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Je mehr Menschen sich melden, umso höher sind die Chancen für Patienten, den passenden Spender zu finden.
Je mehr Menschen sich melden, umso höher sind die Chancen für Patienten, den passenden Spender zu finden.(Foto: picture alliance / dpa)
Dienstag, 10. November 2015

Wirksames Mittel gegen Leukämie: Die wichtigsten Fakten zur Stammzellspende

Von Jana Zeh

Die Geschichte des ehemaligen Außenministers Guido Westerwelle über seinen Kampf gegen Blutkrebs hat dazu geführt, dass sich viel mehr Menschen als sonst als mögliche Stammzellenspender zur Verfügung stellen wollen. Wie man sich registrieren lässt, wer überhaupt spenden kann und warum es so wichtig ist, dass sich viele Menschen zur Verfügung stellen, erfahren Sie hier.

Wer kann Stammzellen spenden?

So sehen die Briefe der DKMS mit den Wattestäbchen aus.
So sehen die Briefe der DKMS mit den Wattestäbchen aus.(Foto: picture alliance / dpa)

Prinzipiell kann sich jeder Erwachsene zwischen 17 und 55 Jahren, der in Deutschland lebt und gesund ist, als Stammzellenspender registrieren lassen. Ausnahmen gibt es für die, die besonders wenig oder besonders viel auf die Waage bringen. Ein Body-Mass-Index (BMI) von 40 gilt als Obergrenze. Diejenigen, die deutlich weniger als 50 Kilogramm wiegen, kommen als Spender auch nicht infrage. Sogar Schwangere können sich als Stammzellenspender anmelden. Allerdings werden sie während der Schwangerschaft und sechs Monate danach als Spenderin gesperrt. Nach dieser Zeit werden die Frauen als potenzielle Spender automatisch wieder freigegeben. Werdende Eltern sollten sich außerdem überlegen, ob sie das stammzellenhaltige Nabelschnurblut beispielsweise bei der DKMS Nabelschnurblutbank gemeinnützig einlagern lassen wollen, denn auch damit können Menschenleben gerettet werden.

Wo muss ich mich melden, wenn ich Spender werden will?

Für Personen, die sich zu einer Stammzellspende entschließen, gibt es in Deutschland ungefähr 30 verschiedene Spenderkarteien, bei denen man sich registrieren lassen kann. Eine Liste der Anlaufstellen findet man beim Zentralen Knochenmarkspender-Register Deutschland (ZKRD). Alle spendenrelevanten Daten laufen hier zusammen und sind weltweit abrufbar. Noch leichter geht die Registrierung über das Internet. Die Deutsche Knochenmarksspenderdatei (DKMS), die größte bundesweit tätige Organisation, bietet eine Registrierung online an.

Wie geht es nach der Registrierung weiter?

Nachdem man seine Daten abgegeben hat, wird ein Abstrich von der Wangenschleimhaut gemacht. Hat man sich online registriert, bekommen potenzielle Spender ein Wattestäbchen-Set (zwei Stück), mit dem man selbst den Wangenabstrich macht. Die Proben schickt man dann wieder zurück. Sie werden im Labor untersucht und bestimmte Gewebemerkmale, sogenannte HLA-Merkmale, bestimmt. Dieser Prozess wird Typisierung genannt. Die im Labor ermittelten Daten werden gespeichert und stehen dann Patienten beziehungsweise den vermittelnden Institutionen auf der ganzen Welt zur Verfügung. Passen die eigenen HLA-Merkmale zu einem Patienten, wird man benachrichtigt. Durch eine Blutprobe muss die Übereinstimmung nochmals bestätigt und weitere Blutwerte ermittelt werden. Diese kann auch der Hausarzt entnehmen und einschicken.

Was passiert, wenn man tatsächlich als Spender passt?

Das ist wirklich selten der Fall und ein wahrer Glückstreffer für den Patienten. Nur fünf von hundert registrierten Spendern werden innerhalb von zehn Jahren als "genetischer Zwilling" identifiziert. In diesem Fall bekommt man Bescheid und muss sich anschließend einem umfassenden Gesundheitscheck unterziehen. Dieser dauert, je nach Klinik, ein bis zwei Tage und wird ambulant durchgeführt. Zu dieser Kontrolle gehören ein Belastungs-EKG, ein Lungenfunktionstest sowie Röntgen- und Ultraschalluntersuchungen. Zudem sind weitere Blutuntersuchungen nötig. Mit diesen umfassenden Maßnahmen sollen Risiken für Spender und Empfänger minimiert werden.

