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Das Wechselmodell setzt "eine bestehende Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit der Eltern" voraus.
Das Wechselmodell setzt "eine bestehende Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit der Eltern" voraus.(Foto: dpa)
Montag, 27. Februar 2017

Abwechselnde Kinderbetreuung : BGH stärkt vor allem Rechte von Vätern

Trennen sich die Eltern, gibt es nicht selten Streit um die Betreuung der Kinder. Der Bundesgerichtshof ermöglicht es nun Müttern und Vätern, den Nachwuchs auch gegen den Willen des anderen Elternteils zur Hälfte betreuen zu dürfen.

Getrennt lebende Eltern haben künftig Anspruch darauf, ihr Kind auch gegen den Willen des anderen Elternteils zur Hälfte betreuen zu dürfen. Der Maßstab für die Anordnung solch eines sogenannten paritätischen Wechselmodells "ist neben den beiderseitigen Elternrechten allerdings das Kindeswohl, das vom Gericht nach Lage des jeweiligen Einzelfalls zu prüfen ist", entschied der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe in einem nun veröffentlichten Beschluss (XII ZB 601/15). Bisher wurde im Streitfall durch die Familiengerichte zumeist angeordnet, dass Mütter mit der "Hauptbetreuung" betraut wurden.     

Im Ausgangsfall streiten geschiedene Eltern über den Umgang mit ihrem fast 14 Jahre alten Sohn. Der Sohn hält sich bislang überwiegend bei der Mutter auf und besucht einvernehmlich den Vater alle 14 Tage am Wochenende. Der Vater erstrebt nun vor dem Familiengericht gegen den Willen der Mutter die Anordnung eines paritätischen Wechselmodells. Er will den Sohn im wöchentlichen Turnus abwechselnd von Montag nach Schulschluss bis zum folgenden Montag zum Schulbeginn zu sich nehmen.

Dem BGH zufolge erlaubt das Umgangsrecht den gleichberechtigten Eltern grundsätzlich eine jeweils hälftige Betreuung des Kindes durch Aufteilung der Umgangszeiten. Familiengerichte dürfen demnach ein Wechselmodell jeweils dann anordnen, wenn die geteilte Betreuung durch beide Eltern im Vergleich mit anderen Betreuungsmodellen "dem Kindeswohl im konkreten Fall am besten entspricht", heißt es in der Entscheidung. Dabei müsse aber berücksichtigt werden, dass das Wechselmodell "höhere Anforderungen an die Eltern und das Kind stellt", weil es zwischen zwei Haushalten pendelt und sich damit auf zwei Lebensumgebungen einstellen müsse.

Das Wechselmodell setzt laut BGH "zudem eine bestehende Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit der Eltern" voraus. Sei deren Verhältnis "erheblich konfliktbelastet", liege das Pendeln zwischen den Eltern "in der Regel nicht im wohlverstandenen Interesse des Kindes". Zudem müsse der Wille des Kindes, ob er wechselnd bei beiden Elternteilen leben wolle, "mit steigendem Alter" zunehmend berücksichtigt werden.

Der BGH verwies damit den Fall zurück an das Oberlandesgericht Nürnberg. Es muss nun nach den Maßgaben aus Karlsruhe aufklären, inwieweit die Eltern noch kooperationsfähig sind, ob das Wechselmodell dem Wohl des Jungen entspricht und was er zu einem wöchentlichen Pendeln zwischen Mutter und Vater sagt.

Quelle: n-tv.de

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