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Ein Stamm des Bakteriums Staphylococcus epidermidis produziert ein Molekül, das Krebszellen abtötet und die Entwicklung von Hauttumoren bei Mäusen hemmt.
Ein Stamm des Bakteriums Staphylococcus epidermidis produziert ein Molekül, das Krebszellen abtötet und die Entwicklung von Hauttumoren bei Mäusen hemmt.(Foto: UC San Diego Health/dpa)
Freitag, 02. März 2018

Wirkstoff tötet Krebszellen ab: Bakterium schützt vor Hautkrebs

Eine Studie deutet darauf hin, dass manche Hautbakterien Menschen vor Hautkrebs schützen können. Dahinter steckt demnach ein bestimmter Stoff, den die Mikroben bilden. Ist er zur Krebsvorsorge geeignet?

Hilft ein bei Menschen weit verbreitetes Hautbakterium möglicherweise beim Schutz vor Hautkrebs? US-Forscher haben im Tierversuch zumindest Hinweise dafür gefunden, dass ein bestimmter Stamm von Staphylococcus epidermis das Risiko für die Entstehung von Hauttumoren mindern und ihr Wachstum stoppen kann. Ein deutscher Experte meint, die in "Science Advances" veröffentlichte Studie lasse aber noch viele Fragen offen.

"Dieser besondere Stamm eines Hautbakteriums produziert einen Wirkstoff, der mehrere Typen von Krebszellen abtötet, aber für normale Zellen nicht giftig zu sein scheint", wird der Dermatologe und Ko-Autor Richard Gallo von der University of California in San Diego in einer Mitteilung zitiert.

Ausbreitung von Tumorzellen wird verhindert

Die Forscher untersuchten das Bakterium zunächst auf seine antimikrobielle Wirkung und fanden heraus, dass ein bestimmter Stamm Krankheitserreger besonders effektiv bekämpfte. Verantwortlich dafür war das Molekül 6-HAP, das dieser Stamm produziert. Auch die Ausbreitung von Tumorzellen scheint 6-HAP zu verhindern.

Dann starteten die Forscher Versuche an Mäusen: Tiere mit dem 6-HAP produzierenden Bakterienstamm auf der Haut entwickelten unter UV-Licht deutlich weniger Hauttumore als solche mit einem S. epidermis-Stamm, dem das Molekül fehlte. Außerdem bekamen Mäuse zwei Wochen lang regelmäßig alle 48 Stunden 6-HAP injiziert. Dies ließ vorhandene Tumore deutlich schrumpfen, beeinträchtigte gesunde Körperzellen aber offenbar nicht.

"Es gibt immer mehr Hinweise dafür, dass das Mikrobiom der Haut ein wichtiges Element für die menschliche Gesundheit ist", betont Gallo. Nun müssten weitere Studien zeigen, wie 6-HAP gebildet wird, ob es zur Krebsvorsorge geeignet ist und ob ein Mangel von 6-HAP das Krebsrisiko erhöht.

Viele offene Fragen

Dirk Schadendorf, Direktor der Dermatologie und des Westdeutschen Tumorzentrums an der Uniklinik Essen, hält die Studie durchaus für interessant. Mit Blick auf den Menschen sei sie aber kaum aussagekräftig - "sowohl was den protektiven Nutzen angeht als auch das therapeutische Potenzial".

Offene Fragen seien etwa: Wie lange muss das Bakterium an welcher Stelle sein? Wie sieht es mit verschiedenen Körperregionen aus, und zu verschiedenen Jahreszeiten? "Es ist ein unendlich langer Weg bis zur Anwendung in der Hautkrebstherapie", sagt Schadendorf.

Zudem seien auch andere Bestandteile von Bakterien bekannt, die Bakterien abtöten, aber in der Therapie nur eine untergeordnete Rolle spielten. "Therapeutisch gibt es eine Reihe anderer Optionen, deren Nutzen klar belegt ist", betont der Hautarzt. Dazu zählten etwa die Immuntherapie mit sogenannten Checkpoint-Inhibitoren gegen Melanome.

Quelle: n-tv.de