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"Es gibt keinen Anlass zur Panik" Am Wolf scheiden sich die Geister

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Viele Menschen fürchten sich vor einer Begegnung mit dem Wolf in der Natur.

(Foto: dpa)

Viele Menschen fremdeln noch mit dem neuen Mitbewohner. Befürworter beschwören immer wieder "Sachlichkeit". Wird es gelingen, Mensch und Wolf gleichermaßen gerecht zu werden?

Irgendwo da draußen ist er unterwegs - der Wolf. Oder besser gesagt: die Wölfe. Seit Anfang der 90er-Jahre kommen sie zurück nach Deutschland. Einige Hundert sind es schon, und es werden immer mehr. Die Frage ist nur: Ist das gut oder schlecht? Der Graben zwischen Naturschützern und Wolfsgegnern ist tief.

Der Naturschutzbund Nabu - ein Befürworter des Wolfes in Deutschland - hat deshalb zu einer Konferenz in Wolfsburg geladen. Unter dem Motto "Mensch, Wolf!" diskutieren seit dem heutigen Donnerstag Politiker, Wissenschaftler und Vertreter von Verbänden über das Zusammenleben von Mensch und Tier. Dabei wird klar: Politisch wird die Erholung der Wolfsbestände in Europa und in Deutschland begrüßt.

Bundesweit 350 Tiere

Derzeit leben laut Nabu 31 Wolfsrudel und 4 Wolfspaare in Deutschland. Ein Rudel besteht aus zwei erwachsenen Tieren und in der Regel aus zwei bis zehn Jungwölfen. Die Wölfe kommen hauptsächlich in Sachsen und Südbrandenburg vor. Auch in Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern gibt es einige Rudel. Nach Angaben der Landesjägerschaft Niedersachsen wird der bundesweite Bestand derzeit auf rund 350 Tiere geschätzt.

EU-Umweltkommissar Karmenu Vella, der sich per Videobotschaft äußert, nennt die Rückkehr des Wolfes dabei eine große Herausforderung. Es sei "eine sehr anspruchsvolle Aufgabe", das Tier wieder in den dicht besiedelten Regionen der Europäischen Union anzusiedeln. Mehr Forschung sei nötig, beispielsweise über das Verhalten der Tiere, ihre Verbreitung und das Risiko, das von ihnen ausgeht.

Schutz des Menschen vorrangig

Elsa Nickel, die für den wegen der VW-Krise verhinderten Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Jochen Flasbarth, einsprang, sprach sich für eine Versachlichung der Debatte aus. "Es gibt keinen Anlass zur Panik." Zutrauliche Wölfe, die jüngst immer wieder für Schlagzeilen gesorgt hatten, entsprächen nicht der Norm. Außerdem könnten auffällige Wölfe notfalls per Ausnahmegenehmigung erschossen werden. "Denn der Schutz des Menschen muss immer Vorrang vor dem Artenschutz haben."

Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel sagte, es sei sehr spannend, welche Rolle die großen Raubtiere wie der Wolf für die Ökosysteme spielten. Trotz des Wunsches nach "Sachlichkeit" wird die Debatte um den Wolf über weite Strecken auch hitzig geführt.

Entschädigung für gerissenes Vieh

Einerseits freuen sich Tierschützer und viele Menschen über die Wölfe, die mehr als 150 Jahre nach ihrer Ausrottung wieder in Deutschland leben. Der Nabu hatte mehr als 2000 Menschen in den Bundesländern mit Wolfsbestand zu dem Thema befragen lassen. Ergebnis: Rund 80 Prozent finden es erfreulich, dass der Wolf wieder in der Landschaft anzutreffen ist. Nur 17 Prozent können dieser Tatsache nichts Positives abgewinnen.

Andererseits fürchten sich viele Menschen vor dem Wolf. Sie wollen nicht Gefahr laufen, das Raubtier im Wald zu treffen. In den vergangenen Monaten war es vermehrt zu Begegnungen mit dem Tier gekommen. So hatten Bewohner der Region um Munster immer wieder von Annäherungen bis auf wenige Meter berichtet. Gleichzeitig melden Schäfer und Landwirte gerissenes Vieh. Sie fordern von den Behörden, ihnen den Schaden schnell und unkompliziert zu ersetzen. Zudem wollen sie finanzielle Unterstützung für Schutzmaßnahmen wie Zäune. Einzelne Tierhalter fordern sogar die Tiere zu jagen.

Von der Mensch-Wolf-Beziehung hänge die Zukunft des Tieres in Deutschland ab, sagte Nabu-Präsident Olaf Tschimpke. Und zeigte Dialogbereitschaft nach allen Seiten: "Es gibt auch sehr intensiv Betroffene. Auch die muss man ernst nehmen."

Quelle: n-tv.de, Valentin Frimmer, dpa

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