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Tödlicher als Darm- und Brustkrebs Ärzte warnen vor Anstieg der Sepsis-Rate

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Bei einer Blutvergiftung gelangen Keime über die Blutbahn in lebenswichtige Organe.

(Foto: imago/Science Photo Library)

Jedes Jahr erkranken mehr Menschen in Deutschland an einer Sepsis: Fast jeder Vierte stirbt an den Folgen einer Blutvergiftung. Dabei ließen sich viele Todesfälle durch bessere Hygiene und Impfstoffe vermeiden. Ärzte fordern deshalb mehr Aufklärung.

Ärzte haben vor einem weiteren Anstieg bei Sepsis-Erkrankungen - auch Blutvergiftung genannt - gewarnt. In den Industrienationen sei die Sepsis-Rate während der vergangenen Jahre stetig gestiegen, sagte der Vorsitzende der Globalen Sepsis Allianz, Konrad Reinhart, in Jena. "Inzwischen sterben dort mehr Menschen an einer Sepsis als an Darm- und Brustkrebs zusammen." Die Experten fordern mehr Aufklärung in Hygiene-Fragen, Impfprogramme für Risikopatienten - etwa gegen Grippe und Pneumokokken - sowie eine bessere Schulung von medizinischem Personal, um eine Sepsis früh erkennen und richtig behandeln zu können.

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In einem Labor am Universitätsklinikum Jena wird eine Blutprobe für einen Gerinnungstest vorbereitet.

(Foto: picture alliance / dpa)

Zudem müssten bis 2020 in allen Ländern Sepsis-Register eingerichtet werden, die Grundlage für ein internationales Register seien. So könnten die Erkrankungen und Todesfälle besser dokumentiert und der Erfolg einzelner Maßnahmen genauer untersucht werden. Ziel sei es, die Diagnose und Behandlung von Sepsis deutlich zu verbessern. Eine entsprechende Vorlage will Deutschland gemeinsam mit anderen europäischen Staaten 2017 in die Vollversammlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) einbringen.

Allein in der Bundesrepublik hat sich die Zahl der Sepsis-Erkrankungen laut Reinhart in den vergangenen Jahren im Schnitt um 5,7 Prozent erhöht. Demnach erlitten 2013 - aktuellere Zahlen liegen den Angaben nach nicht vor - etwa 279.500 Menschen hierzulande eine Sepsis; fast jeder vierte Patient starb. Der Anstieg wird auch auf die höhere Lebenserwartung zurückgeführt.

Eine der häufigsten Todesursachen

In ärmeren Ländern tragen demnach Unterernährung, mangelnde Hygiene, fehlende Impfungen sowie Wissenslücken über die Behandlung zu hohen Todesraten bei. "Sepsis ist weltweit eine der häufigsten Todesursachen", so Reinhart. "Sie gehört zu den wenigen Erkrankungen, die gleichermaßen Menschen in Entwicklungsländern und in Industriestaaten heimsuchen." Mediziner gehen davon aus, dass für die meisten Todesfälle bei Infektionskrankheiten - wie etwa Lungenentzündung, Aids oder Malaria - eine Sepsis verantwortlich ist.

Bei einer Sepsis gerät eine Entzündung außer Kontrolle und die körpereigene Abwehr schädigt das eigene Gewebe. Erreger gelangen von einem Herd - zum Beispiel einer Wunde - aus in die Blutbahn. Der Blutstrom verschleppt die Keime in andere Organe, wo sie sich ansiedeln und neue Krankheitsherde bilden. Das kann zum Versagen lebenswichtiger Organe führen. Je früher eine Sepsis von Ärzten erkannt wird, desto besser sind die Überlebenschancen.

Quelle: ntv.de, jug/dpa