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US-Studie macht Hoffnung Infektion und Impfung bringen "Superimmunität"

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Die Reihenfolge von Impfung und Infektion ist für die sogenannte Superimmunität offenbar unerheblich.

(Foto: picture alliance / ROBIN UTRECHT)

Durch Omikron kommt es weltweit zu immer mehr Durchbruchsinfektionen. Laut US-Forschenden ist das allerdings kein Grund zur Panik - im Gegenteil. Wer geimpft ist und sich trotzdem mit dem Coronavirus infiziert, entwickelt eine "Superimmunität", finden sie in einer aktuellen Studie heraus.

Die Omikron-Variante hat Deutschland fest im Griff. Immer häufiger treten Durchbruchsinfektionen auf, bei denen sich auch geimpfte Menschen mit Sars-CoV-2 infizieren. Sie entwickeln allerdings einen besonders guten Immunschutz, finden nun US-Forschende heraus. Dabei sei es egal, ob die Impfung zuerst erfolgte oder im Anschluss an eine Infektion gemacht wurde, berichten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Fachmagazin "Science Immunology". Vor diesem Hintergrund sehen sie jede Durchbruchsinfektion, die derzeit mit der raschen Omikron-Verbreitung registriert werde, als Schritt in Richtung Ende der Pandemie.

Für ihre Studie haben die Forschenden von der Oregon Health & Science University in Portland die Immunität von insgesamt 104 Menschen anhand von Blutproben genauer untersucht. 42 von ihnen waren vollständig geimpft und bisher nicht mit Corona infiziert, 31 wurden nach einer überstandenen Infektion einmal oder zweimal geimpft, 31 hatten eine Durchbruchsinfektion nach einer vorangegangenen Impfung. Die allermeisten Probanden waren mit einem mRNA-Impfstoff von Biontech oder Moderna geimpft, zwei hatten den Impfstoff von Johnson & Johnson bekommen.

Das Ergebnis: Die Kombination von Impfung und Infektion verbesserte den Immunschutz erheblich - unabhängig von der Reihenfolge. Die Probanden, die sowohl infiziert als auch geimpft waren, hatten einen höheren Antikörperspiegel im Blut. Zudem konnten diese den Erreger besser neutralisieren, wirkten also stärker. Dabei sei es egal, ob man sich ansteckt und dann geimpft wird oder ob man geimpft wird und dann eine Durchbruchsinfektion bekommt, heißt es in der Studie. In beiden Fällen erhalte man eine "sehr, sehr starke Immunantwort".

Geimpfte Personen, die eine Durchbruchsinfektion mit Delta hatten, produzierten bis zu 1000 Prozent wirksamere Antikörper im Vergleich zu denen, die nach einer Biontech-Impfung gebildet werden, erklärte Studienautor Fikadu Tafesse, dem "Business Insider". "Nicht nur die Menge der Antikörper ist hoch - auch die Fähigkeit, verschiedene Varianten kreuzneutralisieren zu können, ist bemerkenswert hoch."

Übergang von der Pandemie zur Endemie?

Die Wahrscheinlichkeit, sich anzustecken, sei momentan hoch, weil so viel Virus im Umlauf sei, so Tafesse. Indem der Körper verschiedenen Varianten desselben Virus ausgesetzt werde, könne dieser verstehen, dass es verschiedene Formen des Coronavirus gibt. "Die Impfstoffe wurden mit dem ursprünglichen, also dem Alpha-Stamm des Virus entwickelt. Wenn man jetzt einen Durchbruch hat, ist es vermutlich Delta oder Omikron", sagte der Wissenschaftler dem Magazin. "Das gibt euch eine zusätzliche Ebene der Komplexität in Bezug auf die Antikörpervielfalt."

Eine Ansteckung allein vermittle nur einen recht kurzfristigen Immunschutz vor erneuter Infektion, heißt es in der Studie. Eine Impfung hingegen schütze vor schweren Verläufen und Tod und verleihe in Kombination mit einer Infektion eine "Superimmunität", schreiben die Forschenden.

In der Studie untersuchten sie den Immunschutz gegen die Corona-Varianten Alpha, Beta und Delta. Es werde noch einige Zeit dauern, die durch Omikron ausgelöste Immunität zu verfolgen, sagte Tafesse. Bisher seien noch nicht genug Daten gesammelt worden, um vollständig zu verstehen, wie sich die sogenannte Superimmunität gegen Omikron verhält. Doch die Forscher sind optimistisch: "Wir denken, dass Personen in früheren Impfdurchbrüchen einen sehr hohen Schutz haben, sogar gegen Omikron", sagte Tafesse. Trotzdem könne man nicht vorhersagen, was als Nächstes kommt. Wenn sich viele Geimpfte ansteckten, treffe das Virus in Zukunft auf immer mehr Menschen mit hoher Immunität. Letztlich würde es überwiegend milde Infektionen verursachen - der Übergang von der Pandemie zur Endemie wäre dann womöglich geschafft.

Quelle: ntv.de, hny

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