Fußball

So läuft der 23. Spieltag Flick gewinnt nichts, BVB bosst sich durch

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Der neue BVB-Boss auf dem Platz, Emre Can (rechts), und Erling Haaland wollen diesmal gegen Werder gewinnen.

(Foto: imago images/Uwe Kraft)

Für Hansi Flick, Trainer des FC Bayern, geht es heute Abend um nichts, schon gar nicht um seinen Job. Beim BVB berauschen sie sich derweil inzwischen endlich wieder an der Maloche. Und in Gladbach ärgern sie sich untereinander.

Was macht der Tabellenführer aus München?

Der Oberboss, der Macher ist beim FC Bayern zumindest in der operativen Führung endgültig Geschichte: Um Uli Hoeneß wurde schon in den letzten Jahren seiner großen, rund 40 Jahre andauernden Regentschaft ein ganzer Kader an sportlichen (Mit-)Entscheidern installiert. Die haben inzwischen das Ruder übernommen, der Topentscheider vergangener Jahre mischt nur noch im Aufsichtsrat mit. Diese Konstellation ist gerade für Cheftrainer Hansi Flick anstrengend, denn wo man früher nur einen von seiner Qualität überzeugen musste, muss man heute zahlreiche Häkchen einsammeln.

Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge, Sportdirektor Hasan Salihamidzic, der designierte Vorstandsvorsitzende Oliver Kahn, Präsident Herbert Hainer ... Sie alle haben sich in den vergangenen Wochen zur Arbeit von Flick geäußert. Eine Entscheidung, ob der ehemalige Co-Trainer von Niko Kovac weiter Karriere macht (vom Co-Trainer zur Kurzzeit-Lösung zur Interims-Lösung zur Erstmal-mindestens-bis-Weihnachten-Lösung zur Ganz-sicher-bis-zum-Sommer-Lösung zum echten Cheftrainer), soll aber erst im Mai getroffen werden. Und das, obwohl vor allem die Mannschaft sehr zufrieden ist mit ihrem direkten Vorgesetzten.

Trainer Hansi Flick vom FC Bayern München begrüßt die Fans. Foto: Matthias Balk/dpa/Archivbild

Hansi Flick gibt sich gelassen. Zu gewinnen gibt es für ihn heute eh nichts.

(Foto: Matthias Balk/dpa/Archivbild)

"Wie es kommt, das steht in den Sternen. Ich lebe in der Gegenwart", sagte Flick. "Der FC Bayern hat ein bisschen Ruhe, um zu überlegen, was in der Zukunft passieren soll", so der 54-Jährige zu der Übereinkunft mit dem Verein nach der Hinrunde, wonach er "mindestens" bis zum Sommer Cheftrainer bleibe. Wenn die Vereinsführung irgendwann überzeugt sei, dann werde diese "eine Entscheidung treffen", sagte Flick: "Wenn es dann so sein sollte, dass sie einen anderen Trainer haben wollen, dann geht bei mir die Welt auch nicht unter, dann geht mein Leben auch weiter." Ist das Flicksche Wesen den Bayern-Bossen vielleicht zu unbossig? Natürlich wollen sie sehen, wie Flick in der Champions League agiert, die Partie heute Abend (20.30 Uhr im Liveticker auf ntv.de) gegen den SC Paderborn wird auf die Zukunft von Flick keinen Einfluss haben. Tipp: Der FC Bayern spielt sich warm für das erste der bevorstehenden Flick-Endspiele kommende Woche gegen den FC Chelsea und gewinnt 5:0.

Zeigt PSG-Besieger Dortmund Werder diesmal, wer der Boss ist?

Mal wieder eine Haaland-Show: Gegen den französischen Serienmeister aus Paris knipste der junge Norweger in seinem Champions-League-Debüt für Borussia Dortmund doppelt. Und mal wieder überschlug sich die Fußballwelt mit Lobpreisungen auf die BVB-Offensive. Vor zweieinhalb Wochen war das noch anders. Da flog eine harmlose Borussia aus dem DFB-Pokal gegen ein – Achtung: Überraschung! – starkes Werder Bremen. Erling Haaland hatte in der ersten Halbzeit auf der Bank Platz nehmen müssen und nach seiner Einwechslung prompt getroffen. BVB-Coach Lucien Favre steckte dafür ordentlich Kritik ein. Als im Anschluss auch noch die Bundesliga-Partie gegen Bayer Leverkusen mit 3:4 verloren ging, steckte Dortmund mal wieder in der "Mentalitätskrise" und das schwache Zweikampf- und Abwehrverhalten wurde zum Thema Nummer eins. Aber jetzt hat der BVB ja seinen Vorzweikämpfer und Boss Emre Can, der, nachdem er Kritik an der mangelnden Härte im BVB-Spiel geäußert hatte, gegen PSG robust voranging. Schon nach wenigen Spielen ist der Nationalspieler zum Chef der Borussia aufgestiegen.

