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Forscher untersuchen Knochen Rätsel um Stegosaurus gelüftet?

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Die Knochenplatten des Stegosaurus sollen je nach Geschlecht unterschiedliche Formen gehabt haben.

(Foto: picture alliance / dpa)

Bisher konnten Paläontologen nur mutmaßen, warum der Stegosaurus die charakteristischen Knochenplatten auf dem Rücken trug. Nun stellen Forscher eine detaillierte Untersuchung an und stellen fest, dass es zwei Plattentypen gab. Das lässt ganz bestimmte Schlüsse zu.

Die für Stegosaurier typischen Knochenplatten auf dem Rücken hatten vermutlich bei Weibchen und Männchen eine unterschiedliche Form. Zu diesem Schluss kommt der britische Paläontologe Evan Saitta von der University of Bristol nach einer detaillierten Untersuchung fossiler Überreste dieser Art. Er vermutet, dass die männlichen Tiere mit breiteren und insgesamt größeren Knochenplatten die Weibchen beeindruckten. Ein solcher Geschlechtsdimorphismus sei für Dinosaurier bisher nicht zweifelsfrei nachgewiesen.

Die Stegosaurier waren vierbeinige, pflanzenfressende Dinosaurier, die in ihrer Blütezeit vor etwa 150 Millionen Jahren nahezu weltweit verbreitet waren. Innerhalb der Gruppe gab es zahlreiche Gattungen, am bekanntesten ist jedoch die namensgebende Gattung Stegosaurus. Saitta untersuchte insgesamt 40 Knochenplatten der Art Stegosaurus mjosi. Wie die anderen Vertreter trugen die Urzeit-Riesen eine Doppelreihe von Knochenplatten auf ihrem Rücken, über deren Bedeutung Experten bisher nur Mutmaßungen anstellten.

Saitta fand, dass es zwei unterschiedliche Typen dieser Knochenplatten gab: Eine größere und eher breite und eine etwas länglichere Variante. Die Fläche des breiteren Typs ist um insgesamt 45 Prozent größer als die des länglichen, wie die Untersuchung zeigt. Ein einzelner Dinosaurier trug immer nur eine Variante Knochenplatten auf dem Rücken. Die Form der Platten veränderte sich zudem nicht mit zunehmendem Alter der Tiere, so eine weitere Erkenntnis des Forschers. Daraus schließt er, dass eine Form nicht die Weiterentwicklung der anderen darstellt. Auch Mischtypen der Platten-Varianten fand der Forscher nicht.

Platten ähneln Plakatwänden

Unter Ausschluss all dieser Erklärungsmöglichkeiten bleibe ein Geschlechtsdimorphismus die wahrscheinlichste Ursache für die unterschiedlichen Formen der Knochenplatten, schreibt Saitta. Die Weibchen hätten demnach die längliche, die Männchen dagegen die breitere Form getragen.

"Da Männchen typischerweise mehr in ihre Ornamentierung investieren, stammen die größeren, breiteren Platten vermutlich von den Männchen", erläutert Saitta in einer Mitteilung seiner Universität. Ähnlich wie eine Plakatwand böten sie bei der Suche nach einer Partnerin eine große Oberfläche für die Zurschaustellung. "Die länglichen, spitzen Platten könnten den Weibchen zur Abwehr von Räubern gedient haben." Eindeutig ließen sich die unterschiedlichen Platten aber bisher keinem Geschlecht zuordnen, räumt er ein.

Zu den untersuchten Fossilien gehörten Überreste von mindestens fünf S. mjosi-Exemplaren, die im US-Bundesstaat Montana gefunden worden waren. Die Unversehrtheit der Knochen und ihre Lage lasse vermuten, dass die Tiere gemeinsam gestorben waren und nicht nach ihrem Tod durch Räuber verschleppt oder von Wasser an ihren späteren Fundort gespült worden waren. Möglicherweise lebten die Tiere also gesellig in Gruppen zusammen.

Quelle: n-tv.de, kbe/dpa

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