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Der FC Bayern hat auch in Katar seine Fans.
Der FC Bayern hat auch in Katar seine Fans.(Foto: imago/DeFodi)
Freitag, 12. Januar 2018

So läuft der Rückrundenstart: Weil keiner will, macht's halt der FC Bayern

Von Stefan Giannakoulis

Der FC Bayern bereitet sich wieder in Katar auf die Rückrunde der Fußball-Bundesliga vor. Wie stets drängt sich die Frage auf: Was soll das? Sportlich allerdings macht den Münchnern keiner was vor, der sechste Titel hintereinander ist gebucht.

Was macht der FC Bayern in Katar?

Die Münchner haben sechs Tage in Katar trainiert und sich auf die Rückrunde in der Fußball-Bundesliga vorbereitet, die für sie ab 20.30 Uhr (im Liveticker bei n-tv.de) mit dem Spiel in Leverkusen beginnt. Sie taten das zum achten Mal in ihrem Lieblingsemirat am Persischen Golf und fühlen sie dort sehr wohl. Die Bedingungen - das Wetter, das Hotel, die Fußballplätze - seien optimal, sagen sie. Alles andere als optimal sind hingegen die teils menschenunwürdigen Bedingungen, unter denen die ausländischen Arbeiter die Stadien für die Weltmeisterschaft 2022 bauen. Auf anderen Baustellen, die nicht im Fokus stehen, sollen die Zustände noch schlimmer sein. Keineswegs optimal in dem reichen Mini-Staat sind auch die Verletzung der Menschenrechte und der Meinungsfreiheit. Zudem wird Katar vorgeworfen, den internationalen Terrorismus islamistischer Provenienz zu finanzieren.

"Außenminister Sigmar Gabriel hat mir neulich bestätigt, dass sich die Situation der Arbeiter in Katar durch den Fußball verbessert habe": Karl-Heinz Rummenigge.
"Außenminister Sigmar Gabriel hat mir neulich bestätigt, dass sich die Situation der Arbeiter in Katar durch den Fußball verbessert habe": Karl-Heinz Rummenigge.(Foto: imago/Ulmer)

Der FC Bayern kann diese Probleme nicht lösen. Aber er könnte, das wäre der beste Weg, woanders trainieren. Zumindest aber könnte er sich klarer und konkreter positionieren. Diese Forderung ist nicht neu, aber alle Jahre wieder aufs Neue aktuell. Karl-Heinz Rummenigge hat zumindest erkannt, dass der Vorwurf der Leisetreterei dem Image eines weltoffenen Vereins wenig zuträglich ist. In einem am Neujahrstag erschienenen Interview mit der Münchner Zeitung "tz" behauptete der Vorstandschef offensiv: "Außenminister Sigmar Gabriel hat mir neulich bestätigt, dass sich die Situation der Arbeiter in Katar durch den Fußball verbessert habe, auch wenn sie natürlich immer noch besser werden könne." Der FC Bayern steuere seinen Teil bei. "Unsere Partner in Doha kennen auch unsere Überzeugungen. Darüber sprechen wir vertraulich, mit jedem Gespräch wächst ein Stück Vertrauen. Das ist die Voraussetzung für Veränderung."

Vielleicht ist es ja wirklich so, dass die Münchner darüber nachdenken, was sie machen. Es besteht aber die Gefahr, dass Rummenigge seine Einschätzung einigermaßen exklusiv hat. Wenzel Michalski, Direktor von Human Rights Watch Deutschland, sagte in dieser Woche im Gespräch mit der Deutschen Welle, die Menschenrechtsorganisation habe nichts dagegen, dass der FC Bayern in Katar spiele und trainiere. Weil die Münchner aber dort die Infrastruktur nutzten, wo es Menschenrechtsverletzungen gegeben habe, sei der Klub dazu verpflichtet, sich öffentlich zu äußern. Zu Gabriel sagte Michalski allerdings: "Außenminister Gabriel ist selbst nach Katar geflogen und hat festgestellt, dass die Zustände auf den Baustellen richtig schlimm seien. Er hat gesagt, dass er wisse, dass ihm nur Vorzeigebaustellen präsentiert wurden. Da muss es also ein Missverständnis zwischen Karl-Heinz Rummenigge und Sigmar Gabriel gegeben haben."

