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Sonne oder Tablette Kann Vitamin D vor Infekten schützen?

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Ärzte raten gesunden Menschen eher zum regelmäßigen Aufenthalt im Freien als zur Tablette.

(Foto: imago/Medicimage)

Die Meinungen über die zusätzliche Einnahme von Vitaminpräparaten gehen weit auseinander. Forscher untersuchen deshalb, ob Vitamin D vor Infekten schützen kann und treffen eine klare Aussage.

Als "Sonnen- oder Knochenvitamin" bezeichnet, soll Vitamin D viele positive Wirkungen auf den Körper haben. Schon ein geringer Mangel daran soll vielfältige Symptome hervorrufen können: Müdigkeit, schlechte Stimmung oder Konzentrationsprobleme gehören dazu. Besteht über viele Jahre ein schwerer Mangel, dann können unter anderem Osteoporose, Diabetes mellitus und sogar Krebserkrankungen begünstigt werden. Auch das Demenzrisiko soll sich deshalb erhöhen.

Ob es einen Zusammenhang zwischen der Einnahme von Vitamin-D-Präparaten und Bronchitis oder anderen Atemwegserkrankungen gibt, wollten Forscher der Queen Mary University of London wissen. Dafür untersuchten sie die Daten von 25 klinischen Studien mit insgesamt 11.321 Teilnehmern im Alter von 0 bis 95 Jahren. Für die Metaanalyse wurden die Ergebnisse jedes einzelnen Probanden betrachtet und nicht nur die Gesamtergebnisse der Untersuchungen, betonen die Forscher um Adrian Martineau.

Nur für Menschen mit Mangel nützlich

Sie fanden heraus, dass das Risiko für Atemwegsinfektionen um durchschnittlich 12 Prozent sinkt, wenn zusätzlich regelmäßig Vitamin-D-Präparate eingenommen werden. Eine relevante Schutzwirkung allerdings sahen die Forscher nur bei den Studienteilnehmern, die vor Beginn der Untersuchungen einen Vitamin-D-Gehalt von unter 25 Nanomol je Liter, also einen schwerwiegenden Vitamin-D-Mangel aufwiesen. Bei den Probanden, deren Werte darüber lagen, konnten keine messbaren Effekte auf ein Erkrankungsrisiko festgestellt werden.

Auf Grundlage dieser Ergebnisse könnten jedoch keine Empfehlungen zur Einnahme von Vitamin-D-Präparaten für gesunde Personen ausgesprochen werden. Die einzige Ausnahme: Menschen mit Vitamin-D-Werten von unter 25 Nanomol je Liter könnten auf diese Art und Weise tatsächlich ein Infektionsrisiko der Atemwege senken. Doch bei solchen geringen Werten verordnen Ärzte auch in Deutschland Präparate zum Ausgleich.

Ob man tatsächlich unter Vitamin-D-Mangel leidet, kann mit einem Bluttest beim Hausarzt herausgefunden werden. Diesen müssen die meisten Patienten in Deutschland selbst bezahlen. Uneinigkeit besteht allerdings darüber, bei welchem Wert der Vitamin-D-Spiegel optimal ist. Ebenso wenig kann heute mit wissenschaftlich Daten belegt werden, wann das Knochenvitamin wegen einer zu hohen Dosierung ungesunde Wirkungen, wie beispielsweise die Bildung von Nierensteinen, hat. Klar ist allerdings, dass der Körper mit der natürlichen Form der Vitamin-D-Bildung durch Sonnenlicht nicht überdosiert werden kann.

Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher im British Medical Journal.

Quelle: n-tv.de, jaz

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