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Exzessives Gaming kann krankhafte Züge annehmen.
Exzessives Gaming kann krankhafte Züge annehmen.(Foto: picture alliance/dpa)
Montag, 18. Juni 2018

Entscheidung der WHO: Online-Spielsucht gilt ab sofort als Krankheit

Wann wird eine harmlose Freizeit-Beschäftigung zu einer Sucht? Diese Frage versucht die Weltgesundheitsorganisation WHO in einem aktuellen Katalog zu beantworten. Erstmals wird exzessives Online-Spielen als Suchtkrankheit definiert.

Gegen die Kritik vieler Wissenschaftler sieht die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Online-Spielsucht nun als eigenständige Krankheit an. In ihrem Katalog der Krankheiten (ICD-11) steht exzessives Online-Spielen unter anderen Suchtkrankheiten wie Glücksspielsucht. Kritiker fürchten, dass Menschen, die viel online spielen, fälschlich als therapiebedürftig eingestuft werden könnten.

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Die WHO beschreibt in dem Katalog ihren Angaben zufolge eindeutige Symptome, die Ärzten die Diagnose erleichtern sollen. Dazu gehört, dass ein Mensch alle anderen Aspekte des Lebens dem Online-Spielen unterordnet und trotz negativer Konsequenzen weitermacht, und dies über einen Zeitraum von mehr als zwölf Monaten.

Betroffene sollen nach Meinung von Vladimir Poznyak vom WHO-Programm Suchtmittelmissbrauch in Kliniken behandelt werden, die bereits andere Patienten beim Entzug unterstützen. Er hofft, dass das neue Phänomen, das vor allem junge Leute betreffe, besser erforscht wird. Nach Angaben des Verbandes der deutschen Games-Branche spielten im vergangenen Jahr rund 34 Millionen Menschen in Deutschland Computer- und Videospiele. Das Durchschnittsalter der Spieler lag bei 35,5 Jahren.

Der WHO-Katalog wurde zuletzt vor 28 Jahren neu gefasst. Er enthält mehr als 55.000 Klassifizierungscodes für Krankheiten, Verletzungen sowie Todesursachen und soll damit auch weltweite Statistikerhebungen erleichtern. Er muss von der Weltgesundheitsversammlung im kommenden Jahr noch abgesegnet werden und gilt dann offiziell ab Januar 2022.

Der Katalog enthält auch erstmals ein Kapitel über traditionelle Medizin und ein Kapitel über Sexualgesundheit. Darunter ist etwa "unklare Geschlechtsidentifizierung" gefasst - was früher unter psychischen Krankheiten gelistet war.

Quelle: n-tv.de