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Je nördlicher, desto blasser Äquatornähe sorgt bei Vögeln für Farbenpracht

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Farbenfrohe Vögel aus der Familie der Tangaren; sie gehören zu den Sperlingsvögeln.

(Foto: University of Sheffield/NHM Tring/dpa)

Knalliges Rot und Gelb, schillerndes Grün und Blau: Gegen das farbenprächtige Gefieder tropischer Vögel verblassen die Arten der nördlichen Breiten geradezu. Den Zusammenhang können Forscher nach einer Untersuchung tausender Vogelarten nun belegen - sie haben auch Erklärungen, woran das liegen könnte.

Vögel, die in den tropischen Regionen der Welt und in der Nähe des Äquators leben, sind farbenprächtiger als ihre Verwandten aus den gemäßigten Zonen höherer Breiten. Das ergab eine Analyse des Gefieders von mehr als 4500 Vogelarten, über die britische und ungarische Wissenschaftler im Fachblatt "Nature Ecology & Evolution" berichten. Die Untersuchung bestätigt die seit Langem vertretene Theorie, der zufolge Tiere am Äquator am farbenreichsten sind und mit zunehmendem Breitengrad an Farbigkeit verlieren.

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Nahaufnahme des Gefieders eines Purpurglanzstars (Lamprotornis purpureus): Bei der Farbenpracht kommen Naturforscher ins Schwärmen.

(Foto: University of Sheffield/NHM Trin/dpa)

Schon Naturforscher wie Alexander von Humboldt, Charles Darwin oder Alfred Russel Wallace schwärmten nach ihren Reisen von der reichen Farbenpracht der tropischen Flora und Fauna im Vergleich zu Arten in den nördlichen Breitengraden. "Je näher dagegen den Tropen, desto mehr nimmt Mannigfaltigkeit der Bildungen, Anmuth der Form und des Farbengemisches, ewige Jugend und Kraft des organischen Lebens zu", schrieb etwa von Humboldt in "Ansichten der Natur".

Breitengradient für Farbigkeit

Das Team um den Biologen Christopher Cooney von der University of Sheffield (Großbritannien) untersuchte nun, ob sich ein Breitengradient für Farbigkeit auch belegen lässt. Bisherige Studien hätten häufig nur kleinere geografische Regionen umfasst oder basierten auf eher subjektiven Einschätzungen. Die Forschenden erstellten einen Datensatz an Fotos von mehr als 4500 männlichen und weiblichen Sperlingsvögeln (Passeriformes), die aus Museumssammlungen stammten: Die Sperlingsvögel bilden die größte Ordnung in der Klasse der Vögel und machen etwa 60 Prozent der über 10.000 Vogelarten weltweit aus.

Die Biologen fotografierten jedes der Exemplare aus drei Winkeln und werteten dann mithilfe von Rechenprogrammen die Farbe der Fotopixel aus. Konkret identifizierten sie bei jedem Vogel die Rot-, Grün-, Blau- und Ultraviolett-Werte des Gefieders an 1500 einzelnen Punkten. Schließlich bestimmten sie die Gesamtzahl der "Farborte" pro Exemplar als Maßstab für die Farbigkeit. Ein männlicher Haussperling (Passer domesticus) mit seinem einfachen braunen und grauen Gefieder wies folglich eine niedrigere Farbortbewertung auf als etwa ein Paradiestangar (Tangara chilensis), dessen Federkleid apfelgrün, schwarz, dunkelrot, goldgelb, violett und türkisblau schillert.

Warum größere Farbvielfalt?

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Im Regenwald könnte es für die Kommunikation wichtig sein, dass das Federkleid besonders auffällig ist, so die Forscher.

(Foto: University of Sheffield/NHM Tring/dpa)

Wie die Wissenschaftler feststellten, ist die Anzahl der Farborte bei Vögeln, die am Äquator leben, am höchsten und nimmt mit dem Breitengrad ab. Dabei war die Farbvielfalt bei Vögeln, die geschlossene Waldhabitate bewohnten, höher als bei Arten, die etwa in offenen Graslandschaften lebten. In dichten Wäldern oder bunten Regenwäldern könnte es mit Blick auf die visuelle Kommunikation wichtig sein, dass das Federkleid besonders auffällig ist, so die Vermutung der Autoren.

Aus dem gleichen Grund könnten kleinere Arten farbenprächtiger sein als ihre größeren Verwandten, wie eine weitere Beobachtung der Forschenden nahelegt. Arten, die Früchte und Blütennektar verzehrten, hatten ein besonders farbenreiches Gefieder, was auf farbbildende Verbindungen in der Nahrung schließen lasse.

"Noch nie dagewesene", "überzeugende" Beschreibung

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Für den Zoologen José Alexandre Diniz-Filho, Professor für Ökologie und Evolution an der brasilianischen "Universidade Federal de Goiás", stellt die Studie eine "noch nie dagewesene" und "überzeugende" Beschreibung geografischer Farbigkeitsmuster auf globaler Ebene dar. In einem begleitenden Kommentar schreibt er: "Die Arbeit fügt sich gut in das derzeitige Wissen über den Kontrast zwischen der Vielfalt in den Tropen und den gemäßigten Breiten ein und eröffnet zudem einen neuen und breiten Forschungsweg mit mindestens zwei Fronten." So werde es zum einen nötig sein, den Datensatz zu erweitern und die neue Methode zur Messung der Farbigkeit auf andere Organismen zu übertragen.

"Zweitens müssen die ökologischen und evolutionären Mechanismen, die möglicherweise die Farbigkeit in dieser und anderen taxonomischen Gruppen antreiben, noch besser bewertet werden, was dazu beitragen kann, alternative Erklärungen zu entschlüsseln." Insgesamt sei die Studie ein Schritt hin zu einem besseren Verständnis der geografischen Diversitätsmuster, so Diniz-Filho. Die Berücksichtigung neuer Maßstäbe wie eben der Farbigkeit könne helfen, "die Art und Weise zu verbessern, wie wir das Leben auf unserem Planeten sehen".

Quelle: ntv.de, Alice Lanzke, dpa

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