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Tenhagens Tipps Zugreifen bei den "Zugreif-Zinsen"?

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Es gibt noch (ein wenig) Zinsen für das Ersparte.

(Foto: imago/RelaXimages)

Geld fürs Geld? Meist Fehlanzeige. Nicht aber bei der Deutschen Bank, hier locken die "Zugreif-Zinsen". Ob man der Versuchung nachgeben sollte, wie es überhaupt mit den Zinsen weitergeht und was bei einer Krise zu tun ist, verrät "Finanztip"-Chefredakteur Hermann-Josef Tenhagen.    

n-tv.de: Herr Tenhagen, die Deutsche Bank bietet derzeit für Festgeld 0,75 Prozent Zinsen. Was ist von den "Zugreif-Zinsen zu halten?

Hermann-Josef Tenhagen: Zunächst einmal: Bei dem Angebot handelt es sich um ein 6-Monats-Festgeld. Für alle anderen Laufzeiten bis zu 5 Jahren zahlt die Bank gerade mal 0,05 Prozent. Außerdem gilt das Angebot nur für Gelder, die bisher nicht bei der Deutschen Bank angelegt sind, insgesamt für eine Anlagesumme bis 100.000 Euro. Treue Kunden der Deutschen Bank gehen mit dem schon dort liegenden Geld leider leer aus. Wer aber schon Kunde ist und noch anderswo schlecht verzinstes Geld rumliegen hat, für den ist das Angebot nicht schlecht.

Gibt es bessere Angebote?

Ja, bei der Crédit Agricole Consumer Finance (CA) gibt es 0,91 Prozent pro Jahr für das halbe Jahr und 1,21 Prozent für eine Laufzeit von zwei Jahren. Hier stimmt die Einlagensicherung und auch die Bank wird von uns als solide bewertet.

Und wie schaut es beim Tagesgeld aus?

Für Neukunden gibt es bei der ING 1 Prozent für vier Monate. Auch für Bestandskunden gibt es bei der RaboDirect 0,3 plus 0,36 Prozent für vier Monate, 0,5 Prozent bei der LeasePlan Bank, 0,4 bei Cosmosdirekt und 0.3 bei Moneyou.

Wie geht es denn Ihrer Meinung nach überhaupt mit den Zinsen weiter?

Ich glaube, vorläufig gibt es keinen Anreiz dafür, dass die Europäische Zentralbank die Zinsen erhöhen sollte. Auch nicht für die Banken.

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.

Sie sehen also kein Problem?

Ich kann nachvollziehen, dass Menschen mit den Niedrigzinsen ein Problem haben, sehe aber im Moment keine Alternative.

Höhere Zinsen könnten die Krisenstaaten doch auch gar nicht bedienen.

Deshalb werden die ja auch nicht kommen. Wie bescheuert müssten denn die Beteiligten sein, um eine Großkrise durch Zinserhöhungen zu provozieren? Beispiel Italien.

Aber was wäre denn, wenn es trotz Null-Zins-Politik zu einer ausgeprägten Rezession im Euroraum kommen würde?

Noch billigeres Geld geht ja nicht. Da muss man gucken, was es sonst noch für Möglichkeiten gibt, dem zu begegnen. Es ist sicherlich eine sehr europäische Sicht der Dinge, dass man dann nicht noch mehr Schulden macht. Die Japaner haben sich bei ihrer eigenen Bevölkerung signifikant höher verschuldet als beispielsweise die Italiener. Auch die US-Amerikaner sind bisher noch nicht auf die Idee gekommen, so etwas wie eine Schuldenbremse zu installieren und sich damit wirtschaftspolitisch zu amputieren. So etwas gibt es vor allem in Deutschland, wo die schuldenfreie schwäbische Hausfrau Vorbild für die Staatsfinanzen ist.

Und wie sieht es mit Negativzinsen auf breiter Front für Sparer aus? Fürchten Sie die nicht?

Ich sehe nicht, dass die kommen. Allerdings kann ich im Augenblick auch nicht erkennen, dass die Banken in Deutschland einen lukrativen Platz für das Geld der deutschen Sparer gefunden hätten. Und ohne solche Plätze ist eine anständige Verzinsung auf Tages- und Festgeldzinsen schwer vorstellbar. Für die Sparer ist es angesichts von über 2000 Milliarden Euro auf tagesfälligen Konten weiterhin sinnvoller, sich langfristig mit Indexfonds am Aktienmarkt zu engagieren.

Was bleibt also in der Krise zu tun?

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(Foto: Deutsche Bundesbank)

In einer Krisensituation sollte sich der Staat auf jeden Fall antizyklisch verhalten. Wenn der Staat in der Rezession noch zusätzlich spart, ist das kontraproduktiv. Sicherlich wurde fiskalpolitisch an der einen oder anderen Stelle in den letzten 10 Jahren nicht alles richtig gemacht. Dennoch war die sogenannte Euro-Rettung und die daraus resultierende Null-Zins-Politik ohne Alternative. Und weitere Schulden sind es im Krisenfall eben auch.

Die Zinsen bleiben also im Keller und die Staatsverschuldung steigt munter weiter?

Bezogen auf das Bruttosozialprodukt steigt die Verschuldung ja gar nicht. Hier nähern wir uns zumindest in Deutschland der 60-Prozent-Quote. Wir waren mal bei über 80. Mindestens für Portugal und Irland sieht die Sache auch gut aus. Bei Italien und Griechenland sinkt die Quote allerdings nicht wirklich. Und bei Frankreich steigt sie sogar leicht. Innerhalb der EU hat die Verschuldungsquote in den letzten Jahren insgesamt nicht weiter zugenommen. Genug ist das nicht.

Mit Hermann-Josef Tenhagen sprach Axel Witte

Quelle: n-tv.de

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