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Rund zehn Billiarden Tonnen Forscher finden riesigen Diamanten-Schatz

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Rar sind Diamanten vor allem an der Erdoberfläche.

(Foto: imago/Ikon Images)

Bisher gelten Diamanten als selten. Doch Forscher finden heraus, dass die Edelsteine wesentlich häufiger sind als gedacht. Mithilfe von Simulationen stoßen sie auf einen gigantischen Schatz unter unseren Füßen. Ihn zu heben, dürfte jedoch unmöglich sein.

Forscher haben einen gewaltigen Schatz entdeckt. Tief in der Erde liegen nach ihren Berechnungen rund zehn Billiarden Tonnen Diamanten vergraben. Zehn Billiarden - das ist eine Eins mit sechzehn Nullen. Eine unvorstellbar große Menge und etwa 1000 Mal mehr als bisher angenommen. Zum Vergleich: Die Weltproduktion des kostbaren Minerals betrug zuletzt etwa 28 Tonnen pro Jahr, was einem Wert von mehr als 15 Milliarden Dollar entspricht.

Kaum vorstellbar also, welche Reichtümer also unter unseren Füßen schlummern. Doch an diese Schätze zu gelangen, dürfte schwierig werden: Sie befinden sich mehr als 140 Kilometer unter der Erdoberfläche - nach heutigem Stand der Bohrtechnik damit unerreichbar.

Die gigantische Edelstein-Lagerstätte steckt laut dem internationalen Forscherteam in den Urkontinenten, die man Kratone nennt. Diese können mehr als 300 Kilometer dick sein und ragen tief in den Erdmantel hinein - wie auf dem Kopf stehende gigantische Berge. Die dicksten und tiefsten Stellen der Kratone bezeichnen Geologen als deren Wurzeln.

Nicht so selten wie gedacht

Die Forscher fanden nun heraus, dass diese Wurzeln zu ein bis zwei Prozent aus Diamanten bestehen. Ausgehend vom gesamten Volumen aller Kontinent-Wurzeln konnten die Forscher errechnen, dass etwa eine Billiarde Tonnen an Diamanten in diesem Gestein verteilt sein müssen - in einer Tiefe von 144 bis 241 Kilometern.

"Bisher wusste man, dass es Diamanten im Erdinneren gibt. Aber man wusste nicht, ob es viele sind", sagt Catherine McCammon von der Universität Bayreuth gegenüber n-tv.de. Die Forscherin war ebenfalls an der Studie beteiligt. Nun stellt sich heraus, dass die Edelsteine häufig sind, sie aber nur selten bis in die Nähe der Erdoberfläche gelangen.

Aber wie können sich die Forscher also sicher sein, dass es tatsächlich so viele Diamanten sind? Der Ursprung steckt in einem Rätsel, über das Geologen lange gegrübelt haben. Seit Jahrzehnten bereits werden Schallwellen, etwa von Erdbeben, gemessen, um daraus die Zusammensetzung der Erdkruste und des oberen Erdmantels zu ermitteln. Denn je nach Beschaffenheit des Gesteins pflanzen sich Schallwellen unterschiedlich schnell fort.

Dabei stießen die Forscher auf ein Phänomen, das sie bisher nicht erklären konnten: Wenn Schallwellen durch die Wurzeln der Kratone wandern, beschleunigen sie sich plötzlich. Um dieses Rätsel zu lösen, versuchten sie, die Zusammensetzung der Wurzeln zu bestimmen. Dazu kreierten sie virtuelles Gestein im Computer, um zu simulieren, wie es die Geschwindigkeit von Schallwellen beeinflusst.

"Könnten sehr wertvolle Diamanten sein"

Das Ergebnis: Nur eine Art von Gestein führte am Ende zu jenen Ergebnissen, welche regelmäßig gemessen werden. Und dieses enthält neben dem Gestein Peridotit, dem Hauptbestandteil des Erdmantels, kleineren Mengen des Gesteins Eklogit und eben auch die erwähnten ein bis zwei Prozent Diamanten. "Wir haben die Diamanten nicht direkt beobachtet. Aber wir konnten sowohl im Labor als auch im Computer die Bedingungen im Erdinneren simulieren", so McCammon. Die großen Vorkommen von Diamanten seien "für uns die einzig sinnvolle Erklärung".

Dass in den Wurzeln der Kontinent so viele Diamanten stecken, ist laut den Forschern auch deshalb plausibel, da es den hohen Druck und die hohen Temperaturen tief in der Erde benötigt, um aus Kohlenstoff das kostbare Mineral zu formen. In die Nähe der Erdoberfläche, wo Diamanten vom Menschen abgebaut werden können, gelangen die Edelsteine durch vulkanischen Eruptionen, die nur alle zig Millionen Jahre vorkommen. Und die meisten dieser Fundstätten liegen an Rändern der Kontinent-Wurzeln - in Kanada, Sibirien, Australien und Südafrika.

Wie hoch der Wert der Diamanten im Untergrund tatsächlich ist, darüber kann nur spekuliert werden. "Es könnten sehr wertvolle Diamanten da unten sein", sagt McCammon über den Fund. Jedenfalls wiesen andere Edelsteine, die aus großer Tiefer stammen, eine gute Qualität auf. "Aber genau können wir das nicht sagen."

Quelle: n-tv.de

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