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Nur lästig oder gefährlich? Fliegen übertragen mehr Krankheitserreger

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Eine Schmeißfliege auf einem Erdbeerkuchen. Wer weiß, wo sie vorher saß.

(Foto: imago/imagebroker)

Stubenfliegen können echte Nervensägen sein. Zum Glück, denken viele, sind sie nur lästig und nicht gefährlich. Doch mit dieser Einstellung sind die Insekten als Krankheitsüberträger völlig unterbewertet.

Auf Hundehaufen, organischem Abfall und frischgebackenem Kuchen: Im Sommer kann man Fliegen überall sehen. Nun haben Forscher Stuben- und Schmeißfliegen untersucht, um herauszufinden, in welchem Maße sie Krankheitserreger übertragen.

Für diese Untersuchung nahmen sich die Forscher insgesamt 116 Exemplare von Stuben- und Schmeißfliegen von drei Kontinenten und aus unterschiedlichen Umfeldern vor und bestimmten die sogenannte Bakterienlast, die die Tiere mit sich herumtrugen. Außerdem stellten sie fest, welche Mikroorganismen an welchen Körperstellen an den Insekten hafteten.

Es zeigte sich, dass besonders an den Beinen und Flügeln mancher Insekten hunderte Bakterien hafteten. "Bakterien scheinen die Insekten wie ein Taxi zu nutzen", sagt Stephan Schuster, der als Biologe an der Untersuchung beteiligt war. "Überleben sie die Reise, können sie nach der Landung neue Oberflächen besiedeln." Mit jedem Schritt, den eine Fliege macht, hinterlasse sie eine wahre Kolonialisierungsspur, so Schuster.

Viele Krankmacher

Bei der Bestimmung der verschiedenen Bakterienarten konnten die Forscher viele Arten finden, die auch den Menschen krank machen. Neben Erregern für Durchfallerkrankungen wurde auch der sogenannte Helicobacter pylori, ein gefährlicher Magenkeim, der zu Magenschleimhautentzündungen sowie Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren führen kann, entdeckt. Er steht zudem im Verdacht, Magenkrebs auslösen zu können. "Fliegen wurden bisher noch nie als Überträger dieses Keims in Betracht gezogen", so Schuster.

Die Forscher konnten also zeigen, dass Stuben- und Schmeißfliegen wesentlich größere Keimüberträger sind als bisher angenommen. Die Tiere könnten für viele Krankheitsausbrüche verantwortlich sein. Darüber hinaus stellten die Forscher fest, dass es erhebliche Unterschiede zwischen Stadt- und Landfliegen gibt, was ihre Bakterienlast angeht. Es zeigte sich, dass Fliegen in dicht besiedelten Regionen wesentlich mehr krankmachende Bakterien mit sich trugen als Landfliegen. Die Forscher vermuten, dass sich Fliegen vor allem in offenen Latrinen oder Sickergruben von Menschen mit krankmachenden Keimen belasten, während Viehhaltung in ländlichen Gegenden zwar die Anzahl der Insekten fördert, jedoch nicht die der für den Menschen bedrohlichen Bakterien.

Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher im Fachmagazin "Scientific Reports".

Quelle: ntv.de, jaz

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