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Aus Mengeles Eugenik-Programm? Kinderknochen in Berlin entdeckt

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Die Archäologen der FU graben auf dem Gelände der Universität.

(Foto: Bernd Wannenmacher/FU Berlin/dpa)

In Berlin befand sich das Kaiser-Wilhem-Institut, wo bis 1945 Leichenteile aus Auschwitz untersucht wurden. Nun graben Wissenschaftler auf dem Gelände menschliche Knochen aus. Sie könnten aus den Versuchen des KZ-Arztes Josef Mengele stammen.

Auf dem Gelände der Freien Universität (FU) in Berlin sind bei Grabungen erneut menschliche Knochen gefunden worden. Archäologen entdeckten eine größere Menge Knochen, die zumindest teilweise aus Skelettsammlungen stammen könnten, wie die FU mitteilte. Einen ähnlichen Fund hatte es bereits 2014 am gleichen Ort gegeben. Die Knochen wurden damals jedoch ohne tiefergehende Untersuchungen eingeäschert, was Kritik zur Folge hatte. Der aktuelle Fund biete eine neue Chance, der Herkunft der Knochen nachzugehen, hieß es nun.

Bislang wird ein Zusammenhang mit einem Gebäude in der Nähe vermutet, wo sich bis 1945 das Kaiser-Wilhelm-Institut (KWI) für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik befand. Dort wurden Leichenteile untersucht, die der KZ-Arzt Josef Mengele aus dem Vernichtungslager Auschwitz nach Berlin schickte. Nach Kriegsende wurde das KWI nicht weitergeführt, Teile gingen in die Max-Planck-Gesellschaft über.

Es handele sich um zahlreiche, zerbrochene Schädelknochen, Zähne, Wirbel und Langknochen, sagte Professorin Susan Pollock vom Institut für Vorderasiatische Archäologie der FU Berlin, die das Grabungsteam gemeinsam mit ihrem Kollegen Professor Reinhard Bernbeck leitet. Außerdem fand das Forscherteam Teile eines nachgeformten menschlichen Körpers aus Gips sowie runde Marken mit handschriftlichen Ziffern, ähnlich denen aus dem Fund im Jahr 2014.

Die Knochen sollen nun untersucht werden, um Näheres über deren Herkunft zu ermitteln. Diese Methode könne in gewissen Grenzen Aufschluss geben über das ungefähre Alter und das Geschlecht der Menschen, von denen die Knochenteile stammten, sagte Pollock. "Es scheinen Knochen von Erwachsenen und von Kindern darunter zu sein." Außerdem lasse sich so feststellen, um wie viele Personen es sich mindestens handele. Ergebnisse der Untersuchung würden frühestens Ende des Jahres vorliegen.

Quelle: n-tv.de, rpe/dpa