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So einen Anführer wie Can wünscht sich der Gegner aus Bremen sicherlich auch. Im Kader steckt allerdings kaum Chefigkeit, das Werder-Mittelfeld wird mit dem Ausfall von Maximilian Eggestein (fünfte Gelbe) zusätzlich geschwächt. Gut möglich, dass ihn Ex-Borusse Nuri Sahin vertritt. Einer der langsamsten Spieler der Bundesliga, der nur noch wenig Boss in sich trägt. Gegen die schnellen Offensivkräfte des BVB kann das eigentlich nur schlecht für Bremen ausgehen – vor allem, weil der einzige Minichef, den Werder noch hat, Kevin Vogt, mit einer Sehnenverletzung ebenfalls passen muss. Coach Kohfeldt muss bangen, nach der Partie weiter angezählt zu werden. Oder verliert der Cheftrainer den Kampf doch noch vorzeitig? Milot Rashica (ein Tor und eine Vorlage im Pokalsieg gegen Dortmund) hat dafür ein erneutes Vorstellungsgespräch beim BVB. Die Dortmunder wollen den Kosovaren nach der Saison verpflichten - ebenso wie der FC Liverpool. Nach seiner Verletzung zurück ist Linksverteidiger Ludwig Augustinsson, der gleich mal eine Chefchen-Ansage machte: "Es sind zwölf Spiele, zwölf Endspiele für uns. Wir brauchen von jedem einzelnen Spieler ein paar Prozent mehr." Dass Dortmund derzeit aber der Boss ist, musste aber auch er anerkennen. Während Haaland PSG abschoss, verfolgte der Schwede das Spiel mit seiner "Freundin auf der Couch." Tipp: Werder kann Chef nur im Pokal sein, Haaland (der ans Mikrofon ähnlich bossig tritt wie auf den Platz - s. Instagram-Post), Can und Co. sind in der Liga zu bossig, 0:2.

Hat RB seinen Champions-League-Rausch rechtzeitig ausgeschlafen?

José Mourinho schaute am Mittwoch während des Besuchs von RB Leipzig bei seinen Tottenham Hotspur häufig so grießgrämig drein, dass die Best-of-Galerie der grimmigsten Gesichter des ohnehin eher selten fröhlichen Trainers reichlich Zuwachs bekommen hat. Die Champions-League-Saison des Vorjahresfinalisten hätte bei besserer Leipziger Chancenverwertung schon nach dem Achtelfinal-Hinspiel quasi beendet sein können, letztendlich beließen es die starken Sachsen aber bei einem 1:0-Auswärtssieg. Nach dem Rausch folgte aber der Kater - und das macht RB-Trainer Julian Nagelsmann richtig sauer. "Beschissen" sei das gewesen, was seinem Team nach dem starken Auftritt widerfahren sei und meint die Rückreise per Chartermaschine.

Erst um fünf Uhr morgens seien die Spieler im Bett gewese - und "es ist zum wiederholten Mal, dass es in der Champions League so nicht funktioniert." Man war noch in der Nacht zurückgeflogen. Und das hatte gedauert, auch wegen der langwierigen Abfertigung am Flughafen: "Da kann ich auch Linie fliegen", haderte Nagelsmann. "Das werde ich so nicht noch mal machen." Für anderthalb Tage sei der Bio-Rhythmus danach im Eimer. Wird der Tabellenzweite also auf Schalke (Samstag, 18.30 Uhr im Liveticker auf ntv.de) die Londoner Zeche bezahlen müssen? Tipp: Nach einem alles andere als müden Kick trennen sich zwei ausgeschlafene Mannschaften 1:1.

Was steht sonst noch an?

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Eigentlich ist Marco Rose ein Freund seiner Spieler.

