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Kampf gegen Wasserverlust Bremsen "Schattenbälle" die Verdunstung?

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96 Millionen schwarze Plastikbälle bedecken das Wasserreservoir für Los Angeles in Sylmar.

(Foto: AP)

Fast 100 Millionen Plastikbälle wurden im Jahr 2015 als Abdeckung in einen Speicher in Kalifornien gekippt, um den Wasserverlust während der verheerenden Dürre zu bremsen. Hat es die erwünschte Wirkung?

Die Idee klang ungewöhnlich, aber irgendwie plausibel: Mit Millionen ins Wasser gekippten "Schattenbällen" wollten Experten im Jahr 2015 die Verdunstung in einem großen Wasserspeicher in Los Angeles bremsen. So sollte der anhaltenden Dürre etwas entgegengesetzt werden. Doch die vermeintlich schnelle technologische Lösung überzeugt Experten um Erfan Haghighi vom Massachusetts Institute of Technology nicht: Die Herstellung der Plastikbälle habe mehr Wasser verbraucht, als diese während der Dürre zurückgehalten haben, berichten die Forscher im Fachblatt "Nature Communication".

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Im August 2015 wurden die Bälle ausgebracht.

(Foto: AP)

Dass über Gewässern große Mengen Wasser ungenutzt verdampfen, könne vor allem in Zeiten von Wasserknappheit als große Verschwendung erscheinen, schreiben die Forscher. Um dem Problem während der Dürrephase in Kalifornien von 2011 bis 2017 etwas entgegenzusetzen, entwickelten Fachleute die Idee mit den Schattenbällen. Insgesamt entließen sie im Jahr 2015 rund 96 Millionen der schwarzen, hohlen Bälle von der Größe eines Apfels in das Sylmar-Wasserreservoir in Los Angeles. Sie sollten auch die Wasserqualität erhalten und das Wachstum von Algen verhindern.

Verdunstung gebremst, aber ...

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Die Bälle sollen die Menge an Wasser, die verdampft, deutlich bremsen.

(Foto: AP)

Ob Letzteres geklappt hat, ist nach Angaben der Forscher noch unklar. Die Verdunstung jedenfalls scheinen die auf der Oberfläche schwimmenden Bälle tatsächlich gebremst zu haben: Behörden in Los Angeles schätzten die Einsparung auf jährlich bis zu 1,15 Millionen Kubikmeter Wasser. So einfach sei die Rechnung aber nicht, gibt das Team um Haghighi zu bedenken: Die Bälle werden aus Plastik hergestellt, für dessen Produktion Rohöl, Erdgas und Strom verbraucht würden. Die Gewinnung der Rohstoffe verbrauche genau wie die Erzeugung von Strom viel Wasser.

Die Forscher ermittelten, dass abhängig von der Dicke der Bälle - sie liegt zwischen einem und fünf Millimetern - 0,25 bis 2,9 Millionen Kubikmeter Wasser benötigt werden, um die geschätzten 1,15 Millionen Kubikmeter Wasser jährlich einzusparen. In Los Angeles sei bei einer angenommenen Ball-Dicke von fünf Millimetern, die die Forscher als "typisch" beschreiben, der Wasserverbrauch für die Herstellung größer gewesen als die Einsparung im Zeitraum zwischen Projektbeginn im August 2015 und Ende der Dürre im März 2017.

Erst bei langer Nutzung lohnenswert

Lohnen würde sich der Aufwand erst, wenn die Bälle lange Zeit im Wasser verbleiben, so die Wissenschaftler weiter. Ansonsten würde für jeden in Los Angeles gesparten Tropfen Wasser anderswo in den USA oder auf der Welt ein Tropfen Wasser verbraucht, was ihrer Ansicht nach unintelligent und unfair wäre. Bei einer lokalen Produktion der Bälle würde der Wasserverbrauch die Einsparung einschränken oder sogar übersteigen.

Die Forscher errechneten weiter, dass sich die Wasserbilanz des Ball-Einsatzes unter gleichen Voraussetzungen ab Februar 2018 ins Positive gekehrt haben könnte. Allerdings war zu diesem Zeitpunkt die Dürre bereits vorbei und es sei unklar, ob die Bälle die Verdunstung auch in feuchterem Klima in ähnlichem Maße stoppen.

Zudem bringe der dauerhafte Verbleib der Bälle auf dem Wasser möglicherweise andere Probleme mit sich. So werde die Ökologie des Gewässersystems durch Veränderungen der Wassertemperatur oder der Sonneneinstrahlung eventuell beeinträchtigt. Technologische Lösungen für das Management von Wasserressourcen sollten sorgfältig überdacht und umfassend geprüft werden, bevor sie zum Einsatz kommen, schreiben die Wissenschaftler.

Quelle: n-tv.de, Anja Garms, dpa

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