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50 Jahre Alkoholkrankheit Ein Glas Rotwein schadet doch

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Im Rotwein sind Inhaltsstoffe enthalten, die gut für den Körper sind. Die Mediziner warnen trotzdem: Alkohol ist Zellgift und darf maximal in Maßen konsumiert werden.

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Ein Bierchen nach Feierabend, ein Wein beim Grillen mit Freunden: Der Konsum von Alkohol ist in der Freizeitkultur der Deutschen fest verankert. Über die Suchtgefahr spricht kaum jemand. Tatsächlich sind die Grenzen fließend.

Alkohol kann Krebs, Leberzirrhose und Bluthochdruck auslösen. Das Nervengift lässt das Gehirn schrumpfen, verändert die Persönlichkeit und zerstört am Ende das Leben des Abhängigen und dessen Angehörigen. Das war schon immer so, doch erst seit wenigen Jahren ist Alkoholismus in Deutschland eine anerkannte Krankheit. Die wichtigsten Fakten im Überblick:

Wie kam es dazu, dass Alkoholismus als Krankheit eingestuft wurde?

In geselligen Runden fließt meist auch Alkohol. Seit Jahrhunderten ist das so und auch die Auswirkungen sind seit jeher die gleichen. Und dennoch wurde der Konsum nie als bedenklich eingestuft. Erst im 19. Jahrhundert definierten Mediziner übermäßigen Alkoholkonsum erstmals als Krankheit. Dies fand jedoch lange Zeit weder bei Medizinern noch in der Gesellschaft Anerkennung. 1952 bezeichnete die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den Alkoholismus schließlich als Krankheit. 1968 zog das Bundessozialgericht nach. Seither können sich Alkoholkranke in Deutschland für ihre Entziehungskur in ambulante oder stationäre Behandlung begeben. Die Kosten der Therapie übernimmt die Kranken- oder Rentenversicherung.

Wie viel trinken die Deutschen?

In Deutschland ist der Alkoholkonsum pro Kopf im Durchschnitt höher als in anderen europäischen Staaten und sinkt langsamer als in vielen Nachbarländern. Laut WHO-"Statusreport Alkohol" tranken Menschen in Deutschland im Alter von über 15 Jahren im Jahr 2010 noch durchschnittlich 11,8 Liter reinen Alkohol. In Europa lag der Durchschnitt damals bei 10,9 Litern. Bis 2016 verzeichnete die WHO für Deutschland einen Rückgang auf 11,4 Liter. Damit war der Konsum in fast allen untersuchten Ländern geringer als in Deutschland: In Spanien tranken die Menschen durchschnittlich 9,2 Liter, in den Niederlanden 8,7, in Dänemark 10,1. Höher lagen die Werte in Frankreich mit 11,7 Litern und Russland mit 13,9 Litern.

Wie viele Menschen gelten in Deutschland als alkoholkrank?

Etwa 1,8 Millionen Menschen gelten in Deutschland laut Bundesregierung als alkoholabhängig (Stand 2015). Seit dem Jahr 2000 hat die Zahl der Personen, die aufgrund von alkoholbedingten Erkrankungen stationär behandelt wurden, um 21,5 Prozent zugenommen. Jedes Jahr sterben in Deutschland rund 20.000 Menschen an den direkten und indirekten Folgen ihres Alkoholmissbrauchs. Zum Vergleich: Die Zahl der Menschen, die in Deutschland im Jahr 2015 an illegalen Drogen gestorben sind, lag bei 1226. Von den Menschen, die Alkoholiker sind, unterziehen sich etwa 10 Prozent einer Therapie - oft erst viel zu spät nach 10 bis 15 Jahren einer Abhängigkeit.

Wie viel Alkohol ist unbedenklich?

Risikofreien Alkoholkonsum gibt es nicht. Auch kleine Mengen sind schädlich. Die Mengen, die noch als akzeptabel gelten, werden von Land zu Land erstaunlich unterschiedlich definiert. Manche Länder geben überhaupt keine Werte an, andere Länder nennen Maße, die wiederum weit von denen anderer Nationen entfernt sind. Zudem sind nicht alle Experten offenbar der Ansicht, dass Frauen weniger als Männer trinken sollten, da sie sensibler reagieren.  