Und was macht die Bundesliga?

Na, Triple? Jupp Heynckes.
Na, Triple? Jupp Heynckes.(Foto: dpa)

Jupp Heynckes hat sich neulich beschwert, dass nun alle davon sprächen, der FC Bayern steuere in dieser Spielzeit wie 2013 mit ihm als Trainer auf das Triple zu. Das ginge ihm zu weit. Es sein doch schon ein Erfolg, wenn die Münchner die Bundesliga gewinnen würden. Netter Versuch. Die Münchner werden am Ende ihrer sechste Meisterschaft hintereinander feiern, Verfolger gibt es nicht. Der FC Schalke 04 steht mit einem Rückstand von elf Punkten auf Platz zwei der Tabelle, Aufsichtsratschef Clemens Tönnies hatte jüngst in der "Welt am Sonntag" klargestellt: "Bayern soll jagen, wer will. Wir konzentrieren uns auf das, was wir erreichen wollen." Auf Rang drei und vier folgen die Dortmunder Borussia, die ganz andere Probleme hat (siehe unten), und die Leverkusener, die eh nie den Titel holen. Und Trainer Ralph Hasenhüttl, mit seinen Rasenballsportlern punktgleich auf Rang fünf, sagte dem Bezahlsender Sky: "Es ist nicht die Aufgabe von RB Leipzig, sich Gedanken zu machen, wie man die Lücke zum FC Bayern schließt." Es will also niemand Meister werden - wie langweilig. In einem hat Heynckes allerdings recht: Nationale Dominanz zeitigt nicht automatisch, dass es auch international für den ganz großen Wurf reicht. Unser Tipp: Der FC Bayern gewinnt auch in Leverkusen - mit 2:1.

Wie geht's dem BVB?

Zeichen? Marco Reus.
Zeichen? Marco Reus.(Foto: imago/DeFodi)

Michael Zorc hat die Hoffnung nicht aufgeben. Der "Süddeutschen Zeitung" sagte der Sportdirektor der Dortmunder Borussia: "Nach einem Jahr mit dem Bombenanschlag, zwei Trainerentlassungen und einem skurrilen Verlauf der Hinrunde lautet unser größter Wunsch: etwas mehr Ruhe." Inzwischen geben sie sich beim BVB so abgehärtet, dass ihnen die Eskapaden ihres Torjägers Pierre-Emerick Aubameyang nichts mehr anhaben können und die Wechselgerüchte um ihn auch nicht: "Spekulationen um Auba sind für uns nichts Neues, sie nerven uns nicht einmal." An diesem Sonntag nun geht es zum Abschluss dieses 18. Spieltags im Westfalenstadion gegen den VfL Wolfsburg. Grundsätzlich geht es für die Dortmunder darum, sich - nach einer Hinrunde mit einer Serie mit acht Spielen hintereinander ohne Sieg - wieder direkt für die Champions League zu qualifizieren. Und grundsätzlich trägt einer die Hoffnung, der sein bisher letztes Wettkampfspiel am 27. Mai vergangenen Jahres bestritten hat, beim 2:1 im Pokalfinale gegen die Frankfurter Eintracht: Marco Reus, der sich von den Folgen seines Kreuzbandrisses erholt hat und im Trainingslager in Marbella voll mittrainierte. Trainer Peter Stöger sagt: "Wir werden ihn nicht zu früh reinjagen, aber wir werden nicht endlos warten, wenn er das Gefühl hat und das Zeichen gibt, dass er bereit ist." Tipp: 3:1 (auch, weil der BVB besonders gut mit den Videoschiris kann)

Startet der 1. FC Köln eine Aufholjagd?

