Ratgeber

Recht verständlich Diskriminierung wegen Suche nach "coolen Typen"?

Bei den Voraussetzungen in Stellenanzeigen muss der Arbeitgeber aufpassen: Einige Formulierungen sind möglicherweise diskriminierend.jpg

Bei den Voraussetzungen in Stellenanzeigen muss der Arbeitgeber aufpassen: Einige Formulierungen sind möglicherweise diskriminierend.

(Foto: Andrea Warnecke/dpa)

"Wir suchen coole Typen - Anlagenmechaniker - Bauhelfer ...", lautet die Stellenanzeige. Eine Person, dem biologischen Geschlecht nach ein Mann, die sich aber als Frau fühlt, fordert nach erfolgloser Bewerbung eine Entschädigung wegen Diskriminierung. Zu Recht?

Das Arbeitsgericht Koblenz (Az.: 7 Ca 2291/21) hat entschieden, dass die Stellenanzeige "Wir suchen coole Typen - Anlagenmechaniker - Bauhelfer ..." zwar keine Altersdiskriminierung darstellte, aber eine Diskriminierung wegen des Geschlechts. Aus den rein männlichen Versionen von "Mechaniker" und "Bauhelfer" ergebe sich trotz der inhaltlich geschlechtsunspezifischen Formulierung "Typ/Typen", dass die Anzeige sich nur an Männer richte. Dies und die Weiterleitung der nur in femininer Form abgefassten Bewerbung mit einem abfälligen Kommentar an eine Kundin führen zu Entschädigungsansprüchen wegen Diskriminierung und Datenschutzverletzung.

Wie war der Fall?

Henkel Juni 2018.jpg

Dr. Alexandra Henkel ist Fachanwältin für Arbeitsrecht, Wirtschaftsmediatorin und Business Coach.

Die Klägerin bewarb sich auf die oben genannte Stellenanzeige. Dem biologischen Geschlecht nach männlich, fühlte sie sich dem weiblichen Geschlecht zugehörig, dies war auch gutachterlich festgehalten. Die Eigendarstellung in der Bewerbung war ausschließlich in femininer Form gehalten und am Ende mit "Freundliche Grüße, Frau Markus ..." unterzeichnet. Die Bewerberin hatte vorher als selbständige Elektronmechanikerin gemeinsam mit dem für andere Bauwerke zuständigen Unternehmen, das nun inserierte, für eine gemeinsame Kundin an der Sanierung ihres Hauses gearbeitet. In der Bewerbung nahm sie auch Bezug auf eigene mechanische Ausbildung, Bezügen zu Mechatronik et cetera. Diese Bewerbung leitete der Geschäftsführer direkt per Whatsapp an die gemeinsame Kundin weiter, fügte einen traurigen Smiley hinzu und schrieb "Was läuft da nur falsch". Trotz Nachfrage wurde die Klägerin nicht eingestellt.

Diese behauptete eine Diskriminierung, unter anderem wegen Alters und ihrer sexuellen Identität, und klagte deswegen sowie wegen der unbefugten Weiterleitung der Bewerbung an eine externe Dritte eine Entschädigung ein. Das beklagte Unternehmen trug vor, dass die Anzeige neutral gemeint sei, schon das Wort "Typ" sei neutral. Außerdem sei die Klägerin biologisch ein Mann, ihre Kleidung (Jeans, kariertes Hemd und Schuhe) sei in Schnitt, Form und Design der Herrenmode zuzuordnen, sie trage einen männlichen Vornamen und könne daher nicht "als Frau" diskriminiert werden. Zudem sei sie als Elektromechanikerin ungeeignet für die Stelle.

Das Urteil

Das Arbeitsgericht Köln gab der Klägerin im Ergebnis weitgehend recht und verurteilte das inserierende Unternehmen zu 5000 Euro (1,5 Monatsgehälter) Entschädigung wegen Diskriminierung durch die Anzeige und weiteren 1000 Euro wegen Persönlichkeitsrechts-/Datenschutzverletzung wegen unbefugten Weiterleitens der Bewerbung an die externe Kundin.

Doch selbst wenn es stimme, so wie die Klägerin behauptet hatte, dass das Unternehmen nur "junge" (männliche) Arbeitnehmer beschäftige, liege in dem Begriff "cool" keine Diskriminierung wegen eines höheren Alters. Bei dem Wort "cool" handele es sich um einen gängigen Begriff, der weder typisch sei für die Sprache nur von jüngeren Personen noch allgemein hauptsächlich auf jüngere Personen angewendet werde. Einen Altersbezug weise diese Formulierung nicht auf.

Auch der Begriff "Typ" sei zwar ein maskulines Substantiv, inhaltlich werde es aber geschlechts-unspezifisch verwandt. Eine weibliche Entsprechung gebe es in der deutschen Sprache nicht, auch "Type" bedeute etwas anderes. Die in der Anzeige verwandte Mehrzahl "Typen" sei ebenso nicht spezifisch. Allerdings liege ein Indiz für die Diskriminierung dann in der Kombination mit den rein männlichen Begriffen "Anlagenmechaniker" und "Bauhelfer". Hieraus werde deutlich, dass nur Männer und keine anderen Geschlechter gesucht werden.

Die Begründung

Für die Diskriminierung wegen des Geschlechts sei unerheblich, dass die Klägerin rein biologisch männlich sei, oder einen männlichen Vornamen führe. Geschützt werde vielmehr die "gefundene" geschlechtliche Identität des Einzelnen. Diese weibliche Identität werde aus der rein femininen Bewerbung deutlich, auch durch das Auftreten als "Klägerin", und sei durch ein gerichtliches Gutachten auch bestätigt. Auch der Geschäftsführer des beklagten Unternehmens bezeichnete die Klägerin als "Frau Markus". Ein weiteres Indiz für die Diskriminierung sei die Whatsapp-Weiterleitung an die Kundin mit der abfälligen Bemerkung "Was läuft da nur falsch" - das Einzige, was sofort bei der Bewerbung ins Auge falle, sei die Unterzeichnung mit "Frau Markus" neben der sonst rein femininen Formulierung - die abfällige Bemerkung beziehe sich also offensichtlich auf die empfundene Geschlechtlichkeit der Klägerin als Frau.

Nachdem die Richter also nach Paragraf 22 des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz aufgrund dieser Indizien von der Vermutung einer Diskriminierung ausgegangen waren, hätte das verklagte Unternehmen das Gegenteil beweisen müssen, was im Prozess nicht gelang. Die Bewerbung war weder offensichtlich ungeeignet noch wurde ausreichend dargelegt, welche konkreten Ausbildungen oder Fähigkeiten für die Tätigkeit als Anlagemechaniker/-in die Klägerin denn nicht vorweisen konnte.

Mehr zum Thema

Die weitere Entschädigung wegen der Persönlichkeitsrechts-/Datenschutzverletzung durch Weiterleitung der Bewerbung an die Kundin war eindeutig. Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts muss ein Arbeitgeber die Daten aus Bewerbungsunterlagen vertraulich zu behandeln, eine Weiterleitung an externe Dritte ist ohne vorherige Einwilligung nicht gestattet und stellt dann einen erheblichen Eingriff in das allgemeine Persönlichkeitsrecht dar, der zu entschädigen ist. Erschwerend komme hier nach Auffassung der Richter/-innen die abfällige Äußerung hinzu.

Rechtsanwältin Dr. Alexandra Henkel ist Fachanwältin für Arbeitsrecht, Wirtschaftsmediatorin und Business Coach.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen