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Nicht nur gegen Falten im Gesicht Botox mindert negative Emotionen

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Botox kann viel mehr als Falten glätten.

(Foto: imago/fotoimedia)

Die ersten Ergebnisse machen Hoffnung: Das Nervengift Botox führt nicht nur dazu, dass Gesichtsmuskeln außer Kraft gesetzt werden. Es könnte auch das erste zugelassene Medikament bei Borderline-Störungen werden. Wissenschaftliche Untersuchungen laufen an.

Botox ist allgemein als Faltenglätter bekannt. Doch das stärkste Gift der Welt kann viel mehr. So ist es als Medikament für mehr als ein Dutzend Krankheitsbilder zugelassen, darunter Spastiken, neurologische Einschränkungen nach Schlaganfall sowie Schielen. Ein weiteres Krankheitsbild könnte hinzukommen. Wissenschaftler der Medizinischen Hochschule Hannover haben herausgefunden, dass Patienten mit einer Borderline-Störung von dem Gift profitieren können.

Borderline-Patienten haben extreme Stimmungsschwankungen und leiden an ausgeprägten negativen Emotionen. Sie leiden oft unter hochgradiger innerer Anspannung, weswegen sie sich selbst körperliche Schmerzen und Verletzungen zufügen. In Deutschland sind etwa fünf Prozent der Bevölkerung davon betroffen. Bisher kann Borderline-Patienten nur mit einer umfassenden Psychotherapie geholfen werden, auf die sie sich einlassen müssen. Doch das könnte mit Botox anders werden.

"Botox könnte das bisher einzige zugelassene Medikament gegen Persönlichkeitsstörungen werden. Es hat zudem den Vorteil, dass seine Wirkung monatelang anhält", erklärt Professor Tillmann Krüger von der Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie an der MHH. In einem ersten Schritt hatten die Forscher sechs Borderline-Patientinnen, deren Krankheitssymptome sich zuvor durch Psychotherapie, Antidepressiva und Antipsychotika nicht gebessert hatten, einmalig Botox in die mittlere untere Stirn gespritzt. Das hatte Erfolg, denn die Krankheitssymptome verbesserten sich deutlich.

Anwendung der Facial-Feedback-Hypothese

"Botox dämpft negative Emotionen und wirkt dadurch stabilisierend", erläutert Krüger. Es lähmt die Muskeln zwischen den Augenbrauen. In diesem Bereich des Gesichts werden negative Stimmungen wie Sorgen und Ängste ausgedrückt, was an den sogenannten Zornesfalten sichtbar wird. Botox verhindert, dass diese negativen Emotionen zum Ausdruck kommen. Das wiederum führt dazu, dass sich die Intensität der negativen Emotionen reduziert, denn der Gesichtsausdruck und das psychische Befinden sind eng verbunden. Mimik drückt einerseits Gefühle aus, wirkt aber andererseits auch auf die Stimmung zurück. Dieser Effekt wird in Fachkreisen als sogenannte Facial-Feedback-Hypothese bezeichnet.

"Botulinumtoxin hat, in niedriger Dosierung örtlich gespritzt kaum Nebenwirkungen", versichert Krüger. Es funktioniere auch bei jüngeren Personen ohne Gesichtsfalten. Die Forscher sind überzeugt, dass sich die Therapieerfolge auch auf andere Persönlichkeits- und Impulskontrollstörungen übertragen lassen. Um ihre ersten Ergebnisse wissenschaftlich zu überprüfen, haben sie nun eine klinische Studie initiiert, für die noch Frauen mit Borderline-Störung im Alter zwischen 18 und 40 Jahren gesucht werden. Es werden ausschließlich Probandinnen gesucht, weil mehr als 62 Prozent aller Borderline-Patienten weiblich sind.

Quelle: n-tv.de, jaz

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