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Drogen hemmen Kindchenschema Heroinabhängige finden Babys weniger süß

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Riesen Augen, kleine Nase - das Kindchenschema sorgt dafür, dass wir uns um Kinder kümmern.

(Foto: picture alliance / dpa)

In Pennsylvania untersuchen Forscher mithilfe von Babyfotos, wie sich der Gebrauch bestimmter Drogen auf das Hirn auswirkt. Die Testläufe liefern erstaunliche Ergebnisse und könnte die Therapie mit Opioiden wie Schmerzmittel nachhaltig verändern.

Opioid

Opioid ist eine Sammelbezeichnung für alle synthetischen oder natürlichen Stoffe, die an den Opioidrezeptoren im menschlichen Gehirn wirksam sind. Dort dockt zum Beispiel das körpereigene Endorphin an. Unter Opioide fallen Drogen wie Heroin, aber auch Schmerzmittel. Der Begriff Opiat hingegen bezeichnet nur die natürlicherweise im Opium vorkommenden Stoffe mit dieser Wirkung.

Menschen mit einer Heroinabhängigkeit reagieren offenbar anders auf Babys als gesunde Menschen. Das legt das Ergebnis einer Pilotstudie der University of Pennsylvania nahe.

Die Wissenschaftler baten 47 Probanden, auf Baby-Fotos zu blicken und untersuchten ihre Reaktion. "Wir haben rausgefunden, dass das Gehirn von Menschen mit einer Opioidabhängigkeit nicht auf das Kindchenschema reagieren", sagte Professor Daniel Langleben, der Teil des Forscherteams war. Das Kindchenschema ist ein Schlüsselreiz, der im Menschen durch kindliche Proportionen ausgelöst wird - etwa große Augen, Stupsnase, kleines Kinn und hohe Stirn.

Die Testteilnehmer waren allesamt wegen einer Abhängigkeit in Behandlung und wurden mit sogenannten Opioid-Blockern therapiert. Die Wissenschaftler beobachteten vor und nach Einnahme des Mittels, wie sie auf die Babyfotos reagierten. Dabei nahmen sie die Hirnaktivitäten der Probanden auf. Gab man ihnen das Mittel, wurden ihre Reaktionen der gesunder Menschen ähnlicher.

Die Forscher erhoffen sich, daraus Erklärungen für soziale Kompetenz-Defizite liefern zu können, die häufig mit einer Abhängigkeit einhergehen. Das Ergebnis könnte nachhaltige Auswirkungen auf zukünftigen Therapieeinsatz von Opioiden haben. Um diese Ergebnisse zu stützen, sind weitere Untersuchungen nötig. 

Quelle: n-tv.de, apo

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