(Foto: imago images/Norbert Schmidt)

Borussia Mönchengladbach - TSG Hoffenheim: Die Vorzeichen vor dieser Partie könnten kaum unterschiedlicher sein. Mit einer Serie von drei Niederlagen in Folge reist die TSG Hoffenheim an den Niederrhein. Gladbach hat dagegen aus den letzten drei Spielen sieben Punkte geholt, will den vierten Champions-League-Platz weiter verteidigen – und darf mit lediglich vier Punkten Abstand zur Tabellenspitze ruhig noch oben schielen. Besonders ärgerlich für die TSG: Die Borussia geht zuhause äußerst cheffig zu Werke, gewann bislang acht Heimspiele. Und VfL-Coach Marco Rose kann am Samstag wieder auf Torjäger Alassane Pléa zurückgreifen, der seine Gelb-Rot-Sperre wegen Meckerns abgesessen hat.

Dass bei Rose auch mal sehr ausgefallen trainiert wird, verriet unter der Woche Rechtsverteidiger Stefan Lainer in einem Interview der "Sport Bild": "In Trainingsspielen werden bei uns bewusst zweifelhafte Schiedsrichter-Entscheidungen getroffen. Dann wird erwartet, dass wir die Situation annehmen, den Zweikampf suchen und nicht erst meckern oder winken." Hoffenheim könnte mit einem hohen Sieg und einer gleichzeitigen Niederlage der Schalker sogar an den Königsblauen vorbei auf einen Europa-League-Platz ziehen. Tipp: Aber nix da, die Borussia bleibt im eigenen Ring der Chef, 3:1.

Hertha BSC - 1. FC Köln: Endlich mal wieder ausverkauftes Haus! Das verkündete Hertha BSC am Mittwoch. Allerdings handelte es sich dabei um das Stadtduell gegen Union Berlin im März. Gegen Köln herrscht grauer Bundesligaalltag, an den sich die Herthaner nach den aufregenden Klinsmann-Wochen erst wieder gewöhnen müssen. Immerhin: Ex-Co und Neu-Boss Alexander Nouri fuhr gegen Paderborn einen wichtigen ersten Sieg als Chef ein. Neuzugang Matheus Cunha netzte dabei gleich mal mit der Hacke ein und gab danach zu, dass er sich gefreut hatte, "unter einem Coach mit so einem großen Namen wie Jürgen Klinsmann zu trainieren".

Nouri sei aber auch ok. Auch über ganz persönliche Ziele philosophierte er fast schon: "Ich glaube, ich bin gerade dabei, einen neuen Jubel zu entwickeln – aber er ist noch nicht ganz ausgereift." Hertha hofft, dass er schon gegen Köln wieder daran feilen kann. Effezeh-Trainer Markus Gisdol gibt vor dem Spiel in der Hauptstadt klarere Töne an: "Ich möchte, dass wir aggressiv und zweikampforientiert spielen." Gegen die Bayern hatte das zuletzt so gar nicht funktioniert, aber mit einem Sieg könnten die Kölner mit Hertha gleichziehen. Tipp: Klappt aber nicht, Cunha darf seinen Torjubel üben und seine Hertha gewinnt 2:1.

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Bald sind sie beide Bundesligageschichte: Lutz Pfannenstiel und Friedhelm Funkel.

(Foto: imago images/Norbert Schmidt)

SC Freiburg - Fortuna Düsseldorf (Samstag, 15.30 Uhr): Fortuna Düsseldorfs turbulente Wochen nehmen kein Ende. Kaum ist der eine Chef weg (Friedhelm Funkel), geht auch der Mann, Lutz Pfannenstiel, der die Verpflichtung des neuen Bosses (Uwe Rösler) veranlasste. Der Sport-Vorstand hatte erst Ende 2018 sein Amt angetreten und verkündete nun, dieses zum Ende der Saison aus privaten Gründen niederzulegen. Gut möglich aber, dass Pfannenstiel mit seinem freiwilligen Abschied einem Rauswurf zuvorkommt. Zu ungeschickt präsentierte er sich im Umgang mit dem bei Fans und Spielern bis zum Ende wohlgelittenen Funkel, zu wenig konnten seine Einkäufe dem Team helfen.

Nun geht es für die Fortuna nach Freiburg, das sich nach den Niederlagen gegen Köln und Paderborn wieder gefangen hat und in den Partien gegen Hoffenheim und in Augsburg vier Punkte sammelte. Die europäischen Plätze hat der SCF weiter fest im Blick. Eine Warnung hinsichtlich Samstag schickten die Freiburger unter der Woche schon mal raus: Für das Fastnachts-Wochenende Verkleidete müssen "Accessoires wie Schwerter, Pistolen oder Besen am Einlass" abgeben. Tipp: Christian Streichs Mannschaft zeigt Zuhause, wer der Boss ist und siegt mit 3:1.

