Marktberichte

Nasdaq über 6000, Euro über 1,09 Dax zündet nur ein Kursraketchen

Auf den ersten Blick ist beim Dax heute nicht viel los. Die Handelsspanne ist gering, entspricht rund einem Zehntel des Aufschlags vom Wochenbeginn. Dennoch ist dieses Innehalten positiv zu werten, wie Marktexperten sagen.

Verschnaufen, Kräfte sammeln und Luft holen: Damit lässt sich die Situation am deutschen Aktienmarkt am Dienstag am besten beschreiben. Nach dem 406-Punkte-Satz zum Wochenstart ist das nur allzu nachvollziehbar. Für den n-tv-Börsenexperten Frank Meyer zeigt diese relativ stabile Situation auch: "Der Dax will weiter nach oben, charttechnisch ist noch Luft." Einer der "Bremsfaktoren" war für Meyers Kollegin Katja Dofel der "starke Euro". Der positive Handel an der Wall Street konnte indes am Nachmittag keinen neuen Schwung verleihen.

Der Dax schloss am Ende 0,1 Prozent im Plus bei 12.467 Punkten. Das Tageshoch und damit der neue Verlaufsrekord beträgt 12.483 Zähler. Am Montag hatte er bei 12.455 Zählern mit einem neuen Allzeithoch geschlossen und damit den zwei Jahre alten Rekord um rund 60 Stellen übertroffen. Der MDax verabschiedete sich 0,1 Prozent höher mit 24.616 Punkten. Der TecDax bewegte sich 0,1 Prozent aufwärts auf 2066 Zähler.

"Die Hoffnung auf ein positives Ende der Wahlen in Frankreich könnte das 'hallo wach' für eine vorgezogene Sommerrally des Dax sein", kommentierte Daniel Saurenz von Feingold Research. "Deutsche Aktien sind historisch zwar nicht günstig, doch die Zinsen noch immer bei null und vor allem die amerikanische Konkurrenz teuer bewertet", erläuterte er.

Konjunktur: Macron, Trump, Berichte

Nachdem zum Wochenstärt der Sieg Emmanuel Macrons bei der ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahlen viel Druck und Verunsicherung aus dem Markt genommen hatte, weil die Börsianer nun mit einem Triumph des Parteilosen auch bei der Stichwahl am 7. Mai gegen die Rechtspopulistin Marine Le Pen rechnen, wanderte das Augenmerk nun wieder in Richtung USA.

Dort hat US-Präsident Trump für Mittwoch die Vorstellung seiner "phänomenalen" Steuerreform angekündigt. Im Vorfeld hieß es von Insidern dazu, dass vor allem die Unternehmenssteuern drastische zurückgefahren werden sollen.

Devisen: Euro über 1,09

Der Euro zog im Handelsverlauf immer stärker an. Die europäische Gemeinschaftswährung kostete am Abend 1,0921 Dollar und damit 0,5 Prozent mehr als noch am Montagabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs am Nachmittag auf 1,0891 Dollar fest nach 1,0848 Dollar am Montag.

Der Euro verteidigte damit seine jüngsten Kursgewinne. Nach dem Sieg des proeuropäischen Kandidaten Macron in der ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahl am Sonntag hatte der Euro einen Sprung nach oben und über die 1,09er Marke gemacht. Jetzt rücke die zweite Runde der Präsidentschaftswahlen in den Fokus, sagten Händler. Noch hat Macron laut Umfragen einen großen Vorsprung vor seiner Konkurrentin Le Pen.

Dax: SAP liefert (nicht ganz)

Neben der politischen Gemengelage kommt hierzulande auch die Saison der Quartalsberichte in Schwung. So hatten etwa Oracle-Konkurrent SAP und die Bayer-Tochter Covestro ihre Bücher geöffnet: SAP kletterten 0,4 Prozent und markierten zwischenzeitlich ein neues Allzeithoch. Die Zahlen des Unternehmens wurden vom Handel als gut bis gemischt bewertet. "Vor allem das Lizenzwachstum zeigt weiter eine klare Outperformance gegenüber Oracle", sagte ein Händler. Hier ging es gegenüber dem Vorjahr um 13 Prozent nach oben. Auch das Cloud-Geschäft habe mit 12 Prozent Umsatzplus überzeugt, stark sei hier die deutliche Zunahme im Abo-Geschäft. Was nicht gefalle, sei dagegen der operative Gewinn, ergänzte ein anderer Marktteilnehmer.

