Wissen

Der zweite Mann auf dem Mond Buzz Aldrin träumt vom Mars

3n4y5509.jpg7663957738861192215.jpg

Die Besatzung von "Apollo 11", Neil Armstrong, Michael Collins und Edwin Aldrin (v.l.). Sie waren die ersten der insgesamt 24 US-Astronauten, die Ende der 60er- und Anfang der 70er-Jahre zum Mond flogen.

(Foto: dpa)

Alkoholkrank, depressiv, mehrfach geschieden - der US-Astronaut Buzz Aldrin bekam nach der spektakulären Mondlandung 1969 sein Leben nicht in den Griff. Er fühlte sich als der ewige Zweite. Jetzt wird er 85 Jahre alt - und wirbt für die Mars-Besiedlung.

"Ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer Sprung für die Menschheit" - mit diesem Satz schrieb der US-Astronaut Neil Armstrong bei der Mondlandung 1969 Geschichte. Buzz Aldrin betrat 19 Minuten nach Armstrong als zweiter Mensch den Erdtrabanten, an seine poetischen Worte "Wunderschöne Aussicht. Großartige Trostlosigkeit" erinnert sich kaum jemand. Der Fluch der Nummer zwei setzte ihm offenbar zu, zwischenzeitlich hatte er mit Depressionen und Alkoholsucht zu kämpfen. Heute wirbt Aldrin, der am 20. Januar 2015 seinen 85. Geburtstag feiert, für die Besiedlung des Planeten Mars.

3n4y5521.jpg2874505062676736515.jpg

Historischer Moment: Edwin "Buzz" Aldrin am 20. Juli 1969 auf dem Mond.

(Foto: dpa)

"In Amerika zählt immer nur der erste Platz, für die Zweit- oder Drittplatzierten interessiert sich niemand", bemerkte Aldrin vor einigen Jahren in einem Interview mit dem "Playboy"-Magazin. Der Meilenstein der damaligen Mission sei eigentlich die erfolgreiche Landung der Raumfähre gewesen, nicht die ersten Schritte auf dem Mond. Auf seiner Webseite verschweigt Aldrin die Hackordnung und bezeichnet sich und den 2012 verstorbenen Armstrong als "die beiden ersten Menschen, die eine andere Welt betreten haben".

21 Stunden auf dem Mond

Die Mondmission Apollo 11 der US-Raumfahrtbehörde Nasa war am 16. Juli 1969 vom Kennedy Space Center in Florida mit Armstrong, Aldrin und dem dritten Astronauten Michael Collins ins All gestartet. Vier Tage später koppelten Armstrong und Aldrin die Mondfähre "Eagle" von der Kommandokapsel ab, in der Collins zurückblieb.

Weltweit verfolgte rund eine halbe Milliarde Fernsehzuschauer den historischen Moment. Mehr als 21 Stunden blieben Armstrong und Aldrin auf dem Erdtrabanten, sammelten Mondgestein ein und machten atemberaubende Fotos.

Bruder Aldrin

Edwin Eugene Aldrin junior wurde am 20. Januar 1930 in der Kleinstadt Montclair im Bundesstaat New Jersey geboren. Zu seinem Rufnamen Buzz kam er durch die missglückte Aussprache seiner Schwester, die statt des englischen Wortes für Bruder - brother - immer "buzzer" sagte. Aldrin zog es wie seinen Vater, ein Oberst in der Luftwaffe, zum Militär. Nach der Schule absolvierte er die Armee-Eliteakademie West Point und studierte Maschinenbau. Dann diente Aldrin in der Luftwaffe und flog Kampfeinsätze im Korea-Krieg.

Nach einer Stationierung im rheinland-pfälzischen Bitburg ging er zurück an die Universität und schrieb am renommierten Massachusetts Institute of Technology seine Doktorarbeit über das Andocken von Raumschiffen im Weltall. Anschließend bestand er das Auswahlverfahren der Nasa und gehörte ab 1963 zum Kreis der Astronauten. Im Rahmen der Gemini-Missionen flog er 1966 erstmals ins All und wurde danach ins Apollo-Programm aufgenommen.

Alkohol gegen Strukturlosigkeit

3n4y5543.jpg7591600937841707618.jpg

Für Buzz Aldrin war die Landung auf dem Mond nach eigenen Angaben einfacher als das Wiedereinleben auf der Erde danach.

(Foto: dpa)

Nach dem Ende seiner Astronauten-Karriere 1971 fiel Aldrin in ein Loch. In einer Autobiografie sprach er später offen über seine Alkoholprobleme in dieser Zeit: "Als ich die Nasa und die Luftwaffe verließ, hatte ich keine Struktur mehr in meinem Leben." Mit einer Therapie bekam er seine Sucht damals in den Griff.

Aldrins Neugier für wissenschaftliche Extremleistungen ist selbst im hohen Alter nicht gestillt: Vergangenen Herbst besuchte er zwei Forscher, die vor der Küste des US-Bundesstaats Florida einen neuen Unterwasser-Weltrekord aufstellten, in ihrer Behausung auf dem Meeresgrund.

Am liebsten unter Wasser

Auch privat geht der frühere Astronaut gern tauchen, seinen 85. Geburtstag feiert er mit einem ausgedehnten Tauchurlaub in der Karibik. "Unterwasser ist mein Lieblingsort auf diesem Planeten", schrieb er im Onlinedienst Twitter. "Nichts ist näher an der Schwerelosigkeit dran."

Die Zukunft der bemannten Raumfahrt liegt für Aldrin in der Besiedlung des Mars. Vor zwei Jahren veröffentlichte er ein Buch, in dem er seine Vision erläuterte. Bei einer Konferenz sagte er damals, das Ziel müsse die Errichtung einer "ständigen menschlichen Präsenz" auf dem Roten Planeten bis 2040 sein.

Quelle: n-tv.de, Gregor Waschinski, AFP

Mehr zum Thema