Bayer Leverkusen - FC Augsburg (Sonntag, 15.30 Uhr):

Wo Leverkusen ist, da ist Spektakel: Erst gewann die Mannschaft mit einem sehr bosz-haften Ergebnis 4:3 gegen Borussia Dortmund, auch das in der Nachspielzeit erzwungene 3:2 in Berlin fällt in diese Kategorie. Und selbst ein schnödes 2:1 wird - wie gestern im Europa-League-Achtelfinale gesehen - unter Bayer-Beteiligung noch zum historischen Hingucker. Ob die wilde Fahrt auch gegen den FC Augsburg weiter geht? Das hängt wohl auch davon ab, wer bei den Gästen im Tor steht - und wie der sich präsentiert: Stammkeeper Tomas Koubek, vor der Saison für stattliche sieben Millionen Euro aus Rennes gekommen, wirkte zuletzt in Freiburg mal wieder unsicher, schon fünf Fehlgriffe des Tschechen führten in dieser Saison zu Gegentoren. Schon vor dem 1:1 gegen Freiburg hatte FCA-Trainer Martin Schmidt verkündet, man habe keine klare Nummer eins mehr - und damit seinen Torwart schwer angezählt. Sorgen die Leverkusener Angreifer für den K.o.? Tipp: Es gibt keine Spektakelpause, Leverkusen gewinnt 3:1.

VfL Wolfsburg - 1. FSV Mainz 05 (Sonntag, 18 Uhr):

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Könnte Jörg Schmadtkes Beherrschung auf die Probe stellen: Jeffrey Bruma.

(Foto: imago images/HJS)

Noch vor wenigen Monaten lief Jeffrey Bruma im Grün des VfL Wolfsburg auf, dem Verein gehört der Holländer immer noch - auch, wenn er inzwischen im Rot des 1. FSV Mainz 05 unterwegs ist. Ob Bruma also pausieren muss, wenn beide Vereine am Sonntag aufeinander treffen? Immerhin wurde es zuletzt zur Sitte in der Bundesliga, dass bei Leihen auch gleich Sperrklauseln vereinbart werden, wonach der Leihspieler seinem Ex- und Noch-Verein nicht sportlich schaden darf. "Sowas gibt‘s bei mir nicht, das war nie Thema. Ich will auch gegen Wolfsburg spielen und gewinnen – für Mainz 05", macht dagegen Bruma klar.

Für Wolfsburgs Manager ist die Sache auch ganz klar: "Ich kann zumindest für mich ausschließen, dass ich so etwas verlangen würde", sagte Jörg Schmadtke dem "Kicker". "Es geht mir dabei in erster Linie um den Respekt und das Fair Play gegenüber dem Spieler." Bruma dürfte sich sogar über ein Tor freuen: "Warum sollte er nicht jubeln?", fragte Schmadtke. "Man kann auch respektvoll jubeln und muss ja nicht zwingend wappenküssend auf den Zaun klettern." Aber wir werden nicht erfahren, wie weit es mit Schmadtkes Gelassenheit wirklich her ist, denn das Spiel endet 0:0.

Eintracht Frankfurt - Union Berlin (Montag, 20.30 Uhr):

Die DFL liebt Ärger: Nicht nur, dass sie überhaupt Bundesliga-Spiele zum unter den Fans verhassten Termin am Montagabend terminiert, nein, am 23. Spieltag wird die Sache auf die Spitze getrieben: Gut 500 Kilometer werden die Union-Fans auf die Reise geschickt - einfache Strecke, natürlich - bevor sie ihre Mannschaft in Hessen unterstützen können. Das ist schlicht nicht vermittelbar. Der Termin nicht und die Spielauswahl auch nicht. Nun stehen die meinungsstarken, mitteilungsfreudigen Fans aus Frankfurt nicht eben im Verdacht, so etwas unwidersprochen abzunicken. Entsprechend dürften die Proteste ausfallen, auch die Union-Anhänger werden die Gelegenheit nutzen, noch einmal auf den ganzen Unsinn hinzuweisen. Fußball gespielt wird natürlich auch. Tipp: Frankfurt nimmt den Schwung aus der Europa League mit und gewinnt 3:1.

Wer spielt das beste Phrasenschach?

"Ich hatte mit 17 einen Vorfall in der Regionalliga. Damals hat ein Spieler mich rassistisch beleidigt. Ich habe ihn nur angelacht. Jetzt weiß ich nicht, wo er spielt. Aber er weiß, wo ich spiele."

(Bayer Leverkusens Mittelfeldspieler Nadiem Amiri über eine rassistische Erfahrung mit Rassismus und seinen Umgang damit.)

Quelle: ntv.de