Fußball

So läuft der sechste Spieltag FC Bayern macht auf seriös, Leipzig lobt sich

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Spielkleidung für Paderborn? Profis des FC Bayern, seriös.

(Foto: imago images / Sven Simon)

Während in Wolfsburg unbemerkt die Zukunft des Fußballs beginnt, denken sie beim FC Bayern nur an den SC Paderborn. Beim Topteam in Leipzig loben sie sich selbst, der BVB will vor dem sechsten Spieltag der Bundesliga von Mentalitätsfragen nichts wissen.

Was macht der Fußball?

Stell' Dir vor, die Zukunft des Fußballs beginnt. Und kaum einer bekommt es mit. Nein, es geht nicht um den DFB, der den Grundstein für seine Akademie in Frankfurt am Main gelegt und an diesem Freitag Fritz Keller zum Präsidenten gewählt hat. Nein, im Wolfsburger Stadion gibt's jetzt 5G. Der VfL, die DFL und Vodafone haben beim Bundesligaspiel gegen die TSG Hoffenheim am Montag eine App fürs Smartphone vorgestellt, mit der es möglich ist, jederzeit ohne wahrnehmbare Zeitverzögerung und über den bloßen Augenschein hinaus etwas über die Fußballer auf dem Rasen zu erfahren. Wieviel läuft der Spieler? Wie schnell rennt er gerade? Wie viele Pässe spielte er, wie oft schießt er aufs Tor?

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"Eher was für die Haupttribüne": Daniel Ginczek, Early Adopter.

(Foto: Giannakoulis)

Es war ein Test, der den etwa 50 Gästen in der Sky Lounge oben im mit 21.120 Zuschauern eher spärlich besetzten Stadion vorbehalten war. Sie durften probieren, was so geht. Möglich sei viel mehr. "Heute werfen wir einen Blick in den Maschinenraum", sagte Andreas Heyden, "Executive Vice President Digital Innovation" der DFL. "Das wird ein neues, emotionales Stadionerlebnis, das Technologie und Sport vereint. Die Smartphonekamera wird dann nicht mehr nur für Selfie verwendet werden, sondern aufs Spielfeld gerichtet sein." Das "Beste aus zwei Welten" durchs digitale Opernglas soll es also sein. Warum auch direkt aufs Spielfeld schauen, wenn ich mir doch das Smartphone vor die Nase halten kann? Daniel Ginczek, der noch verletzte Angreifer der Wolfsburger, war von seinem Arbeitgeber in die Sky Lounge geschickt worden, um als Spieler die App auszuprobieren. Grundsätzlich nicht schlecht, sagte er. Vielleicht trügen die Daten dazu bei, dass die Zuschauer das Spiel besser verstünden und die Spieler fairer beurteilten. Aber wünscht er sich nicht, dass die Fans ihn und seine Kollegen unterstützen, statt auf den Screen zu starren? "Das ist schon eher was für die Haupttribüne." Unser Tipp: Es wird keinen Fußball ohne Smartphone mehr geben, so oder so.

Wie steht's um den FC Bayern?

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Klassiker: Niko Kovac.

(Foto: imago images/Sven Simon)

Sieht man von der Drohung des Klubpräsidenten ab, keine Spieler des FC Bayern mehr zur deutschen Nationalmannschaft zu schicken, falls Manuel Neuer dort nicht mehr im Tor stehen darf, mutmaßlich ganz gut. Zumal Uli Hoeneß angekündigt hat, erst einmal nichts sagen zu wollen. Damit schnell zum Sport, bevor er doch wieder etwas sagt. Die Münchner treten am Samstag (ab 15.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) an diesem sechsten Spieltag als Tabellenzweiter beim SC Paderborn 07 an. Niko Kovac hat gesagt, er und seine Mannschaft würden sich sehr auf die Partie beim Tabellenletzten konzentrieren und kein bisschen daran denken, dass sie dann am Dienstag in der Champions League bei Tottenham Hotspur spielt. Ein Klassiker der Trainerversprechen. Seine Forderung: "Absolute Seriosität." Kollege Steffen Baumgart, mit dem Aufsteiger noch sieglos, kündigte an: "Wir spielen unser Spiel. Vollgas nach vorne. Es geht auch gegen die Bayern darum, drei Punkte zu holen." Das ist auch ein Klassiker. Und Abwehrspieler Uwe Hünemeier sagte: "Wir hissen doch nicht schon nach fünf Spielen die weiße Fahne." Tipp: 0:4, aber kein Grund, vorzeitig aufzugeben.

