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Hüpfende Landebox an Bord Asteroiden-Sauger erreicht Ziel im All

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Die Sonde "Hayabusa 2" hat sich dem Asteroiden bis auf 20 Kilometer genähert. (Grafik)

(Foto: picture alliance/dpa)

Eine spektakuläre Mission im Weltraum steht vor dem Höhepunkt: Die japanische Sonde "Hayabusa 2" erreicht den Asteroiden Ryugu. Sie soll Gesteinsproben von dem uralten Brocken aufsaugen und zurück zur Erde bringen. Ein deutscher Roboter hat eine andere Aufgabe.

Wenn alles gut geht, wird bald eine Roboter-Box über einen Asteroiden hüpfen - und eine Sonde mit ihrem Rüssel an ihm saugen. Was sich skurril anhört, ist der geplante Ablauf der Mission der japanischen Raumsonde "Hayabusa 2" mit ihrem deutschen Lander "Mascot" an Bord.

Beide haben zusammen haben nun ihr Ziel im All erreicht: den rund 300 Millionen Kilometer von der Erde entfernten Asteroiden Ryugu. Die Sonde hat sich 20 Kilometer entfernt von ihm in Position gebracht, wie die japanische Raumfahrtagentur Jaxa bestätigt. "Wir waren alle sehr erleichtert", sagte Missionsleiter Makoto Yoshikawa. "Wir sind weit gekommen, aber ab nun geht es um den wirklichen Teil der Mission."

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Aufnahme des Asteroiden Ryugu: Entgegen der Annahmen ist er nicht rund, sondern hat die Form eines Rhombus.

(Foto: picture alliance/dpa)

"Hayabusa 2" soll den Asteroiden vermessen, Material von seiner Oberfläche aufsaugen und im Jahr 2020 zur Erde bringen. Der vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der französischen Raumfahrtagentur CNES entwickelte Lander "Mascot" wird dagegen auf Ryugu bleiben.

"4,5 Milliarden Jahre altes Material"

Asteroiden sind Gesteinsbrocken, die um die Sonne kreisen. Sie gelten als Überreste aus der Frühzeit unseres Sonnensystems. "Wir untersuchen mit der Mission ursprüngliches Material aus dem solaren Nebel, mehr als 4,5 Milliarden Jahre alt und kaum verändert", sagte DLR-Planetenforscher Ralf Jaumann zu der Mission.

Ryugu ist ein Paradebeispiel: Er ist besonders kohlenstoffhaltig und gehört damit zu einer häufig vorkommenden Klasse von erdnahen Asteroiden. Eine seiner Besonderheiten ist, dass er die Bahn der Erde kreuzt. Auch wenn er selbst der Erde wohl nie gefährlich werde, wäre es für zukünftige Abwehrmissionen hilfreich, wenn man mehr über diese Art der Asteroiden erfahren würde, heißt es.

Die jüngsten Bilder von "Hayabus 2" zeigen Ryugu aus einer Entfernung von noch 40 Kilometern. Die erste Überraschung: Der Asteroid ist rhombusförmig und nicht rund, wie bislang gedacht. Krater und Felsen seien zu sehen, schrieb Projektmanager Yuichi Tsuda. "Diese Form ist wissenschaftlich überraschend und stellt uns vor einige technische Herausforderungen." Man sei nun auf der Suche nach einem geeigneten Landeplatz für "Mascot".

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Nach ihrer Ankunft soll die japanische Sonde den Asteroiden zunächst vermessen. Der Lander "Mascot" (Mobile Asteroid Surface Scout) wird dann aus einer Höhe von 100 Metern im freien Fall auf den Asteroiden herabsinken und dort bleiben. Überwacht und betrieben wird das zehn Kilogramm schwere Gerät vom "Mascot Control Center" des DLR in Köln.

Probe über Australien abwerfen

Die Sonde selbst soll dem Himmelskörper später so nahe kommen, dass sie im dichten Überflug Material von seiner Oberfläche einsaugen kann. Im Jahr 2020 wird sie dann zurück zur Erde fliegen und soll dort Ende desselben Jahres über einer Wüste in Australien eine Kapsel mit den eingesammelten Proben des Asteroiden abwerfen.

Der Gesteinsbrocken Ryugu, der anfangs "1999 JU3" genannt wurde, hat einen Durchmesser von nur etwa 900 Metern und lediglich etwa ein 60.000stel der Erdanziehungskraft. Teleskopmessungen ließen vermuten, dass er Wasser enthält. Es besteht die Möglichkeit, dass Asteroiden einst mit Einschlägen auf der Erde auch Wasser auf unseren Planeten gebracht haben könnten.

Mit Hilfe seiner Sensoren wird sich "Mascot" auf Ryugu orientieren. Mit einem eingebauten Schwungarm kann er bis zu 70 Meter weit hüpfen und so erstmals an verschiedenen Orten auf einem Asteroiden Messungen vornehmen. Die vier Instrumente im Inneren des 30 mal 30 mal 20 Zentimeter großen Landers sollen unter anderem die mineralogische und geologische Zusammensetzung der Asteroidenoberfläche samt Temperatur untersuchen sowie das Magnetfeld ermitteln.

Landebox hat nur wenig Zeit

Wenn alles glatt verläuft, werden die Forscher insgesamt bis zu 16 Stunden lang Daten erhalten. Zugleich wird "Mascot" als Späher erkunden, wo die Sonde Material einsammeln soll. Ist die von der französischen Raumfahrtagentur CNES beigesteuerte Batterie des Landers erschöpft, ist die Mission des deutschen Geräts beendet.

Bereits 2010 hatte die Raumsonde "Hayabusa" (japanisch für Falke), Vorgängerin der "Hayabusa 2", weltweit erstmals Bodenproben eines Asteroiden zur Erde gebracht. Zuletzt hatte die Sonde "Rosetta"weltweit Aufsehen erregt, deren Mini-Labor "Philae" 2014 auf dem Kometen Tschuri (67P/Tschurjumow-Gerassimenko) gelandet war. 2016 startete die Nasa ihre Sonde "Osiris Rex", die in diesem August den Asteroiden Bennu erreichen soll.

Quelle: n-tv.de, kst/dpa

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