Welche Risiken gibt es denn für Spender?

Das kommt darauf an, welche Art der Spende man durchführt. Rund 80 Prozent aller Spenden werden durch die spezielle Entnahme von Blut erzeugt. Um das Blut mit Stammzellen anzureichern, bekommt man als Spender fünf Tage vor der Blutentnahme das Wachstumshormon G-CSF unter die Bauchdecke gespritzt. Das kann der Hausarzt machen. Wer sich traut, kann sich das Medikament auch selbst verabreichen. Die meisten Spender vertragen G-CSF gut, bei wenigen kam es zu grippeähnlichen Symptomen kommen. Langzeitnebenwirkungen sind derzeit nicht bekannt. Die eigentliche Spende in Form einer Blutentnahme dauert dann bis zu vier Stunden.

Warum so lange?

Schon bei der Blutentnahme werden die Stammzellen aus dem Blut herausgelöst. Das passiert mit einem besonderen Verfahren, das Apherese genannt und nicht in jeder Klinik angeboten wird. Dem Spender werden zwei Zugänge gelegt, aus dem ersten wird das Blut entnommen und direkt in die Maschine geleitet. In dieser werden Blut und Stammzellen voneinander gelöst. Über den zweiten Zugang bekommt der Spender sein Blut dann ohne Stammzellen wieder zurück. Damit genug Stammzellen zur Transplantation für den Patienten zur Verfügung stehen, kann es sein, dass man am nächsten Tag zu einer zweiten Spende gehen muss, die dann ebenfalls bis zu vier Stunden Zeit in Anspruch nehmen kann. Nach der Apheres kann man wieder nach Hause gehen.

Und die andere Spendenart?

Bei der sogenannten Knochenmarkspende, die bei rund 20 Prozent der Spenden angewendet wird, dauert der eigentliche Eingriff nur eine Stunde. Der anschließende Aufenthalt im Krankenhaus beläuft sich normalerweise auf drei Tage. Hierbei wird dem Spender unter Vollnarkose mit einer Punktionsnadel Knochenmark aus dem Beckenkamm entnommen. Dafür müssen zwei kleine Einschnitte auf Höhe des hinteren Beckenknochen gemacht werden. Diese verheilen entweder von selbst oder müssen mit nur wenigen Stichen genäht werden. Das Risiko bei dieser Spendenart ist auf die Vollnarkose und auf etwaigen Wundschmerz nach dem Eingriff beschränkt. Im Anschluss an den Eingriff werden Spender in den meisten Fällen als Vorsichtsmaßnahme noch ein paar Tage krankgeschrieben. Jeder, der sich als Stammzellenspender registrieren lässt, sollte für beide Methoden bereit sein.

Fehlen mir die gespendeten Stammzellen?

Nein, die entnommenen Stammzellen oder das entnommene Knochenmark bilden sich innerhalb weniger Tage wieder vollständig nach. Aus diesem Grund ist es auch möglich, mehrfach zu spenden.

Wer bezahlt das Ganze?

Der erste Schritt der Untersuchung, die sogenannte Typisierung, ist aufwendig und kostet etwa 50 Euro. Diese Kosten werden von den Krankenkassen nicht getragen, sondern müssen von den Spenderdateien selbst aufgebracht werden. Daher sollte es nicht verwundern, wenn man in diesem Zusammenhang als potenzieller Stammzellspender auch um eine finanzielle Spende gebeten wird. Die Kosten für den anschließenden Gesundheitscheck des Spenders und alle weiteren zahlt die Krankenkasse des Empfängers. Dazu gehören auch Verdienstausfall, Reisekosten und andere nichtmedizinische Aufwendungen des Spenders.

Was kann ich tun, wenn ich nicht als Spender infrage komme?

Trotzdem Spender werden – und zwar durch finanzielle Zuwendungen, denn viele der Spenderdateien, darunter auch die DKMS, finanzieren sich hauptsächlich oder sogar ausschließlich über Spenden.

Quelle: n-tv.de

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