Wie geht's dem Tabellenführer?

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Nicht nach Leipzig: Alexander Nübel.

(Foto: imago images/eu-images)

In Leipzig ziehen sie ihre Kreise und loben sich erst einmal selbst. Ralf Rangnick, seit dieser Saison bei Red Bull für den globalen Fußball zuständig, ist stolz darauf, als Sportdirektor und Trainer seinen Nachfolger auf der Bank selbst ausgesucht zu haben. Julian Nagelsmann, der im Sommer von der TSG Hoffenheim kam, sei "das größte deutsche Trainertalent", sagte Rangnick der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Für sein Alter sei Nagelsmann "sehr reif und sehr weit und kann, wenn er sich so weiterentwickelt, auf eine Stufe kommen mit Klopp und Guardiola". Das klingt vielversprechend. Erst einmal aber steht am Samstagnachmittag die Partie gegen den FC Schalke 04 an. Und das Überraschende ist nicht, dass RB Leipzig die Tabelle anführt, sondern dass die Fast-Absteiger aus Gelsenkirchen mit dem neuen Trainer David Wagner auf Platz fünf stehen. Also auf nach Europa? "Das ist eine total unrealistische Erwartungshaltung. Wir alle wissen, wo der Verein herkommt." Und auch der hochgelobte Nagelsmann gibt sich bodenständig: "Meine Jungs und ich können das schon realistisch genug einschätzen. Dass wir möglichst alle Spiele gewinnen wollen, ist selbsterklärend. Dass wir aber am fünften Spieltag noch nicht anfangen, am Marktplatz in Leipzig den Balkon zu schmücken, ist auch klar." Eine Sache scheint derweil geklärt. Wie die "Bild"-Zeitung berichtete, geht Schalkes Torhüter Alexander Nübel nicht zu den Leipzigern, die ihn umworben hatten. Tipp: 2:0.

Was macht die Mentalität des BVB?

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Bosse im Rücken: Marco Reus.

(Foto: imago images/eu-images)

Marco Reus erhielt in dieser Woche Rückendeckung. Klubchef Hans-Joachim Watzke, Manager Michael Zorc und Trainer Lucien Favre sprachen sich für den Borussen-Kapitän aus und würgten eine Diskussion um Mats Hummels als Nachfolger ab. Ob der Verteidiger nach muskulären Problemen spielen kann, ist fraglich. Und bekommt Mario Götze eine weitere Chance? Favre hatte schließlich betont: "Wir brauchen alle Spieler." Aber was ist mit der fehlenden Mentalität, mit der "Mentalitätsscheiße, wie Reus nach dem 2:2 in Frankfurt sagte? Auch diese Debatte sei fehl am Platz, sagten die drei Bosse. Nachdem die Dortmunder auswärts fünf Punkte liegen gelassen haben, geht's am Samstag (ab 18.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) gegen den SV Werder zu Hause ran. Mit 9:1 Heim-Toren fühlen sich die Borussen bereit, zu RB Leipzig und zum FC Bayern aufzuschließen. Werder hingegen steht mit seinem kaum kleiner werdenden Lazarett unter Zugzwang: Nur sechs Punkte aus den ersten sechs Spielen wären viel zu wenig für Trainer Florian Kohfeldt und sein Team, Europa ist das Ziel. Mit dem Bremer Nuri Sahin wird ein alter Bekannter auflaufen. Ein anderer, nicht ganz so alter, Ömer Toprak, fällt dagegen weiter aus. Tipp: 2:1.

Was ist sonst noch so los?

1. FC Union Berlin - SG Eintracht Frankfurt (Freitag, 20.30 Uhr): Das Stadion? Wieder ausverkauft. Der Gegner? Reizvoll. Die Mannschaft? Motiviert. Flutlicht? Brennt. "Ich hoffe, dass es beflügelt, aber ob Flutlicht oder nicht Flutlicht, wir müssen es besser machen als in Leverkusen. Punkt", sagt Berlins Trainer Urs Fischer. Bei Bayer gab's ein 0:2, zuvor ein 1:2 gegen Bremen, insgesamt ist der 1. FC Union mit seinen vier Punkten im Soll. Nachdem sie überraschend gegen Dortmund gewonnen hatten, trauen sie sich viel zu. Und so sagt Frankfurts Trainer Adi Hütter: "Sie können mit der Atmosphäre jedem Gegner das Leben schwer machen. Es gibt für uns keinen Grund, jemanden zu unterschätzen." Tipp: 2:2.

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Standfest: Marco Rose.

