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Ergebnis der Untersuchung: Vor 1990 hatten die Bäume zur Zeit des Rennens fast nie ausgetrieben. Zwischen 2006 und 2016 hingegen trugen viele bereits Laub oder Blüten.
Ergebnis der Untersuchung: Vor 1990 hatten die Bäume zur Zeit des Rennens fast nie ausgetrieben. Zwischen 2006 und 2016 hingegen trugen viele bereits Laub oder Blüten.(Foto: Flanders Classics/dpa)
Mittwoch, 04. Juli 2018

Hunderte Stunden Filmmaterial: Radrennen-Bilder zeigen Klimawandel

Seit mehr als 100 Jahren treffen sich fast jedes Jahr im April Radrennfahrer in Belgien zur Flandern-Rundfahrt. Das Rennen führt auf jeweils ähnlicher Strecke durch die Region, aber die Fahrer von heute sehen eine andere Umgebung als die von früher.

Filmaufnahmen aus vier Jahrzehnten der Flandern-Rundfahrt belegen die Auswirkungen des Klimawandels auf die Natur in der belgischen Region: Während noch in den 1980er-Jahren Bäume und Büsche entlang der Radrennstrecke völlig kahl waren, schauten die Fahrer seit 2006 häufig in eine bereits ergrünte Natur. Das berichten belgische Wissenschaftler im Fachblatt "Methods in Ecology and Evolution". Verantwortlich dafür sei die infolge des Klimawandels gestiegene Temperatur.

Aufnahme von 1996 ...
Aufnahme von 1996 ...(Foto: Flanders Classics/dpa)

Die Flandern-Rundfahrt findet seit dem Jahr 1913 jährlich statt - die bisher einzige Ausnahme gab es während des Ersten Weltkrieges in den Jahren 1915 bis 1918. Filmaufnahmen des Rennens sind seit 1929 vorhanden. Die Forscher um Pieter De Frenne von der Ghent University (Melle-Gontrode) werteten allerdings nur Aufnahmen seit dem Jahr 1981 aus - seitdem gibt es Farbbilder von besserer Qualität.

Deutliche Verschiebung

Die Wissenschaftler durchforsteten zunächst hunderte Stunden von Filmmaterial. Sie wählten zwölf charakteristische Steigungen auf der Strecke aus und suchten nach einzelnen Bäumen oder Büschen, die in den Aufnahmen regelmäßig zu sehen sind. Dann bewerteten sie den Entwicklungsstand der insgesamt 46 ausgewählten Pflanzen in den einzelnen Jahren: Waren die Pflanzen noch kahl? Oder waren schon Blätter oder Blüten zu sehen? Und wenn ja, wie weit war die Entwicklung bereits fortgeschritten? Schließlich verknüpften die Forscher ihre Beobachtungen mit Klimadaten aus dem Zeitraum und der Region.

... und hier dieselbe Stelle 2002.
... und hier dieselbe Stelle 2002.(Foto: Flanders Classics/dpa)

Das wesentliche Ergebnis: Vor dem Jahr 1990 hatten die Bäume zum Zeitpunkt des Rennens fast nie ausgetrieben. Zwischen 2006 und 2016 hingegen waren viele Bäume bereits belaubt oder trugen Blüten, vor allem Hainbuchen, Weißdorn, Magnolien und Birken. Diese Verschiebung ließ sich am deutlichsten auf die Temperatur in den Monaten Januar bis März des jeweiligen Jahres zurückführen.

Künftige Auswirkungen vorhersagen

Phänologische Veränderungen besser quantifizieren und vorhersagen zu können, sei eine der wesentlichen und noch ausstehenden Aufgaben der Ökologie, schreiben die Forscher. Die Phänologie beschäftigt sich mit der Beobachtung von jährlich wiederkehrenden Naturereignissen, also etwa dem Blühbeginn bei Pflanzen.

"Unsere Methode kann auch genutzt werden, um Daten zu anderen Aspekten zu sammeln, die wichtig für die Ökologie oder die Evolutionsforschung sind, etwa zur Gesundheit von Bäumen, zu den Wasserständen in Seen und Flüssen und zur Verbreitung invasiver Arten", sagt De Frenne. "Nur wenn man Daten der Vergangenheit zusammenträgt, wird man in der Lage sein, die künftigen Auswirkungen des Klimawandels auf Arten und Ökosysteme vorherzusagen."

Quelle: n-tv.de