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Immer mehr Wasser wird im Nordpolarmeer freigesetzt.
Immer mehr Wasser wird im Nordpolarmeer freigesetzt.(Foto: picture alliance / Ulf Mauder/dp)
Donnerstag, 04. Januar 2018

Mehr Wasser, mehr Wellen: Radium-Werte im Nordpolarmeer verdoppelt

Der Klimawandel trifft besonders die Polkappen der Erde. Riesige Eisschollen brechen ab, Permafrost taut auf und offene Wasserflächen vergrößern sich. Forscher finden jetzt im Meerwasser der Arktis eine neue, radioaktive Folge der Erderwärmung.

Der Klimawandel macht besonders die Regionen von Nord- und Südpol stark zu schaffen. Welche Werte im Meerwasser am Nordpol durch das Ansteigen der Temperaturen zu finden sind und auf welche besonderes Augenmerk gelegt werden sollte, haben Forscher des Woods Hole Oceanographic Institution herausgefunden.

(Foto: Natalie Renier, Woods Hole Oceanographic Institution)

Sie entnahmen zwei Monate lang an insgesamt 69 verschiedenen Stellen Meerwasserproben und analysierten diese. Dabei reisten sie von der Tschuktschensee vor der ostsibirischen Küste bis zum Nordpol. Es zeigte sich, dass der Radium228-Wert innerhalb der letzten zehn Jahre stark angestiegen ist. Die Messungen von Radium228 in den Proben aus dem offenen Nordpolarmeer brachten Werte hervor, die doppelt so hoch waren, wie die aus dem Jahr 2007. Die Meerwasserproben hingegen, die in Küstennähe entnommen worden waren, bestätigten diesen Anstieg nicht.

Da Radium durch den Zerfall von Thorium im Boden entsteht und wasserlöslich ist, sind die Forscher zunächst davon ausgegangen, dass es mit Flüssen und von den Küsten ins Nordpolarmeer gelangt. Diese  Annahme konnte durch die Messdaten allerdings nicht bestätigt werden.  

Weitere Folgen des Klimawandels

Die Forscher gehen deshalb davon aus, dass durch die Erwärmung der Arktis die Meeresgebiete der Region länger als sonst eisfrei sind. Das führt dazu, dass der Wind das Wasser mittels Wellen kräftiger durchmischen kann. Durch die Kraft der Wellen wird aber auch radiumhaltiges Sediment aus dem Meeresboden aufgewirbelt und mit entsprechenden Strömungen bis ins offene Nordpolarmeer gebracht.

Die Forscher gehen zudem davon aus, dass nicht nur die Radium228-Werte durch die Folgen des Klimawandels ansteigen, sondern auch andere vom Schelf stammende Substanzen ins Nordpolarmeer gespült werden. Sie befürchten einen weitreichenden Wandel mit nichtvorhersehbaren Folgen in der Zusammensetzung des Wasser und des gesamten Ökosystems. Stoffkreisläufe könnten sich aufgrund der Veränderungen drastisch verschieben und die Artenvielfalt im Nordpolarmeer erheblich beeinträchtigen, warnen die Forscher. Sie veröffentlichten ihre Ergebnisse im Fachmagazin "Sciene Advances".

Quelle: n-tv.de