Kino

"Grenzenlos" - ein Märchen Über die Möglichkeit der Liebe

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James McAvoy als James More in "Grenzenlos": Er soll in Somalia eine islamistische Terrorzelle sprengen.

(Foto: dpa)

"Grenzenlos", der neue Film von Wim Wenders mit Alicia Vikander und James McAvoy, erzählt eine Liebesgeschichte, wie sie grenzenloser nicht sein könnte. Eins steht fest: Die Liebe kommt überall hin. Aber kann sie tatsächlich alles überwinden?

So eine Geschichte entspringt auf jeden Fall einem sehr guten und sehr erfolgreichen Buch. In diesem Fall handelt es sich um "Submergence" vom Kriegsreporter J. M. Ledgard. Es war in die Hände von Wim Wenders geraten. Zum Glück, denn er hat daraus einen wunderschönen Film gemacht. "Submergence" bedeutet so viel wie "Eintauchen", "Versenken" - und das trifft auf vielerlei Ebenen zu: Der Zuschauer taucht in eine Geschichte ein, die beiden Protagonisten versinken in den jeweils anderen, beide müssen in ihren eigenen Leben abtauchen.

Es ist dunkel, sehr dunkel in den Tiefen des Meeres, in denen Danny forscht und auch in dem "Gefängnis", in dem James eingesperrt ist, herrscht Finsternis. Es ist so dunkel, dass man die Orientierung verlieren könnte, und so dunkel, dass das einzige Licht am Horizont die Hoffnung ist, die vor allem James am Leben erhält. Vorerst. Ist es zu viel verraten, wenn wir sagen, dass die "grenzenlose Liebe" schier unmöglich ist?

Wo kommen wir her? Wo gehen wir hin?

Der Film mit Oscar-Gewinnerin Alicia Vikander ("Tomb Raider", "Tulpenfieber") und James McAvoy ("Atomic Blonde", "Split") in den Hauptrollen erzählt eine Liebesgeschichte, wie sie heute überall auf der Welt passieren kann: Danny und James lernen sich gerade erst kennen und stellen recht schnell fest, dass dies wohl die Liebe ihres Lebens sein wird, da werden sie schon wieder getrennt. Er muss auf eine gefährliche Mission nach Afrika, wo er als vermeintlicher Ingenieur beim Bau einer Trinkwasseranlage helfen soll. Tatsächlich allerdings arbeitet James für den britischen Geheimdienst MI6 und soll in Somalia eine islamistische Terrorzelle sprengen.

Danny will eine von langer Hand geplante Reise auf den Grund des Meeres antreten, mit einer "Yellow Submarine", wie sie im Buche steht, um ihre wissenschaftliche These vom Ursprung des Lebens zu belegen. Denn hier, in der absoluten Finsternis, wo es kein im geläufigen Sinne echtes Leben mehr gibt, sondern nur noch chemische Reaktionen, vermutet die Wissenschaftlerin den Ursprung irdischen Lebens. Und erhofft sich Antworten für die Zukunft der Menschheit.

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Danielle und James lernen sich in einem Hotel an der französischen Atlantikküste kennen; viel mehr Zeit als eine Nacht bleibt ihnen nicht.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Den beiden dabei zuzugucken, wie sie sich kennenlernen, wie misstrauisch sie sich selbst gegenüber sind - mehr als dem anderen gegenüber - ist schön. Die Probe, auf die ihre Liebe gestellt wird, ist hart anzusehen. Wim Wenders gelingt es, unaufdringlich und in wunderschönen Bildern diese Geschichte eines Kennenlernens zu erzählen. In Zeiten, in denen die Welt vermeintlich "kleiner" wird, sich jeder seiner Aufgabe, seiner Bestimmung, seiner Arbeit mehr zu widmen scheint als seinem Privatleben, macht der Altmeister der langsamen Erzählkunst deutlich, wie schwierig es ist, sich auf jemanden einzulassen. Und fragt damit indirekt: Ist es überhaupt sinnvoll? Wenn es dann nicht klappt, hat es sich überhaupt gelohnt, all diese Gefühle zuzulassen, all diese Geheimnisse zu teilen, die man noch niemandem erzählt hat?

Wenders macht es möglich, dass der Zuschauer sich nicht wie ein Voyeur vorkommt. Man ist bei dieser ersten, dramatischen Zerreißprobe des Paares dabei. Werden Danny und James die Zeit, die Grenzen und die Unwägbarkeiten des Lebens überleben? Oder gibt es Umstände, Momente, die nicht einmal die vielversprechendste Liebe, das Verständnis für den anderen, die größtmögliche Toleranz, hinbekommen können? Wenders, der gerade mit einem Dokumentarfilm über den Papst gezeigt hat, dass er den Dingen des Lebens aus vielen Perspektiven auf den Grund gehen kann, bringt mit "Grenzenlos" einen Film ins Kino, der von der ersten Minute an fesselt. Das liegt zum einen an den Hauptdarstellern, denen man in ihrer Natürlichkeit gern zuschaut, zum anderen an dem Thema an sich - wo kommen wir her, wo gehen wir hin, was machen wir in der Zwischenzeit? Und brauchen wir immer ein Happy End?

"Grenzenlos" startet am 2. August in den deutschen Kinos.

Quelle: ntv.de