(Foto: imago images/Eibner)

TSG Hoffenheim - Borussia Mönchengladbach: Gladbachs Trainer Marco Rose bleibt ruhig, wenn seine Mannschaft schwankt: "Wir arbeiten daran und wollen stabiler werden." Mit zehn Punkten sei man zwar "nicht ganz oben dabei", aber "möglicherweise reden wir in zwei Jahren über eine andere Phase. Man sollte nicht so viel hineininterpretieren". Die Hoffenheimer ergatterten bei der 5-G-Premiere in Wolfsburg ihren fünften Punkt, Trainer Alfred Schreuder sagte: "Wir vermissen etwas." Will meinen: So ganz rund läuft es nicht. Tipp: 2:1.

FSV Mainz 05 - VfL Wolfsburg: Wolfsburgs 5-G-Trainer Oliver Glasner warnt: "Mainz hat in dieser Saison bessere Leistungen gezeigt, als es der Tabellenstand widerspiegelt." Denn: "Von ihrer Spielanlage her war ich beim Spiel auf Schalke zuletzt sehr beeindruckt. Von daher erwarte ich wie jede Woche eine Mannschaft, die uns das Leben schwermachen will." Die Mainzer haben von fünf Spielen vier verloren. Der VfL ist noch unbesiegt. Bei den Rheinhessen ist in jedem Fall Druck auf dem Kessel, unter der Woche gab es im Training einige Rangeleien. Sandro Schwarz kommentierte die Aggression im Training humorvoll: "Ich finde es gut, wenn meine Spieler so scharf sind." Tipp: 1:0, trotzdem.

FC Augsburg - Bayer 04 Leverkusen (alle Samstag, 15.30 Uhr): Immerhin schon 16 Mal haben die Augsburger in der Bundesliga gegen Leverkusen gespielt, kein einziges Mal haben sie gewonnen. Ob Trainer Martin Schmidt deshalb beim Friseur war? So kurz habe er sein Haar noch nie gehabt. Sein Plan: "Wir konzentrieren uns auf Leverkusen und werden uns da richtig einschießen. Und dann hoffen wir auf einen goldenen Oktober." Dann geht es gegen Mönchengladbach, die Bayern, Wolfsburg und Schalke. Viel Spaß. Tipp: 1:3.

Fortuna Düsseldorf - SC Freiburg (Sonntag, 15.30 Uhr): Freiburgs Trainer Christian Streich sagt: "Ich kann mich nicht mehr sehen. Ich will mich nicht mehr sehen. Ich schaue abends in den Spiegel und gucke nach dem Essen, dass ich keine Krümel am Mund habe. Fertig." Insofern ist sein Erfolg kontraproduktiv. Gewinnen die Freiburger in Düsseldorf, setzen sie sich in den Champions-League-Rängen fest. Streich wird sich dann schon sehr bemühen müssen, am Zeitungskiosk seinem eigenen Gesicht auszuweichen. Tipp: 1:1.

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Torjägerkostüm? Anthony Modeste.

(Foto: imago images/Herbert Bucco)

1. FC Köln - Hertha BSC (Sonntag, 18 Uhr): Nach dem ersten Saisonsieg, dem 2:1 gegen Paderborn, steht für die Berliner und ihren Trainer Ante Covic nun in Müngersdorf das nächste Kellerduell an. Der Aufsteiger aus Köln hat noch einen Punkt weniger als Hertha BSC auf Tabellenplatz 15 und seit drei Partien kein Tor erzielt. Deshalb hat sich Anthony Modeste eine spezielle Verkleidung ausgedacht: "So langsam muss ich mal mein Torjägerkostüm anziehen", sagte der Franzose, der Köln vor zwei Jahren mit 25 Treffern in die Europaliga schoss, in dieser Saison aber erst einmal erfolgreich war. Coole Aktion: Er und seine Kollegen laufen am Sonntag in Regenbogen-Trikots auf, um ein Zeichen für Akzeptanz und Gleichberechtigung zu setzen. Tipp: 1:0.

Wer spielt das beste Phrasenschach?

"Das macht Appetit! Ausgerechnet am Geburtstag von US-Rocker Meat Loaf (auf Deutsch: Fleischklops) empfängt der DSC Arminia Bielefeld mit dem VfB Stuttgart die wohl größte Portion des aktuellen Zweitliga-Speiseplans." Die Bielefelder auf ihrer Homepage vor dem Zweitliga-Spitzenspiel an diesem Freitag gegen den VfB Stuttgart.

Quelle: n-tv.de

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