Hm, ja, och, vielleicht. Oder? Sechs Punkte haben die Kölner geholt, zehn Tore geschossen - das war dann doch noch besser als Tasmania Berlin, aber dennoch die drittschlechteste Hinrunde der Bundesliga-Geschichte. Der Rückstand auf den Hamburger SV auf dem vorletzten Platz und den SV Werder Bremen auf dem Relegationsrang beträgt neun Punkte. Kölns Trainer Stefan Ruthenbeck sagt vor der Partie am Sonntag ab 15.30 Uhr gegen die Mönchengladbacher Borussia: "Wenn ich jetzt sage, wir holen 30 Punkte, dann denkt jeder, der Ruthenbeck dreht durch. Aber wenn die anderen schwächeln, müssen wir da sein." Mit Simon Terodde, der in der Winterpause aus Stuttgart kam, hat der Trainer jetzt einen Angreifer, der in den vergangenen beiden Spielzeiten 50 Tore erzielt hat - in der zweiten Liga, für den VfL Bochum und den VfB. Da er aber nun in der Hinrunde nur zweimal traf, hängt ihm das Etikett Zweitligatorjäger an. Da planen die Kölner doch nicht etwa schon weitsichtig für die kommende Saison? Tipp: 1:1.

Was ist sonst noch so los?

Eintracht Frankfurt - SC Freiburg: Vor der Winterpause hatten sich die Freiburger mit fünf Spielen hintereinander ohne Niederlage auf Platz 13 vorgearbeitet. Trainer Christian Streich hat aber messerscharf erkannt: "Es geht neu los, wir müssen uns beweisen, egal wer auf dem Platz steht." in Frankfurt werde es schwer, weil die Eintracht "die Qualität hat, Tore zu verhindern und eins mehr zu schießen als der Gegner". Tipp: 2:0.

FC Augsburg - Hamburger SV: Hamburgs Trainer Markus Gisdol freut sich, wie er sagt, auf den Rückrundenauftakt: "Ich habe schon den richtigen Beruf gewählt." Prima, dass ihm sein Beruf so viel Spaß macht. Und das offenbar ungeachtet der Tatsache, dass der HSV auf dem vorletzten Platz der Tabelle steht. Abwehrchef Kyriakos Papadopoulos dagegen mahnt: "Es ist kein Spaß mehr. Wir müssen alle wach sein und hundert Prozent geben." Tipp: 1:0.

Hannover 96 - FSV Mainz: Der FSV hat in der Winterpause Nigel de Jong verpflichtet. Das ist durchaus spannend. Der Mann kommt von Galatasaray in Istanbul, hat 81 Mal für die Nationalmannschaft der Niederlande gespielt und im WM-Finale 2010 den Spanier Xabi Alonso per Kung-Fu-Tritt übel niedergestreckt. Wir werden ein Auge auf ihn haben. Tipp: 0:0.

SV Werder Bremen - TSG Hoffenheim: Der junge, neue Trainer des SV Werder weiß, worum es beim Drittletzten der Tabelle geht - und worum nicht. Das entnehmen wir der "Kreiszeitung Syke": "Jetzt geht es nicht um Florian-Kohfeldt-Fußball, jetzt geht es um Ergebnisse, nur um Ergebnisse. Und damit geht es am Samstag los." Tipp: 1:2.

VfB Stuttgart - Hertha BSC (alle Samstag, 15.30 Uhr): Beim VfB konzentriert sich viel, wenn nicht gar alles auf Mario Gomez. Der Nationalspieler hat in der Winterpause den VfL Wolfsburg verlassen und wird erstmals seit dem 23. Mai 2009 wieder für die Stuttgarter in der Bundesliga auflaufen. Es sei "ein wahnsinnig gutes Gefühl, wieder hier zu sein", sagte der Angreifer, der es in Joachim Löws Kader für die WM in Russland schaffen will. Und ankündigt: "Ich bin noch nicht fertig, ich kann auch noch ein bisschen." Schön für ihn. Tipp: 3:0, Hattrick Gomez.

RB Leipzig - FC Schalke 04 (Samstag, 18.30 Uhr): Nationalspieler Timo Werner wird nach seiner Grippe wohl nicht in der Startelf der Rasenballsportler stehen. "Vielleicht bringe ich ihn im Laufe des Spiels", sagt Trainer Ralph Hasenhüttl. Die Leipziger warten seit fünf Partien auf einen Sieg. Die Schalker sind ihrerseits seit 13 Spielen unbesiegt. Tipp: 2:2.

Wer spielt das beste Phrasenschach?

"Der Beginn des Vergleichs ist das Ende des Glücks." Domenico Tedesco, Philosoph - und im Zweitberuf Trainer des FC Schalke 04. Er sollte vor der Partie in Leipzig die Qualität der Kader vergleichen.

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Quelle: n-tv.de