein. Steve ist noch nicht so lange tot. Ich bin Teil des Films - ich kann anderen nicht sagen, was sie denken sollen. Ich kann nur sagen, dass ich den Film für eine außergewöhnliche und andersartige Betrachtung von Steve halte. Ich denke, wir bekommen wirklich einen Einblick in ihn als Menschen, als Vater und als das wahre Genie, das er war. Wir stampfen diesen Mann keinesfalls in den Boden. Wir halten ihn hoch. Und das ist richtig. Jeder, der einen Unterschied in diesem Universum macht, so wie er das wollte und getan hat, verdient es, dass man mit ihm im Kino gut umgeht.

Mit Kate Winslet sprach Volker Probst

"Steve Jobs" läuft ab sofort in den deutschen Kinos.

Quelle: ntv.de

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