Wissen

"Wir haben keine Panik" Ammoniak-Alarm auf der ISS

Die Internationale Raumstation (ISS) in der Erdumlaufbahn. Foto: Nasa/Archiv

Rund 400 Kilometer über der Erde: die ISS:

(Foto: dpa)

Eilig müssen zwei US-Astronauten ihren Forschungsbereich verlassen. Hochgiftiger Ammoniak könnte ausgetreten sein. Die Luke wird geschlossen, die Untersuchung läuft. Entweicht Ammoniak, ist das nicht weniger gefährlich als ein Feuer. Doch gibt es wirklich ein Leck?

Nach einem Ammoniak-Alarm auf der Internationalen Raumstation ISS ist das amerikanische Segment evakuiert worden. Der Druck im Kühlsystem dieses Segments sei plötzlich sehr stark gefallen, teilte die Flugleitzentrale bei Moskau mit. Als möglicher Grund wurde der Austritt von Ammoniak vermutet. Die US-Astronauten Barry Wilmore und Terry Virts hätten sich zur Sicherheit eilig in den russischen Teil der Raumstation begeben.

Ammoniak ist hochgiftig und dient unter anderem zur Kühlung des Stromkreislaufs auf dem Außenposten der Menschheit rund 400 Kilometer über der Erde. Derzeit arbeiten drei Russen, zwei US-Amerikaner und eine Italienerin auf der Raumstation. Austritt von Ammoniak gilt neben einem Brand als größte Gefahr für die ISS.

"Genug Sauerstoff und Lebensmittel"

Der Nasa zufolge ist es noch unklar, ob tatsächlich Ammoniak ausgetreten ist. Sicherheit gehe allerdings vor. Möglich wäre auch, dass es sich um eine Kombination mehrerer Sensor-Probleme handelt. Die Nasa kündigte eine umfangreiche Prüfung aller Systeme an. Die ISS-Crew meldete sich unterdessen per Funk mit den Worten: "Wir haben keine Panik."

Der Raumfahrtbehörde Roskosmos in Moskau zufolge werden die beiden US-Astronauten vermutlich bis Donnerstag im russischen Segment bleiben. "Es gibt dort genug Sauerstoff und Lebensmittel", sagte Roskosmos-Chef Oleg Ostapenko. "Gegenwärtig ist das amerikanische Segment der ISS isoliert, die Mannschaft ist in Sicherheit und befindet sich im russischen Segment", betonte er. "Die Luke zum US-Segment ist geschlossen, nun läuft die Untersuchung", sagte Frank De Winne von der Europäischen Raumfahrtagentur Esa. Man nehme den Zwischenfall sehr ernst. Bereits im Mai 2013 war ein Leck im Kühlsystem der ISS aufgetreten. Damals mussten zwei US-Astronauten ins All aussteigen, um das Loch bei einem Außeneinsatz abzudichten.

"Das wird im Training geübt"

Alexander Gerst, deutscher Astronaut und im November 2014 von einem sechsmonatigen ISS-Aufenthalt zurückgekehrt, hofft, dass die Situation auf der Internationalen Raumstation nicht zu größeren Schwierigkeiten führt. Die Mannschaft sei auf solche Fälle vorbereitet. "Das wird im Training geübt", sagte Gerst. "Die Hälfte des Trainings ist Notfalltraining."

Es gebe drei große Gefahren, auf die sich Astronauten für ihre Zeit in der ISS vorbereiten müssten: Feuer, Druckabfall und Ammoniakaustritt. An seiner Mission "BlueDot" hatte Gerst via Twitter alle Interessierten teilhaben lassen. Am Dienstag überreichte ihm Bundespräsident Joachim Gauck das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse.

Quelle: n-tv.de, asc/ghö/dpa/rts

Mehr zum Thema