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Baugeld- und Anlagezinshoroskop Zinsen 2019: Darf's ein bisschen mehr sein?

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Selbst wenn die EZB den Einlagensatz von minus 0,4 auf 0 anheben solle, bedeutet das noch keine Superzinsen.

(Foto: imago/Ikon Images)

Eigentlich müssten die Zinsen im kommenden Jahr steigen. Das jedenfalls verheißen die Ankündigungen der EZB. Ängstliche Großinvestoren könnten aber für Überraschungen sorgen.

2018 war ein extrem langweiliges Jahr. Zumindest für all jene, die auf sichere Zinsprodukte setzten. Sie mussten zusehen, wie die niedrigen Zinsen und eine zweiprozentige Inflationsrate langsam, aber sicher die Substanz Ihres Ersparten aufzehrten, hielten Ihre Risiken aber dafür klein. Wer sich hingegen an die Börse wagte, der erlebte das Gegenteil von Langeweile. Hier gab es heftige Turbulenzen ­- und spätestens seit September zeigt der deutsche Leitindex Dax eine sehr eindeutige Abwärtstendenz.

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Dax 12.389,62

Das führt fast zwangsläufig zu der Frage: Wie geht es weiter für Anleger? Wie sollten sicherheitsbewusste Sparer im kommenden Jahr agieren? Und welche Chancen und Risiken bestehen für jene, die 2019 ein Hypothekendarlehen oder eine Anschlussfinanzierung benötigen?

Alle Augen ruhen auf der EZB

Wer auf Sicherheit und damit auf Zinsprodukte setzt, ist von den Entwicklungen des Leitzinses abhängig. Gleiches gilt für alle, die einen Kredit aufnehmen wollen oder müssen. Wie sich die Zinsen entwickeln werden, weiß derzeit aber wohl nicht einmal die Europäische Zentralbank (EZB): Sie gibt zwar den Rahmen für die Zinspolitik vor, doch die Faktoren, die darauf einwirken ­- etwa die Inflationen und das globale Wirtschaftswachstum - kann auch die EZB nur begrenzt beeinflussen.

Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.

Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.

Zwar haben die Zentralbanker angekündigt, dass sie im kommenden Jahr beginnen wollen, den Leitzins wieder anzuheben. Was genau das bedeutet und welchen Umfang die Veränderungen haben, bleibt abzuwarten.

Trendwende von Minus nach Plus?

Für die Anlagezinsen wäre die Rücknahme des Negativzinses ein wichtiges Signal. Denn solange das EZB-Geld so billig ist, dass Banken in Kundengeldern schwimmen, so lange wird Sparen mit Zinsprodukten sich nicht lohnen. Wenn hingegen die Negativzinsen wegfielen, dürften die Banken sehr bald wieder mehr Zinsen bezahlen. Insofern würde ein solcher Schritt eine echte Bewegung beim Tages- und Festgeld auslösen.

Auf üppige Erträge sollte 2019 trotzdem noch niemand spekulieren. Selbst wenn die EZB den Einlagensatz von minus 0,4 auf 0 anheben solle, bedeutet das noch keine Superzinsen. Eine mögliche Zinssteigerung beim Tages- und Festgeld um diese 0,4 Prozentpunkte wäre schon fast eine euphorische Annahme. Wer auf der Suche nach den besten Zinsen ist, kann diese hier oder hier finden.

Kreditnehmer müssen mehr bezahlen

Bleibt die Frage, was die Zinswende für die Sollzinsen bedeutet würde. Bei den Ratenkrediten ist die Antwort klar: Banken werden die höheren Zinsen für die Anleger vermutlich fast 1:1 weitergeben.

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Bauzins 2018

Bei den Hypothekenzinsen ist die Frage nicht so einfach zu beantworten, weil kein direkter Zusammenhang zwischen der EZB-Zinspolitik und den Bauzinsen besteht. Letztere sind eher vom Sicherheitsdenken der großen Kapitalanleger und Investoren gesteuert. Ängste, etwa vor Inflation, globalen Wirtschaftsproblemen, Handelskriegen oder politischen Veränderungen bewirken hier, dass das Kapital bevorzugt in sichere Anlagen gesteckt wird, zum Beispiel in die Bundesanleihen des deutschen Staates.

Die Renditen reagieren sehr schnell auf Anlegerängste und zeitlich etwas verzögert dann auch die Baugeldzinsen. In der aktuellen politischen und wirtschaftlichen Situation wird weiterhin die Sicherheit an erster Stelle stehen. Damit werden auch die erst einmal niedrig bleiben. Die fast gleichlaufenden Kurven von Bundesanleihe und Bauzinsen können Sie hier selbst nachvollziehen

Selbst wenn die EZB Ernst machen sollte und die Leitzinsen erhöht, bedeutet das nicht automatisch entsprechend höhere Hypothekenzinsen. Eine Erhöhung der Hypothekenzinsen von 0,25 bis 0,5 Prozentpunkten ist aber jederzeit denkbar - abhängig von Politik und Wirtschaftseinflüssen.

Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.

Quelle: n-tv.de

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