Merck verteuerten sich rund 2,5 Prozent. Die Darmstädter verkaufen eine auf Krebs- und Autoimmunerkrankungen spezialisierte Einheit für 670 Millionen Euro an die Fresenius-Tochter Kabi. Zudem übernimmt Fresenius Kabi den US-Arzneimittelhersteller Akorn für 4,3 Milliarden Dollar. Fresenius gaben etwa 1,5 Prozent ab.

Mit Enttäuschung wurde am Markt aufgenommen, dass Continental an der Sparte Powertrain festhält. Continental-Aktien büßten fast 3 Prozent ein.

Deutsche Telekom verbesserten sich indes 0,5 Prozent. Die US-Tochter hatte überzeugende Zahlen abgeliefert. T-Mobile US ist im hart umkämpften US-amerikanischen Markt mittlerweile die Nummer drei und etwa 55 Milliarden Dollar wert. Im Raum steht auch eine Übernahme des Konkurrenten Sprint.

MDax: Covestro "exzellent"?

Covestro verloren etwa mehr als 1 Prozent. Die Bayer-Tochter hatte für DZ-Bank-Analyst Peter Spengler exzellente Zahlen für das 1. Quartal geliefert. So fiel das EBITDA deutlich oberhalb seiner Schätzung aus. Positiv stellte der Analyst zudem das Umsatzplus im Kerngeschäft heraus. Den 2017er Ausblick für den freien operativen Cashflow und den Return on Capital Employed (ROCE) habe das Unternehmen nach dem guten Start in das Jahr angehoben.

TecDax: Aixtron ziehen an

Aixtron stiegen rund 11 Prozent. Das Unternehmen hatte im ersten Quartal mehr Aufträge hereingeholt und mehr umgesetzt als im Vorjahr und die Verluste eingegrenzt.

Pfeiffer Vacuum zeigten sich 0,3 Prozent fester. Indes schaukelt sich der Streit mit dem Großaktionär Busch weiter hoch. Busch, ein Hersteller von Vakuumpumpen, hält 29,98 Prozent an Pfeiffer und hat ein Übernahmeangebot für den Konzern vorgelegt. Obwohl das Ursprungsangebot bereits nachgebessert wurde, lehnte der Vorstand von Pfeiffer Vacuum die Offerte weiter ab.

Europa: Abgasskandal bei PSA?

Bei Novartis war der Gewinn im ersten Quartal weniger stark zurückgegangen als erwartet. Der Kurs des Pharmakonzerns verbesserte sich rund 2 Prozent.

Peugeot verbilligten sich etwas mehr als 1 Prozent. Im Dieselabgasskandal hatte die französische Justiz ihre Ermittlungen jetzt auch gegen PSA Peugeot Citroen ausgeweitet.

Ericsson gaben etwa 2 Prozent nach. Die Schweden mussten im ersten Quartal erneut milliardenschwere Abschreibungen vornehmen.

Der Nettogewinne von Volvo hatte im ersten Quartal die Konsensprognose um ein Drittel übertroffen. Das trieb den Aktienkurs fast 10 Prozent in die Höhe.

USA: Nasdaq knackt die 6000

Besser als erwartet ausgefallene Quartalszahlen von Schwergewichten wie McDonald's und Caterpillar trieben die US-Börsen an - und die Nasdaq erstmals über die Marke von 6000 Punkten. Anleger würden zudem die für Mittwoch angekündigten Pläne von US-Präsident Trump zu einer großen Steuerreform positiv sehen, sagten Händler.

Die US-Börsen haben Gewinne verzeichnet. Der Dow-Jones-Index schloss mit einem Plus von 1,12 Prozent auf 20.996 Punkten. Der S&P-500 gewann 0,6 Prozent auf 2388 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq ging mit plus 0,7 Prozent bei 6025 Stellen aus dem Handel.

