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Gender-Pay-Gap Hier ist die Lücke noch besonders groß

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Auch wenn die Lücke langsam kleiner wird - Frauen werden in den meisten Fällen schlechter bezahlt als ihre männlichen Kollegen.

(Foto: imago/Science Photo Library)

Darüber, wie hoch die Lücke zwischen den Gehältern von Frauen und Männern tatsächlich ist, wird gerne gestritten. Die Ermittlung einer unbereinigten Entgeltlücke hat wenig Sinn. Wird der Vergleich richtig gemacht, zeigt sich, dass Frauen weniger häufig zu kurz kommen.

Dass Frauen im Schnitt weniger Gehalt bekommen, ist bekannt. Unstrittig ist auch, dass Frauen auf hoch bezahlten Führungspositionen noch immer unterrepräsentiert sind und insgesamt weniger Geld verdienen. Doch wie viel davon ist wirklich nur auf den reinen Geschlechterunterschied zurückzuführen? Die Gründe dafür sind vielfältig. Aber besonders nach der Geburt eines Kindes treten Frauen beruflich eher kürzer als Männer. Sprich, sie arbeiten häufiger in Teilzeit, was Auswirkungen auf das Gehalt hat. Zudem verdienen Frauen häufiger in schlechter bezahlten Berufen - zum Beispiel im sozialen Bereich - ihr Geld.

Aber immerhin: Laut Statistischem Bundesamt liegt die unbereinigte Lohnlücke erstmals unter 20 Prozent. Die Vergütungsanalysten von Gehalt.de wollten es genau wissen, haben sich mit der Comdirect-Initiative "finanz-heldinnen" zusammengetan und 143.975 Gehaltsdaten auf den bereinigten Gender-Pay-Gap ausgewertet. Die Gehaltsspezialisten haben dabei Branche, Berufsbereich und Region beachtet.

Es wird besser, ist aber noch nicht gut

Ergebnis: Über alle Branchen, Positionen und Berufe hinweg verdienen Frauen in Deutschland rund 37.000 Euro und Männer rund 47.600 Euro im Jahr. Somit beträgt die unbereinigte Entgeltlücke rund 22,2 Prozent zugunsten der Männer. Vergleichen die Analysten ausschließlich Einkommen von Frauen und Männern, die unter den gleichen Voraussetzungen arbeiten, beträgt die Lücke noch immer 5,1 Prozent (bereinigte Entgeltlücke).

Im Branchenvergleich unter Fachkräften sticht vor allem der Einzelhandel mit hohen Gender-Pay-Gaps hervor. In Supermärkten verdienen Arbeitnehmerinnen rund 12 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen - obwohl sie die gleiche Arbeit leisten. Im Einzelhandel für Bau und Einrichtung (10,4 Prozent) und in der Versicherungsbranche (10,1 Prozent) sind die Unterschiede ebenfalls groß. Am niedrigsten ist die bereinigte Lücke in der Biotechnologie (0,8 Prozent), die aktuell auch die lukrativste Branche in Deutschland ist.

Pflegekräfte sind während der Pandemie aufgrund längerer Arbeitszeiten und strenger Hygienemaßnahmen einer besonders großen Belastung ausgesetzt. Zudem sind in diesem Bereich vor allem Frauen beschäftigt. Und die verdienen trotz gleicher Leistung 4,2 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. In Krankenhäusern sind es sogar 8,3 Prozent weniger. In lukrativen Branchen wie der Automobilindustrie oder im Bankwesen erreichen die bereinigten Entgeltlücken fast 8 Prozent. Im Kulturbereich ist der Wert mit 2,4 Prozent im Vergleich niedrig.

In Baden-Württemberg höchste Entgeltlücken

Zusätzlich haben die Analysten die Lohnlücken exemplarisch anhand ausgewählter Berufsgruppen untersucht. So verdienen Journalistinnen trotz gleicher Arbeit rund 3 Prozent weniger als ihre Kollegen. Deutlich höher ist die Differenz unter Fachärzten, die ebenfalls im systemrelevanten Gesundheitssektor beschäftigt sind: Unter gleichen Voraussetzungen liegt die Entgeltlücke hier bei 9,3 Prozent. Unter IT-Fachkräften, also in einer Berufsgruppe, in der Frauen stark unterrepräsentiert sind, ist die bereinigte Entgeltlücke mit 6,2 Prozent etwas niedriger. In der IT-Leitung sind es 4,2 Prozent und bei E-Commerce-Managern liegt sie bei 4,5 Prozent.

Die Gehaltshöhe und der Gender-Pay-Gap variieren zudem stark nach Region. In Baden-Württemberg sind die Einkommen, aber auch die Entgeltlücken am höchsten - hier liegt der bereinigte Gender-Pay-Gap bei rund 7,8 Prozent. Auch in Rheinland-Pfalz (7,2 Prozent) und Sachsen (6,1 Prozent) sind die Abweichungen vergleichsweise hoch. Am niedrigsten ist der Wert in Mecklenburg-Vorpommern mit 0,6 Prozent.

"Im Jahr 2021 stellen wir in Deutschland noch Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen fest, die allein auf das Geschlecht zurückzuführen sind. Selbst in Branchen und Berufen mit hohem Frauenanteil gibt es zu selten eine gleichberechtigte Bezahlung", sagt Dr. Philip Bierbach, Geschäftsführer von Gehalt.de. "Das Ziel unserer Aktivitäten zum Equal Pay Day ist es, mit Wissen und Transparenz einen Beitrag zur Schließung der Lohnlücken zu leisten. Letztlich ist hierbei die Initiative sowohl von Unternehmen als auch von Beschäftigten gefordert."

Quelle: ntv.de, awi

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