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Kill Switch seit 1. Juli Pflicht Neue Smartphones für Diebe uninteressant

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Für Langfinger lohnt sich der Smartphone-Diebstahl bei immer mehr Geräten nicht mehr.

(Foto: kwe)

Seit dem 1. Juli ist in Kalifornien das "Kill-Switch-Gesetz" in Kraft, das Langfingern die Lust am Smartphone-Klau vermiesen soll. Auch deutsche Kunden profitieren von der Vorschrift, wenn sie ein Gerät kaufen, das die US-Bedingungen erfüllt.

Fast jeder kennt jemanden, dem schon mal ein Smartphone gestohlen wurde, viele wurden selbst bereits Opfer eines Langfingers. Kein Wunder, die Zahlen sind dramatisch: 2013 wurden laut einer für den Bundestag erstellten Polizeistatistik in Deutschland 236.500 Geräte gestohlen oder geraubt, 2012 waren es noch 166.274. Auf Anfrage von n-tv.de ermittelte das Bundeskriminalamt jetzt auch die jüngsten Zahlen: Im vergangenen Jahr erfasste die Polizei 196.286 entwendete Smartphones, in der ersten Hälfte dieses Jahres waren es 99.574. Der Trend ist also leicht rückläufig, künftig könnten die Zahlen aber noch weitaus kleiner ausfallen.

Grund dafür ist das kalifornische "Kill-Switch-Gesetz", das jetzt in Kraft getreten ist. Es schreibt vor, dass alle Smartphones, die ab dem 1. Juli 2015 hergestellt und in dem US-Bundesstaat verkauft werden, ab Werk über eine Funktion verfügen müssen, die das Gerät für Diebe unbrauchbar macht. Dazu gehört auch, dass Unbefugte keine Möglichkeit haben, das Handy erneut zu aktivieren. Für Langfinger sind die Geräte dann praktisch wertlos, da sie diese weder selbst nutzen noch weiterverkaufen können. Die sogenannte Reaktivierungssperre ist der Knackpunkt des Gesetzes. Ortungs- und Fernlöschfunktionen bieten Samsung und andere Hersteller schon länger an, doch so können Nutzer nur ihre persönlichen Daten schützen. Ein Dieb ist aber immer noch in der Lage, das Smartphone relativ unkompliziert auf die Werkseinstellungen zurückzusetzen oder eine neue Firmware zu installieren.

Deutlich weniger iPhone-Diebstähle

Wie effektiv eine Reaktivierungssperre sein kann, zeigen Statistiken zu iPhone-Diebstählen, die "Reuters" im Februar veröffentlichte. Nachdem Apple die Funktion mit iOS 7 im September 2013 einführte, wurden in New York 25 Prozent weniger iPhones geklaut, in San Francisco 40 Prozent. In London halbierte sich die Zahl der gestohlenen Apple-Smartphones sogar. Gleichzeitig steht in einem gemeinsamen Bericht der drei Städte, dass bis Ende Mai 2014 die Zahl der Diebstähle von Samsung-Smartphones um 51 Prozent zunahm. Samsung führte zwar mit dem Galaxy Note 3 bereits im Oktober 2013 eine Reaktivierungssperre bei seinen Top-Modellen ein, ältere und günstigere Smartphones der Südkoreaner bieten diese Schutzfunktion aber bisher nicht. Die 2014 im Vergleich zum Vorjahr deutlich gesunkenen Zahlen deuten darauf hin, dass es in Deutschland ebenfalls einen "iOS-7-Effekt" gibt, Belege dafür gibt es aber noch nicht.

Das "Kill-Switch-Gesetz" dürfte dazu führen, dass künftig alle weiter verbreiteten Smartphones für Diebe uninteressant werden. Denn die Hersteller werden kaum Geräte und Software speziell für Kalifornien entwickeln. Außerdem sind bereits in Illinois und New York ähnliche Gesetze auf den Weg gebracht worden, ein Bundesgesetz ist in Vorbereitung. Nachdem sich die Branchengrößen zunächst gegen ein Gesetz gestellt hatten, gaben sie angesichts des politischen Drucks klein bei und unterzeichneten eine Vereinbarung zur "freiwilligen" Einführung von Anti-Diebstahl-Lösungen.

Apples iPhones können nicht ohne die Apple-ID des rechtmäßigen Besitzers zurückgesetzt und neu aktiviert werden, wenn auf dem Gerät in den iCloud-Einstellungen "Mein iPhone suchen" aktiviert ist. Die Lösungen anderer Hersteller funktionieren ähnlich. Bei Samsungs neueren Flaggschiffen ist die Sperre in "Find My Mobile" integriert. Nutzer benötigen ein Samsung-Konto und können dann in den Einstellungen unter "Sicherheit" den "Fernzugriff" aktivieren, nachdem sie bei "Drahtlosnetze verwenden" ein Häkchen gesetzt haben.

Neue Betriebssysteme bringen Kill Switch

Ansonsten findet sich bisher aber noch auf sehr wenigen Smartphones Reaktivierungssperren. Das liegt unter anderem daran, dass die Funktion hauptsächlich mit neuen Betriebssystemversionen eingeführt wird. Google hat die Sperrfunktion in Android 5.1 eingebaut. Allerdings funktioniert sie nach einem Update nur auf Geräten, die bereits mit Android 5.0 ausgeliefert wurden. Dann ist das Gerät mit eingerichtetem Google-Konto und aktivierter Displaysperre (PIN) kaum noch zu knacken.

Den meisten Nutzern von Windows-Phone-Smartphones steht noch keine Reaktivierungssperre zur Verfügung. Besitzer von Lumia-Geräten erhalten die "Reset Protection" entweder mit einem Update oder spätestens im Herbst, wenn Microsoft auch für Smartphones anderer Hersteller Windows 10 Mobile veröffentlicht. Voraussetzung: Es muss bereits Windows Phone 8.1 installiert sein.

Blackberry ergänzt seinen Schutzdienst "Protect" mit der kommenden Firmware-Version OS 10.3.2. Dann können die Smartphones laut "Crackberry"-Forum nicht mehr ohne Blackberry-ID reaktiviert werden. Außerdem wird es nicht mehr möglich sein, ein älteres Betriebssystem ohne Kill-Switch-Funktion zu installieren.

Quelle: n-tv.de

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