Ratgeber

Steuererklärung für Senioren So vermeiden Rentner Ärger mit dem Fiskus

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Streng genommen müssen Rentner jedes Jahr nachrechnen, ob sie nicht inzwischen in die Besteuerung fallen.

(Foto: imago/Christian Ohde)

Rentner aufgepasst: Unter anderem wegen der jährlichen Rentenerhöhung könnten Sie zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet sein. Wie Sie zu einer erleichterten Steuererklärung kommen und welche Strafen bei einer Verspätung drohen, lesen Sie hier.

Immer mehr Rentnerinnen und Rentner müssen eine Steuererklärung abgeben, oftmals, ohne sich dessen bewusst zu sein. Dabei bietet der Fiskus erleichterte Möglichkeiten der Abgabe, droht aber bei Verspätungen auch mit Strafen.

Daniel Schollenberger ist Steuerexperte des Portals Steuertipps.de von Wolters Kluwer.

Daniel Schollenberger ist Steuerexperte des Portals Steuertipps.de von Wolters Kluwer.

Das Thema Rentenbesteuerung steht aufgrund der jährlichen Rentenerhöhung im Fokus der Finanzverwaltung. Der Grund: Viele Rentnerinnen und Rentner haben sich vor dem Jahr 2005 von der Steuererklärung befreien lassen und überschreiten häufig nach mehreren Jahren der Rentenerhöhungen den Freibetrag. Andere rutschen aufgrund des Todes der Partnerin oder des Partners in die Rentenbesteuerung, ohne es zu wissen. Dahinter steckt, dass Splitting-Vorteile nach dem Tod des Partners auslaufen.

Streng genommen müssten Rentner deshalb jedes Jahr nachrechnen, ob sie nicht inzwischen in die Besteuerung fallen. Welche Brutto-Jahresrente im jeweiligen Kalenderjahr noch steuerfrei bleibt, verrät dabei zum Beispiel das Bundesfinanzministerium in Übersichten.

Die Finanzverwaltung hat in der Vergangenheit versucht, mit der vereinfachten Steuererklärung oder Amtsveranlagung das Besteuerungsverfahren für Rentnerinnen und Rentner zu erleichtern. Dennoch drohen auch Rentnern Strafen bei einer verspäteten Abgabe.

Warum trotz Steuererklärung ein Verspätungszuschlag droht

Bei der "Bestrafung" einer zu spät abgegebenen Steuererklärung besteht eine Ungleichbehandlung: Wird die Rentnerin oder der Rentner vom Finanzamt aufgefordert, eine Steuererklärung abzugeben, greift die sogenannte Versorgungsregelung. Diese Regelung räumt den Betroffenen im Ergebnis eine rückwirkende Fristverlängerung ein. Diese Verschonung entspricht dem tatsächlichen Lebenssachverhalt der Betroffenen, also vereinfacht ausgedrückt: Wer schon lange Rente bezieht, kümmert sich nicht mehr im selben Maße wie etwa ein Arbeitnehmer um Steuerfragen.

Sollte jedoch der Rentner selbst dahinterkommen, dass er oder sie aufgrund der Rentenerhöhung oder des Ablebens des Partners eine Steuererklärung abgeben muss, diese Erklärung aber dann zu spät einreicht, greift die Verschonungsregel nicht. Stattdessen wird der Ruheständler zusätzlich zu einer Verzinsung noch mit einem Verspätungszuschlag belastet.

Dabei gibt es laut den seit 2019 geltenden Regeln wenig Spielraum: Ein Verspätungszuschlag wird festgesetzt, wenn nicht binnen 14 Monaten nach Ablauf des Besteuerungsjahres die Steuererklärung abgegeben wird. Das heißt: Wer seine Steuererklärung für 2018 erst im März 2020 oder danach abgibt, erhält automatisch einen Verspätungszuschlag. Dieser beträgt dann pro angefangenem Monat 0,25 Prozent der um die Vorauszahlungen und die anzurechnenden Steuerabzugsbeträge verminderten Steuer, mindestens aber 25 Euro monatlich - hier kommt einiges zusammen.

Meine Empfehlung deshalb: Als Rentnerin oder Rentner lieber darauf warten, ob das Finanzamt eine Steuererklärung sehen will.

"Vereinfachte Steuererklärung" und die "Amtsveranlagung"

Weiter oben hatte ich erwähnt, dass die Finanzverwaltung Rentnern bei der Steuer entgegenkommt und ihnen - nicht ganz uneigennützig - manche Prozesse erleichtert. Vielen Betroffenen sind diese Möglichkeiten jedoch nicht bekannt, deshalb eine kleine Erläuterung.

Die "vereinfachte Steuererklärung" bieten die Länder Brandenburg, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen an. Sie haben zusammen mit dem Bundesministerium der Finanzen ein Pilotprojekt gestartet, um Steuererklärungen für Rentnerinnen und Rentner sowie Pensionäre zu vereinfachen. Sie richten sich damit an Personen, bei denen das Finanzamt bereits die überwiegende Anzahl von steuerlich relevanten Informationen von dritter Seite elektronisch erhalten hat. Das heißt: Das Finanzamt kennt bereits die Renteneinkünfte oder Pensionen sowie die Krankenversicherungsbeiträge, da ihm die entsprechenden Zahlen jährlich automatisch übermittelt werden.

In Mecklenburg-Vorpommern und Bremen gibt es hingegen die Möglichkeit der "Amtsveranlagung". Dies bedeutet, sich vom Finanzamt ohne eigenes Zutun steuerlich veranlagen zu lassen. Das nennt sich Amtsveranlagung.

Das Finanzamt wird in diesem Fall vom Rententräger automatisch über die Höhe der Rente informiert. Das betrifft allerdings nur Renten aus bestimmten Quellen. Dazu gehören die gesetzliche Rentenversicherung, die landwirtschaftliche Alterskasse, berufsständische Versorgungseinrichtungen, Pensionskassen, Pensionsfonds sowie Versicherungsunternehmen. Nur wer außer einer solchen Rente keine weiteren Einkünfte hat, kann die Amtsveranlagung in Anspruch nehmen. Wenn der Rentner also beispielsweise zusätzlich zur Rente Einnahmen aus der Vermietung einer Wohnung hat, scheidet die Amtsveranlagung für ihn aus.

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Beide Ansätze - die vereinfachte Steuererklärung sowie die Amtsveranlagung - haben den Nachteil, dass viele Rentnerinnen und Rentner nicht gesagt bekommen, welche Kosten sie absetzen und somit ihre Steuerlast senken können. Hier gibt es jedoch zahlreiche Möglichkeiten, etwa mit Blick auf Krankheitskosten, Nebenkosten, Pflegekosten, den Behindertenausweis und vieles mehr.

Daniel Schollenberger ist Steuerexperte des Portals Steuertipps.de von Wolters Kluwer.

Quelle: ntv.de

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