Von guten Geschäftszahlen sprachen Marktteilnehmer mit Blick auf Caterpillar. Die Aktie führte mit einem satten Aufschlag von 7,9 Prozent den Dow an. Händler strichen vor allem die sehr positive Umsatzentwicklung heraus. Der Baumaschinenriese hat denn auch die Umsatzschätzung für das Gesamtjahr stark nach oben genommen und liegt nun auch oberhalb der bisherigen Analystenschätzungen. Am Markt räumt man den Zahlen des Zyklikers Signalwirkung ein.

Der Chemiekonzern Dupont hat im ersten Quartal 2017 dank einer starken Nachfrage nach Saatgut operativ mehr verdient als erwartet und sieht seine Fusion mit Dow Chemical im Zeitplan. Der Kurs zog um 3,6 Prozent an. "Vor der Fusion mit Dow Chemical noch einmal gute Zahlen, das ist für die Branchenstimmung günstig", sagte ein Händler.

Coca-Cola bricht der Gewinn weg

Mit McDonald's überzeugte ein dritter Dow-Wert: Die Titel legten um 5,6 Prozent zu. Die Schnellrestaurantkette schlug die Vorhersagen bei Umsatz und Gewinn. Das Unternehmen hat im ersten Quartal mehr Kunden als im Vorjahr in seine Restaurants gelockt. Ein Grund war das im vergangenen Jahr in den USA eingeführte ganztägige Frühstücksangebot.

Der Getränkekonzern Coca-Cola hat dagegen als Folge der laufenden Restrukturierungsmaßnahmen einen deutlichen Gewinn- und Umsatzrückgang verbucht. Der Titel büßte 0,4 Prozent ein. Nach Geschäftsausweis ging es für die Papiere des Mischkonzerns 3M um 0,5 Prozent nach oben. Händler attestierten Geschäftszahlen oberhalb der Marktprognosen und lobten den erhöhten Unternehmensausblick.

Der Aluminiumkonzern Alcoa ist im ersten Quartal in die Gewinnzone zurückgekehrt und hat seine Jahresziele bekräftigt. Für die Aktie ging es um 9,6 Prozent nach oben. Auch die Geschäftszahlen von T-Mobile US kamen gut an, die Tochter der Deutschen Telekom hat im ersten Quartal Umsatz und Gewinn gesteigert. Die Aktie gewann 2,2 Prozent.

Rohstoffe: Ölpreis hält sich

Beim Ölpreis kam es nach dem jüngsten Preisrutsch zu einer Erholung, gestützt auch vom schwächeren Dollar. Seit dem Hoch am 11. April hat der WTI-Preis rund 8 Prozent nachgegeben. Am Dienstag legte US-Leichtöl im späten Geschäft um 1 Prozent zu auf 49,75 Dollar, Brentöl rückte noch etwas stärker vor. Der Markt bleibe zwar geprägt von der Furcht vor Überversorgung, doch hofften Teilnehmer auf sinkende Lagerbestände in Amerika, sagten Händler.

Asien: Nordkorea belastet

Mit den positiven Vorgaben aus Übersee ging es am Dienstag an den ostasiatischen Börsen aufwärts. Die Gewinne fielen aber kleiner aus als in den USA und Europa zuvor.  In Asien wurde die Kauflaune etwas gedämpft durch die Angst vor einer Eskalation des Konflikts mit Nordkorea. Am heutigen Dienstag jährt sich die Gründung der nordkoreanischen Armee zum 85. Mal. Beobachter fürchten, dass dieser Jahrestag mit dem Test einer Atombombe "gefeiert" werden könnte.

Im südkoreanischen Seoul legten die Kurse dennoch zu, der Kospi stieg leicht. Nach der Amtsenthebung von Präsidentin Park Geun-hye war das Verbrauchervertrauen in Südkorea auf den höchsten Stand seit fast vier Jahren gestiegen.

Der Tokioter Nikkei-Index schloss 1,1 Prozent höher bei 19.079 Punkten. Japanische Aktien profitierten erneut davon, dass der Yen zum Dollar wieder nachgegeben hatte. Auch an den chinesischen Aktienmärkten, die in den vergangenen Tagen unter der Angst vor einer strengeren Regulierung des Börsenhandels gelitten hatten, ging es nun nach oben. Der HSI stieg dabei deutlicher als der Shanghai Composite.

Quelle: n-tv.de, bad/DJ/rts/dpa

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