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Übergewicht und Insulinresistenz Forscher zweifeln Lehrmeinung zu Krebs an

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Die Insulinresistenz steht nicht in Verbindung mit der Bildung von Brustkrebs.

(Foto: imago/Science Photo Library)

Übergewicht mit Insulinresistenz erhöht das Risiko für Darm- und Gebärmutterkrebs. So steht es zumindest in zahlreichen medizinischen Lehrbüchern. Forscher der Uni Innsbruck können mit ihren Studienergebnissen diese nicht bestätigen und bringen nun andere Hormone ins Spiel.

Entgegen der gängigen Lehrmeinung stehen Übergewicht und die Entstehung gynäkologischer Krebsformen nicht im direkten Zusammenhang. Das haben Forscher der Medizinischen Universität Innsbruck herausgefunden. Für ihre Untersuchung verwendeten die Forscher um Hanno Ulmer und von Josef Fritz von der Sektion für Medizinische Statistik und Informatik die Daten von mehr als 500.000 Menschen aus Österreich, Norwegen und Schweden. Die Probanden wurden im Durchschnitt 17 Jahre lang im Hinblick auf Lebensstil und Gesundheit zwischen 1972 und 2006 beobachtet.

Die Forscher sahen, dass es bei rund 16.000 Studienteilnehmern zu Krebserkrankungen wie Darm-, Leber-, Nieren-, Pankreas- und Gallenblasenkrebs, sogenannten gastrointestinale Tumoren sowie Gebärmutter- und Eierstockkrebs und post-menopausalem Brustkrebs, sogenannten gynäkologische Tumoren kam. Alle Erkrankungen wurden mit dem Übergewicht der Patienten in Verbindung gebracht.

Um zu überprüfen, ob Tumoren und Übergewicht zusammenhängen, nahmen sich die Forscher einen bestimmten Biomarker zu Hilfe. "Um mögliche kausale Zusammenhänge darstellen zu können, haben wir uns einer neuen Kennzahl bedient, dem TyG-Index. Dieser spezielle Stoffwechsel-Marker ist das Produkt aus Triglyzeriden und Glukose und somit ein einfach verfügbares Maß für die Insulinresistenz, das zudem in hohem Maß mit dem Goldstandard zur Bestimmung der Insulinresistenz, dem Clamp-Test, übereinstimmt", erklären die Forscher ihre Vorgehensweise.

Die Insulinresistenz ist die Vorstufe für Diabetes Typ 2. Da Insulin als wachstumsstimulierendes Hormon die Zellteilung anregt und dementsprechend auch einen Tumorwachstum begünstigen kann, wird sie seit einiger Zeit als Erklärung für die Verbindung zwischen Übergewicht und Krebs diskutiert.

Risiko für bestimmte Tumorerkrankungen

Anhand der Daten sahen die Forscher, dass Übergewicht nicht nur mit erhöhten Triglyzerid- und Glukosewerten einhergeht, sondern auch mit einem erhöhten Risiko für gastrointestinale Tumoren. "Dazu kommt, dass der TyG-Index auch zu circa 25 Prozent den Einfluss von Übergewicht auf die Krebsentstehung erklärt", erklärt Ulmer. Die Innsbrucker Forscher können somit eine nachdrückliche Bestätigung für den krebsfördernden Einfluss von Übergewicht auf Leber-, Nieren-, Pankreas- und Dickdarmkrebs erbringen.

Den Zusammenhang zwischen einer Insulinresistenz und der Bildung  gynäkologischer Tumoren, so wie sie bisher in der medizinischen Literatur beschrieben wird, können die Autoren der Studie aufgrund ihrer Ergebnisse hingegen nicht bestätigen. "Gynäkologische Krebsarten sind zwar mit Übergewicht assoziiert, jedoch nicht mit dem TyG-Index erklärbar. Das heißt: erhöhte Blutfett- und Blutzuckerwerte stehen in keinem kausalen Zusammenhang mit der Entstehung gynäkologischer Tumoren. Der Einfluss der Östrogene auf das Krebsgeschehen dürfte also doch größer sein, als angenommen", fasst Ulmer die Ergebnisse zusammen, die im " International Journal of Epidemiology" veröffentlicht wurden.

Quelle: n-tv.de, jaz

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