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Plastikente statt Kartoffel Komet überrascht mit ungewöhnlicher Form

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Wissenschaftler können über Tschuris Form nur rätseln.

(Foto: ESA/Rosetta/MPS for OSIRIS Team)

Die europäische "Rosetta"- Mission im Weltall soll unter spektakulären Bedingungen mehr Informationen über Kometen liefern. Schon erste Aufnahmen des Forschungsobjektes bringen neue Erkenntnisse: Die Himmelskörper sehen nicht alle gleich aus.

Der Zielkomet der Raumfahrtmission "Rosetta" sieht offenbar so ähnlich aus wie eine Plastikente. Das legen neue Bilder des Kometen 67P/Tschurjumov-Gerasimenko nahe, wie das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) mitteilte. Die Aufnahmen zeigen demnach, dass der Kometenkern aus zwei deutlich getrennten Teilen besteht - gleichsam einem "Kopf" und einem "Körper". "Die Bilder erinnern mich vage an ein Quietscheentchen", erklärte der MPS-Forscher Carsten Güttler. "Dieser Komet scheint völlig anders zu sein als jeder andere, den wir zuvor gesehen haben."

Die neuen Aufnahmen wurden mit dem wissenschaftlichen Kamerasystem "Osiris" an Bord von "Rosetta" aufgenommen. Die europäische Raumsonde befindet sich derzeit im Anflug auf ihren Zielkometen, den sie am 6. August erreichen soll. Die Bilder bestätigen die eigenartige Gestalt des Himmelskörpers, auf die bereits frühere Aufnahmen hingedeutet hatten. Der von Wissenschaftlern Tschuri getaufte Komet unterscheidet sich demnach deutlich von allen Kometen, die Raumsonden bisher besucht haben. Diese Himmelskörper waren von Wissenschaftlern als eher kartoffelförmig beschrieben worden.

Wie Tschuri seine entenartige Gestalt erhielt, ist laut MPS derzeit noch unklar. "Wir können kaum mehr als raten", erklärte der Leiter des "Osiris"-Teams, Holger Sierks. Die Wissenschaftler hoffen, in den nächsten Monaten mehr über die physikalischen und mineralogischen Eigenschaften des Himmelskörpers zu erfahren. So lässt sich möglicherweise klären, ob der "Kopf" und der "Körper" des Kometen ursprünglich zwei getrennte Objekte waren.

Erkenntnisse über Zusammensetzung?

"Rosetta" ist eine der ehrgeizigsten Missionen in der Geschichte der europäischen Weltraumagentur ESA. Nach der Ankunft bei Tschuri in knapp drei Wochen soll die Sonde in eine Umlaufbahn um den Kometen einschwenken. In der ersten November-Hälfte soll "Rosetta" dann ihr Landegerät "Philae" auf dem Vier-Kilometer-Brocken aus Eis, gefrorenem Gas und Staub absetzen.

Begleitet von "Rosetta" und "Philae" wird sich der Komet in den darauffolgenden Monaten weiter der Sonne nähern. Dabei wird die Aktivität auf Tschuri durch die Sonnenwärme beträchtlich zunehmen. Was genau dabei auf dem Schweifstern passiert, sollen die Messgeräte von "Rosetta" und "Philae" aufzeichnen. Von der 2004 gestarteten "Rosetta"-Mission erwarten die Forscher Aufschlüsse über die Zusammensetzung von Kometen, die als Überbleibsel der Entstehung des Sonnensystems vor 4,6 Milliarden Jahren gelten.

Quelle: ntv.de, lou/AFP