Deutschland gilt als streng, was die risikoarme Tagesmenge angeht und unterscheidet zwischen Männern und Frauen.

Grob auf Getränke umgerechnet liegt die tägliche Höchstdosis für Frauen bei:

  • 0,3 Litern Bier
  • 0,15 Litern Wein
  • 0,04 Litern Likör
  • 0,03 Litern Whisky

Für Männer gelten hierzulande folgende Grenzwerte:

  • 0,6 Liter Bier
  • 0,3 Liter Wein
  • 0,08 Liter Likör
  • 0,06 Liter Whisky

Welche körperlichen Folgen hat Alkohol?

Ab welcher Dosis Alkohol langfristige Organschäden drohen, kann niemand mit Sicherheit sagen. Fakt ist aber, dass die Leber die Hauptlast beim Abbau von Alkohol trägt. Ihre Enzyme zerlegen das Zellgift Ethanol in seine Bestandteile, danach bleiben nur noch harmlose Essigsäure und Kohlendioxid übrig. Zwar ist die Leber sehr anpassungsfähig, aber irgendwann wird es dem Organ zu viel. Sie spaltet dann zwar weiter Alkohol, vernachlässigt aber andere Aufgaben. So kann sie allmählich verfetten. Wer jahrelang trinkt, riskiert zudem eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse. Alkohol schädigt auch die Schleimhaut von Mund, Kehlkopf, Rachen und Speiseröhre. Krebserregende Stoffe dringen leichter ins Gewebe ein. Damit steigt auch das Krebsrisiko. Leberkrebs und Bauchspeicheldrüsenkrebs sind klassische Spätfolgen langjährigen Alkoholkonsums. Auch Brust-, Dickdarm- und Enddarmkrebs sollen in Zusammenhang mit Alkohol stehen, das haben Studien belegt. Alkohol lässt überdies den Blutdruck steigen und bringt das Herz außer Takt. Herzrhythmusstörungen und Herzrasen sind häufig die Folge.

Welche psychischen Folgen hat Alkohol?

Das Zellgift Alkohol lässt Neuronen sterben und das Gehirn schrumpfen. Vor allem das Frontalhirn, das über Persönlichkeit und Kritikvermögen entscheidet, ist besonders sensibel für Alkohol. Bei Menschen, die besonders viel trinken, lässt das Reaktionsvermögen nach, die Kritikfähigkeit schwindet und das Gefühlsleben gerät außer Kontrolle. Die Konzentration schwindet und das Gedächtnis lässt nach. Der intellektuelle Abbau kann bis zur Demenz führen.

Aber es heißt doch immer: "Ein tägliches Glas Rotwein ist gesund"?

Die Frage, ob der allabendliche Rotwein der Gesundheit dient, treibt Wissenschaftler bis heute um. Unter Kardiologen heißt es tatsächlich: Maßvoller Rotweingenuss kann die Blutgefäße schützen. Die Antioxidantien im Wein verlangsamen den Abbau von Stickstoffmonoxid im Blut. Dadurch kommt es seltener zu Ablagerungen, welche die Gefäße verengen und zum Infarkt führen können. Allerdings sagen Kardiologen auch: Man muss nicht Rotwein trinken, um gesund zu bleiben. Und auch sie betonen stets: Alkohol ist ein Zellgift und maximal in Maßen zu genießen. Zudem gilt unter Medizinern: Es sollte mindestens zwei alkoholfreie Tage in der Woche geben.

Woran erkenne ich, dass ich süchtig bin?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert Abhängigkeit anhand von fünf wesentlichen Kriterien:

  • Der Körper gewöhnt sich an den Alkohol, man verträgt immer größere Mengen.
  • Wird der Alkohol weggelassen, gerät der Körper aus dem Gleichgewicht. Die Folge sind Entzugserscheinungen wie Schwitzen, Zittern, Unwohlsein, im Extremfall ein Herz-Kreislauf-Zusammenbruch oder Krampfanfälle.
  • Ein starkes Verlangen nach Alkohol, das das ganze Denken und Handeln des Betroffenen bestimmt.
  • Betroffene verlieren die Selbstkontrolle, sie können die Trinkmenge nicht mehr begrenzen.
  • Der Verlust anderer Interessen.

Quelle: n-tv.de

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